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Title:
Geschichte des preußischen Vaterlandes
Persons:
Hahn, Ludwig
PURL:
http://gei-digital.gei.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:0220-gd-4386239
<br> 216 Friedrich Wilhelm's I. Kinderjahre. <br> dunkle schwarze Haar Stärke und Fülle andeutete, durch den Gegensatz Wechsel« <br> fettig gehoben und gemildert. <br> Auch durch milde, ächte Wohlthätigkeit erwarb sich die Fürstin die Liebe <br> und Dankbarkeit des Volkes. Ihr bleibendes Verdienst liegt jedoch darin, daß <br> sie zuerst in unserem Vaterlande die geistigen Bestrebungen in den höheren <br> Kreisen anregte und aufmunterte. Die Verbreitung feinerer Lebenssitte und <br> besserer geselliger Neigungen ist ihr wesentlich zu danken, und ihr Einfluß <br> hat in dieser Beziehung auf Berlin und von da aus auf die Proviuzeu weit <br> hinaus gewirkt. <br> 30. Friedrich Wilhelm I. König von Preußen (1718—1740). <br> Friedrich Wilhelm's frühere Jahre. Am 4. August 1688 hatte So¬ <br> phie Charlotte ihrem Gemahle Friedrich einen Prinzen geboten, welcher als <br> Thronerbe freudig begrüßt wurde. In Berlin und bei den Großältern in <br> Hannover war gleiche Freude über das erwünschte Ereigniß, und die Herzogin <br> Sophie, die Mutter Sophie Charlotten's, kam eigens von Hannover nach <br> Berlin, um ihren Enkel zu sehen. Als er ihr gebracht wurde, so stark und <br> kräftig, so offenen und trotzigen Blickes, wußte sie ihrer Freude keine Gren¬ <br> zen. Sie küßte ihn tausendmal unter Weinen und Lachen, rühmte immer auf's <br> Neue sein gutes Aussehen und mochte sich gar nicht mehr von ihm trennen. <br> Sie ließ nicht nach mit Bitten, die Aeltern möchten ihr das Kind mit nach <br> Hannover geben, doch wollte Friedrich nur versprechen, später ihren Wünschen <br> zu willfahren. Sophie Charlotte, so sehr ihr Geist sich sonst gern in hoch¬ <br> fliegenden Bildern und Wünschen bewegte, stellte sich bei der Erziehung des <br> Kronprinzen nur die schlichte und strenge Ausgabe, einen rechtschaffenen Mann <br> und tüchtigen Fürsten ans ihm zu machen. Die erste Warte und Pflege des <br> Prinzen wurde einer Frau von Roucoulles übertragen, welche sich als <br> flüchtige Protestantin mit Muth und Kühnheit aus Frankreich gerettet hatte, <br> und in jenen Tagen der Gefahr zugleich die Retterin ihrer Mutter und ihrer <br> beiden Töchter geworden war. Ihr fester, edler Charakter flößte Sophie <br> Charlotte großes Zutrauen ein. Bei dem jungen Friedrich Wilhelm reichte <br> jedoch weibliche Aussicht nicht lange hin, frühzeitig entwickelte sich mit der <br> Körperkraft fein lebhafter Geist und starker Wille, und Auftritte und Heftig¬ <br> keit und Trotz erschreckten oft die Mutter und die Erzieherin. Dem früheren <br> Versprechen gemäß zum Besuche nach Hannover gebracht, vertrug er sich mit <br> dem dortigen kleinen Kurprinzen so schlecht und machte seiner Großmutter so <br> viel zu schaffen, daß man ihn nach Berlin zurücknehmen mußte. Es wurde <br> daher die Wahl eines Erziehers beschlossen; dieselbe fiel auf den Generallieu¬ <br> tenant Burggrafen zu Dohna, einen Mann von feiner Bildung und strengen <br> Sitten, rechtschaffen und ehrenfest, dabei stolz und gebieterisch, durch sein gan¬ <br> zes Benehmen Ehrfurcht und Gehorsam einflößend. Die Wahl der Lehrer <br> war weniger glücklich: sie traf einen Franzosen Rebenr, der sich lässig und <br> ungeschickt erwies und dem Prinzen das Lernen verleidete, und Cramer, einen <br> gelehrten Pedanten, welcher sein Hauptbestreben darein setzte, seinem Zög¬ <br> linge das Französische verhaßt zu machen. Die Entwickelung, des Knaben <br> nahm keineswegs die Richtung, welche die Mutter erwartete; seine Fähig-