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Title:
Geschichte des preußischen Vaterlandes
Persons:
Hahn, Ludwig
PURL:
http://gei-digital.gei.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:0220-gd-4387638
<br> 356 <br> Friedrich Wilhelm HL (1797—1840). <br> 41. Friedrich Wilhelm als Kronprinz; seine Thronbesteigung. <br> Friedrich Wilhelm's Jugendzeit. Friedrich Wilhelm III., der älteste <br> Sohn des vorigen Königs, hatte am 3. August 1770 zu Potsdam das Licht <br> der Welt erblickt, in einem schlichten Bürgerhause, wo sein Vater Friedrich <br> Wilhelm als Kronprinz ein Absteigequartier hatte. Der große Friedrich saß <br> damals noch ans dem Throne; er begrüßte den neugeborenen Prinzen als <br> dereinstigen Thronerben mit herzlichen Freudenthränen und bewahrte dem¬ <br> selben stets eine große Theilnahme, um so mehr, als Friedrich Wilhelm schon <br> als Kmb tüchtige Eigenschaften des Herzeus und Willens erkennen ließ. <br> Sowie Friedrich Wilhelm das Knabenalter erreicht hatte, wurde ihm <br> ein Erzieher in der Person des Geheimenrathes Behnisch gegeben. Die Wahl <br> war nicht durchaus glücklich zu nennen; zwar diente des Lehrers strenger <br> Ernst dazu, dem jungen Prinzen ein treues Pflichtgefühl, sowie Fleiß und <br> Ordnungssinn mitzutheilen, aber andererseits war Behnisch's kränkliches und <br> oft mürrisches Wesen nicht dazu geeignet, einen frischen, freien und zuver¬ <br> sichtlichen Sinn bei dem Zöglinge aufkommen zu lassen, vielmehr wurde der¬ <br> selbe durch den Erzieher ängstlich, schüchtern und unsicher in seinem Beneh¬ <br> men gemacht. An und für sich hatte es Friedrich Wilhelm schon als Kind <br> durchaus nicht an Festigkeit gefehlt: davon zeugt auch jene oft erzählte Scene <br> mit Friedrich dem Großen. Der alte König hatte dem Großneffen, der in <br> seiner Stube spielte, den Ball weggenommen, der kleine Prinz bestand aber <br> mit solcher Festigkeit auf seinem Eigenthume und gutem Rechte, daß der König <br> ihm den Ball lächelnd mit den Worten zurückgab: „Du wirst Dir Schlesien <br> nicht wieder nehmen lasien." Nicht minder erfreute den alten Fürsten die <br> Aufrichtigkeit des jungen Friedrich Wilhelm. Einst ließ er ihn eine Fabel <br> von Lafontaine übersetzen und belobte ihn wegen der Geläufigkeit, mit welcher <br> er dies ausführte. Der Knabe bemerkte jedoch, daß er dir Fabel erst vor <br> Kurzem bei seinem Lehrer übersetzt habe, worauf ihm Friedrich mit noch grö¬ <br> ßerer Freude die Wangen streichelte und dabei sagte: „So ist's recht, lieber <br> Fritz; immer ehrlich und aufrichtig. Wolle nie scheinen, was Du nicht bist; <br> sei stets mehr, als Du scheinst." Friedrich Wilhelm hat selbst oft gesagt, wie <br> diese Ermahnung einen unauslöschlichen Eindruck aus ihn gemacht, und wie <br> ihm Verstellung uub Lüge jeder Zeit zuwider gewesen. In der letzten Unter¬ <br> redung, welche er mit dem großen Friedrich an der Pyramide bei Sanssouci <br> hatte, schloß dieser seine Ermahnung mit den Worten: „Nun Fritz, werde was <br> Tüchtiges. Es wartet Großes auf Dich. Ich bin am Ende meiner Tage und