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Title:
Geschichte des preußischen Vaterlandes
Persons:
Hahn, Ludwig
PURL:
http://gei-digital.gei.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:0220-gd-4384839
<br> 76 Iohann's Ende; Joachim I.; seine Bildung. <br> Universität die Bestätigung vom Papste und wurde feierlich eingeweiht: Pi- <br> storis hatte zwar seinen Sinn geändert und übernahm die ihm zugedachte <br> Stellung nicht, aber statt seiner trat der bekannte Gelehrte Wimpina als <br> erster Rector ein. Das Kanzleramt bei der Universität sollte jederzeit der <br> Bischof von Lebns haben. Die neue Anstalt nahm einen sehr schnellen Auf¬ <br> schwung: binnen Kurzem war dieselbe von tausend Schülern besucht. Doch <br> war dieser glänzende Erfolg nicht dauernd; besonders seitdem die benachbarte <br> Universität Wittenberg, als Sitz der Reformation, zu großer Berühmtheit <br> gelangte, wogegen die Frankfurter Hochschule durch ihren Widerstand gegen <br> die Reformation sich selbst den Todesstoß gab. <br> Iobann'sEnde (1499). Johann Cicero ertheilte noch aus dem Todbette <br> feinem Sohne Joachim sehr eindringliche Lehren, wie er seine Unterthanen am <br> besten beglücken könne; es war dies ein letzter Beweis seiner treuen Liebe zu <br> seinem Bolke. Besonders warnte er den Kurprinzen davor, die Unterthanen <br> mit Abgaben zu beschweren und ihr Vermögen zu erschöpfen, da es eine schlechte <br> Ehre sei, über Bettler zu herrschen; vom Kriegführen mahnte er ab, außer <br> zur Beschützung des Vaterlandes und zur Abwehr großer Unbilligkeit. <br> Wie Kurfürst Johann der erste unter den Hohenzollern war, der seinen <br> bleibenden Wohnsitz in der Mark gehabt, so war er auch der erste, dessen <br> Leiche auf brandenburgischem Boden die letzte Ruhestätte fand. Im Kloster <br> Lehnin wurden seine sterblichen Reste beigesetzt, später aber in den Dom zu <br> Köln an der Spree gebracht, wo ein schönes Denkmal von Adam Bischer an <br> den wohlwollenden, redlichen Fürsten erinnert. <br> 11. Kurfürst Joachim I. Nestor (1499 — 1535). <br> Kurfürst Joachim I., Johann Cicero's Sohn und Nachfolger, führte <br> die Regierung in einer Zeit, wo ein neuer Geist, der Geist der Reformation <br> und Wiedergeburt ganz Europa durchdrang: Deutschland war der erste und <br> wichtigste Heerd dieser geistigen Erneuerung, und auch unsere brandenburgi^ <br> schen Marken wurden sehr bald davon ergriffen. Wenn in solcher Zeit der <br> Bewegung und Erschütterung ein Fürst sich mit Ansehen und Ehren behaupten <br> soll, so muß ihm eine gewisse geistige Kraft uud Bedeutung inne wohnen, <br> welche ihn einen bestimmten Standpunkt mit Bewußtsein und Entschiedenheit <br> einnehmen läßt. Dies war bei Joachim I. der Fall, und obgleich er nach <br> seiner geistigen Eigenthümlichkeit sich dem neuen Leben feindlich gegenüber¬ <br> stellte, obgleich ihm verborgen blieb, wie in der Reformation ein Keim <br> neuer Größe für Preußen enthalte» war, so muß ihm doch die Gerechtigkeit <br> widerfahren, daß er bei seinem Widerstand nach seiner besten Ueberzeugung <br> und nach Pflicht und Gewissen handelte, nicht nach den Rücksichten weltlicher <br> Klugheit und List, wie er auch in allen übrigen Beziehungen die Regenten¬ <br> pflichten mit gewissenhafter Treue, mit Einsicht und kräftiger Entschlossenheit <br> erfüllte. Ehe wir den Beginn der Reformation und Joachim's Verhallen zu <br> derselben besonders in's Auge fassen, richten wir jedoch unseren Blick auf des <br> Kurfürsten sonstige Regierungshandlungen. <br> Joachim war bei des Vaters Tode erst fünfzehn Jahr alt, aber an Körper <br> und Geist bereits über dieses Alter hinaus entwickelt. Von hoher, kräftiger