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Titel:
Kommentar zu Serie I der Kulturgeschichtlichen Bilder
Personen:
Heymann, Theodor Uebel, Arthur
PURL:
http://gei-digital.gei.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:0220-gd-5307906
<br> — 73 — <br> sie sich die Zeit durch das Spielen mit Puppen (tocken), Bällen, Kugeln, <br> Kreiseln, Kochgeschirr und dergl. vertrieben hat, herbeigeholt, um sie dem <br> Sänger vorzustellen. Denn dieser weilt heute nicht zum ersten Male aus der <br> Burg, sondern war vor Jahren hier, als das Mädchen, das er zu sehen <br> begehrt, aus der Taufe gehoben wurde. Die Tochter versteht es bereits, sich <br> dem Sänger gegenüber nach den Regeln der Hofzucht zu benehmen, und die <br> Mutter ist erfreut, daß die Erziehung schon Fruchte zu zeigen beginnt. Bei <br> derselben kommt es weniger darauf an, dem Mädchen eine wissenschaftliche <br> Bildung zu geben, als vielmehr sie geschickt zu machen zu ihrem einstigen <br> Beruf. Dazu gehört vor allem ein anständiges, höfisches (daher höflich, hübsch) <br> Benehmen, also höfische Zucht, ferner die Kenntnis der gewöhnlichen gesell¬ <br> schaftlichen Spiele, der Mnfik und vielleicht auch einer fremden Sprache, <br> namentlich der französischen. Dabei wird aber auch die Vorbereitung für den <br> Beruf als Hausfrau nicht vernachlässigt; -Nähen, Spinnen, Sticken und andere <br> weibliche Handarbeiten muß das Mädchen von früher Jugend an erlernen. <br> Die religiöse Erziehung der Tochter, sowie der anderen Kinder des Ritters <br> ist dem Kaplan anvertraut, der sie das Paternoster, das Ave Maria und <br> den Glauben lehrt. Auch das Lesen und Schreiben versucht er ihueu bei¬ <br> zubringen, indem er sie die Buchstaben mit Griffeln auf Wachstafeln nach¬ <br> malen läßt. Freilich ist der Erfolg gering. Das Mädchen hat es hierin <br> weiter gebracht, als die Knaben, sodaß es vielleicht später im stände ist, das <br> Lied eines Sängers oder einen Ritterroman zu lesen. Die übrige Erziehung <br> liegt in den Händen der Mutter, denn eine Zuchtmeisterin, welche sich aus¬ <br> schließlich der Beaufsichtigung und der Unterweisung der Tochter widmet, ver¬ <br> mag man derselben nicht zu halten. Doch soll sie in nicht allzuferner Zeit <br> an den Hof des Laudesfürsteu gebracht werde, wodurch ihre Erziehung oollendet <br> werden wird. Streng handhabt die Mutter die Erziehung der Kinder. Un¬ <br> arten, widerspenstiges Wesen, Faulheit treibt sie ihnen mit tüchtigen Schlägen <br> aus. Aber der Sänger meint: <br> Nieman kan heberten Nimmer wirds gelingen, <br> kindes zukt mit gerten: Zucht mit Ruten zwingen: <br> den man z’eren bringen mac, Wer zu Ehren kommen mag, <br> dem ist ein wort als ein slac. Dem gilt Wort so viel als Schlag. <br> (S. Pfeiffer. No. 168. S. 281.) (S. Simrock. No. 197. S. 302.) <br> Während so der Wirt und seine Gemahlin sich mit dem fahrenden <br> Sänger unterhalten, fesselt den Kaplan und einen Ritter das Spick. Von <br> altersher ist das Würseln, welches der Sage nach in Palästina und zwar <br> in Hezar (oder Hazart, daher Hasart) erfunden sein soll, das beliebteste <br> L-piel unter Männern, unb auch Geistliche huldigen trotz strenger Verbote <br> diesem Spielteufel. Um sie von solcher weltlichen Lust einigermaßen abzuziehen,