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Title:
Karten und Skizzen aus der Entwicklung der größeren deutschen Staaten
Persons:
Rothert, Eduard
PURL:
http://gei-digital.gei.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:0220-gd-5684958
<br> Die Hansastädte. <br> Nr. 6. <br> I 1 Hamborg <br> Fnednchsort <br> Holtenau <br> eiligen h <br> Tönning <br> endsburg <br> Oldenburg <br> •<5 Heide <br> X <br> o > <br> ° 'V 7/ * <br> Meldorf C» j/£ <br> Eutin <br> Bornhöved <br> O 1227 <br> Neumünster <br> Segeberg <br> O <br> Itzehoe <br> oftatka <br> sbütte <br> Elbe <br> Neuwerk <br> X\t-U»S <br> Cuxhaven <br> ebüttel <br> Lübeck <br> Freiburg \ \ Glückstadt <br> Otterndorf <br> Oldesloe <br> Elmshorn <br> Ratzeburg <br> o <br> Pinneberg <br> oMöiln <br> emerhaven <br> Wandsbeck <br> burfl Friedrichsrub <br> Alton <br> Blexeno föeestemünd <br> Bremervör <br> Jadebusen <br> o^ergedorf <br> Büchen <br> Harburg\\yierlande <br> Lauenbu <br> Brake <br> o <br> Zeven <br> ^ Elsfleth <br> 6 <br> LüneburgC <br> Oldenburg <br> Rotenburg <br> Delmenhorst <br> Die Hansastädte. <br> So gering die räumlichen Veränderungen der Hansastädte sind, <br> so erheblich ist doch die sonstige Entwicklung und Bedeutung <br> derselben. <br> Lübeck, die älteste deutsche Stadt an der Ostsee, diente <br> ursprünglich zur Verteidigung gegen die Dänen und Obotriten. <br> Zu besserem Schutze wurde sie 1143 von Grf. Adolf v. Schauenburg <br> weiter landeinwärts verlegt. Heinrich der Löwe stattete sie 1167 <br> mit vielen Privilegien aus, die dem Recht (lübisches Recht) <br> und der Pflege des nordischen Handels zugute kamen (Wisby); <br> auch machte er sie an Stelle von Oldenburg zum Bischofssitze. <br> Friedrich I. u. H. bestätigten die Vorrechte, und bereits 1226 wurde <br> sie durch die Gunst des letzteren völlig unabhängige Reichsstadt. <br> Die Blüte derselben hängt zusammen mit der Entwicklung <br> des Ostseehandels, für den sie die nächste Verbindung nach der <br> Donau (Regensburg) und dem Niederrhein bot. Um gröfsere Schiffe <br> unterbringen zu können, wurde von den Grafen von Holstein 1329 <br> Travemünde angekauft und ausgebaut. — Die höchste Macht¬ <br> entfaltung fand 1368/70 unter dem Bürgermeister Warendorp statt, <br> der an der Spitze der Hansa Waldemar IV. von Dänemark be¬ <br> zwang. Aber manche Umstände machten die Dauer dieser Stärke <br> unmöglich. Zwistigkeiten in den Städten und unter den Städten, <br> dazu die Kirchenspaltung mit ihren leidenschaftlichen Kämpfen, <br> ganz besonders aber die Auffindung der neuen Seewege, alles <br> dies brachte einen jähen Verfall, den selbst die weitgehenden Re¬ <br> formen eines Jürgen Wüllenwever nicht aufhalten konnten. Er <br> selber wurde sogar als radikaler Sektierer, der den Münster- <br> scheri Schwärmern gleich zu achten, auf Befehl Heinrichs von <br> Braunschweig 1537 in Wolfenbüttel hingerichtet. Trotz des zu¬ <br> nehmenden Rückgangs rettete Lübeck freilich fortgesetzt und <br> namentlich auch 1803 und 1815 seine Unabhängigkeit, aber es <br> war nicht seine eigene Kraft, die es vor der dänischen Besitz¬ <br> ergreifung schützte. Seitdem neuerdings Holstein (1864) deutsch <br> geworden und Lübeck freundlichere Nachbarn erhalten, blüht das¬ <br> selbe sichtlich wieder auf. (Eisenbahn Lübeck—Hamburg 1865, <br> Zollverein 1886, Elbe-Travekanal 1898.) <br> Einwohnerzahl: 1815 36000 E.; 1864 55000 E.; 1914 117000E. <br> Hamburg, am untern, rechten Elbufer da gelegen, wo ver¬ <br> schiedene Flufsarme sich wieder vereinigen und den golfartig <br> breitgewordenen Strom auch für die Aufnahme grofser Seeschiffe <br> geeignet machen, ist ursprünglich Ausgangspunkt der nordischen <br> Mission (Ansgar 831), dann aber auch bald durch Fischfang und <br> Elbhandel ein aufblühender Ort geworden. Sein Emporkommen <br> lockte wiederholt die Normannen zum Plündern und Zer¬ <br> stören. (845) <br> Die nach allen Unfällen immer rasch sich erholende Stadt <br> wurde namentlich gefördert durch die Grafen von Schauen¬ <br> burg, welche die Vorrechte, wie die Elbfischerei und sonstige <br> zahlreiche Freiheiten sicherten, das Alsterbassin auszubauen <br> begannen und gegen die Dänenkönige 1227 bei Bornhöved <br> tapfer mitkämpften. <br> Trotzdem bereits 1241 mit Lübeck der Hansabund ge¬ <br> schlossen und bald darnach die Insel Neuwerk, deren „neues <br> Werk“ ein Leuchtturm war, zu dem Zwecke erworben wurde, <br> den Seeschiffen den Weg in die Elbe zu zeigen, und trotzdem <br> man schon 100 Jahre später zum Schutze desselben Verkehrs <br> und zur Überwachung der Seeräuber Ritzebüttel eroberte und <br> durch Kauf festhielt, (Störtebecker + 1402) gehört doch der <br> grofse überseeische Handel der Stadt nicht dem Mittelalter, <br> sondern der Neuern Zeit an. Erst die neuen Seewege boten <br> den Hamburgern vor Lübeck die grofsen Vorteile und kamen <br> in erster Linie dem Elbhandel zustatten. — Auch Hamburg <br> wurde jetzt eine freie Reichsstadt. (1510) Aus weiter Ferne zog <br> man nach diesem Platze, der auf dem gröfsten reindeutschen <br> Strom die Waren tief in das Innere Deutschlands gelangen <br> liefs. Und nicht blofs zum vorübergehenden Aufenthalt kamen <br> die Fremden. Es wanderten Portugiesen (Juden) zu und <br> Hugenotten, namentlich aber (seit 1567) zahlreiche flüchtende <br> Niederländer, die Geld, Erfahrung und Handelsbeziehungen <br> mitbrachten., Noch lebhafter entwickelte sich der überseeische <br> Verkehr seit dem Unabhängigkeitskriege der Vereinigten <br> Staaten. Schwere Zeiten, die sich natürlich noch oft wieder¬ <br> holten, wurden immer tatkräftig überwunden, so die der <br> Kontinentalsperre und der Heimsuchungen Davousts in der <br> Franzosenzeit, so auch, als 1842 der Brand, 1857 die Handels¬ <br> krise und 1892 die Cholera die Bürgerschaft prüften. Jetzt <br> ist Hamburg durch die Gunst der Lage und den kühnen Unter¬ <br> nehmungsgeist seiner Bewohner zweifellos die erste Handels¬ <br> stadt des Kontinents geworden. Seine Hafenbauten und <br> Reedereien werden nirgends in der Welt übertroffen und <br> stehen gleicherweise in den Diensten der Vaterstadt, wie in <br> denen des Deutschen Reiches. <br> Einwohnerzahl: 1815 154000E.; 1864 280000E.; 1914 1 015000E. <br> Bremen verdankt, wie Hamburg, seine erste Bedeutung <br> der Mission. Der 845 von Hamburg flüchtende Ansgar machte <br> Bremen zum Sitz des Erzbischofs, und seine Nachfolger, <br> namentlich der ehrgeizige Adalbert (f 1072), betrachteten und <br> entwickelten nunmehr diese Stadt als den Mittelpunkt des <br> ganzen Erzbistums. Aber trotzdem vermochte Bremen sich <br> mehr und mehr vom Bischöfe unabhängig zu machen, 1358 <br> der Hansa beizutreten und allezeit für die Freiheit des Weser¬ <br> handels gegen Zoll und Raub viel zu tun. 1534 gelang <br> sogar gegen den Willen des Erzbischofs die Durchführung <br> der Reformation. Wie somit die Stadt sich tatsächlich <br> immer mehr vom Bremer Erzbischof losmachte, gelang es ihr <br> anderseits endlich, vom Kaiser die Anerkennung als einer <br> unabhängigen Reichsstadt zu erhalten. (1646) Auch aus den <br> Napoleonischen Kriegen ging Bremen wieder als freie Stadt <br> hervor. Derselbe hochverdiente Bürgermeister Smidt, der dies <br> erreichte, setzte 1818 die endliche Ausführung der Beseitigung <br> des Elsflether Zolles durch und erwarb schliefslich 1827 von <br> Hannover den Flecken Landes, (5000' 1. 3000' br.) der den <br> Bau Bremerhavens und damit die Einführung der für den <br> Grofshandel unentbehrlichen, tiefgehenden Seeschiffe möglich <br> machte. Schon war es dahin gekommen, dafs grofse Schiffe <br> Bremen nicht mehr erreichten und nur noch bis Brake ge¬ <br> langten. Jetzt aber konnte Bremen in seinem neuen, dem <br> Meere so nahen Bremer Hafen den wirklichen Grofshandel <br> wieder aufnehmen. Noch mehr entwickelte sich derselbe, <br> seitdem Preufsen 1866 Besitz von Hannover ergriffen. Das <br> Gebiet Bremerhavens wurde erweitert, die Weser bis Bremen <br> selber erheblich vertieft und reguliert, und Bremens stolze <br> Schiffe, allen voran die des Norddeutschen Lloyd, durchfahren <br> jetzt sämtliche Meere der Welt, um in allen Häfen ihre ebenso <br> besonnenen wie unternehmenden Bremer Landsleute als ihre <br> geschickten und rührigen Geschäftsvermittler vorzufinden. <br> Einwohnerzahl: 1815 50 000 E.; 1866 98000 E.; 1914 300000 E.