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Title:
Karten und Skizzen aus der Entwicklung der größeren deutschen Staaten
Persons:
Rothert, Eduard
PURL:
http://gei-digital.gei.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:0220-gd-5685311
<br> Bayerns Wachsen bis 1350. Entwicklung der Pfalz <br> Nr. 4. <br> mburg <br> / oLeuw,drden <br> Harlingen <br> Friesland I <br> 'Bremen <br> OPerleberg <br> ) Stendalo <br> XangermUnded <br> laag^^, <br> Rotterdai <br> Berlin <br> Brandeiburg <br> (Frankfurt <br> Magdeburg' <br> Utfiddolbui <br> ,Lubben <br> Guben <br> iKottbus <br> Antwerpen <br> Schelde, <br> ° Leipzig <br> Aachen <br> Mon% ' <br> /Hennegai <br> o Erfurt <br> Lubeuge <br> Koblen <br> ^Gelnhausen <br> Frankfurt <br> Bacharacm <br> Strornber'gv <br> lOppenheiin <br> f Lindenfelsl <br> orms , <br> . 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Wittelsbach f 1183 <br> Herzog von Bayern 1180 <br> Otto <br> Pfalzgraf von Bayern <br> Agnes <br> Heinrich <br> Pfalzgr. am Rhein <br> 1225 <br> Ludw. I. d. Kelheimer Otto f 1208 <br> Pfalzgr. am Rhein 1214 (erschlägt Kaiser Phil. v. Schwaben) <br> Otto H. d. Erlauchte f 1253 <br> Oberbayern- <br> Rheinpfalz <br> Niederbayern (Landshut) <br> Elisabeth <br> Ludwig d. Strenge + 1294 <br> Heinrich f 1290 <br> Konradin f 1268 <br> Rhein- u. Oberpfalz <br> Rudolf I. f 1319 <br> Oberbayern (München) <br> Kaiser Ludw. d. Bayer f 1347 <br> erlischt 1340 <br> Oberbayern Brandenburg Tirol <br> Ludwig <br> (Gem. Marg. Maultasch) <br> Meinhard f 1363 <br> (Linie erlischt.) <br> Stephan I. f 1375 <br> Stammvater der folgenden <br> bayr. Herzöge <br> Niederbayern u. Holland Brandenburg <br> Ludwig d. Römer Otto d. Faule x <br> erhält 1351 Brandenburg verz. 1373 auf Brandenburg <br> Bayern unter den Wittelsbachern. <br> Bislang hatte sich Bayern den Kaisern gegenüber zurück¬ <br> gehalten und auch zum Reiche meist eine Art Sonderstellung <br> eingenommen; unter den Wittelsbachern aber wurde das Ver¬ <br> hältnis sofort ein freundliches. Den Segen dieses Wechsels <br> erfuhren beide Teile. Von Bayern darf behauptet werden, <br> dafs es durch die Hohenstaufen grofs und in seiner eigen¬ <br> artigen Entwicklung geradezu bestimmt worden. Veränderte <br> es doch jetzt gewissermafsen seine Front und suchte seine <br> gröfseren Ziele nicht mehr im Osten, sondern im <br> Westen, auch am Rheine, wie die Hohenstaufen selber.— <br> Schon auf den ersten Römerzügen hatte Otto von Wittelsbach <br> dem Barbarossa 1155 und 1158 die wertvollste Hülfe geleistet <br> und in dankbarer Anerkennung dafür 1180 das Herzogtum <br> Bayern erhalten. Dies freundliche Verhältnis störte kein <br> Zwischenfall, auch nicht die Ermordung des Kaisers Philipp <br> von Schwaben durch den Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach; <br> denn dies Verbrechen war aus der Privatrache eines einzelnen <br> geschehen und am Täter sofort gesühnt worden. Aufserdem <br> hatte Ludwig I. von Bayern „aus Scham“ über seinen Vetter <br> sogar die Stammburg Wittelsbach selber zerstört. <br> Dagegen folgten neue Wohltaten den alten. Barbarossa <br> hatte Bayern gegeben; Friedrich H. fügte 1214 die Rhein¬ <br> pfalz hinzu, und schliefslich vererbten die letzten Hohen¬ <br> staufen — Konradin war ein Neffe Ludwigs des Strengen — <br> auch noch ihren längst verpfändeten Besitz im Nordgau an <br> die Wittelsbacher. Denselben vervollständigten diese noch <br> durch neue Erwerbungen, wie die der Grafschaften Cham, <br> Vohburg u. a. <br> Leider aber sollten die ausgedehnten Länder — Bayern, <br> Rheinpfalz, Nordgau — bald wieder durch Teilungen zer¬ <br> rissen werden. <br> Eine erste Teilung (1253) in Oberbayern (München) und <br> Niederbayern (Landshut) hatte allerdings keinen längeren <br> Bestand, da Niederbayern bereits 1340 infolge Aussterbens <br> wieder an Oberbayern zurückfiel. Eine zweite Teilung aber, <br> die Ludwig d. Strenge bei seinem Sterben für seine beiden <br> Söhne eintreten liefs (1294), hatte die dauernde Trennung der <br> Pfälzer und bayrischen Länder zur Folge. Zur Kurpfalz <br> am Rhein kam bei dieser Gelegenheit trotz seiner Lage und <br> trotz seiner bayrischen Bevölkerung der mainaufwärts ge¬ <br> legene „Nord“gau, der seitdem die „Oberpfalz“ genannt wurde. <br> Diese, die so oft in der Geschichte ihren Herrn gewechselt, <br> wurde auch jetzt wieder der Zankapfel für die beiden Wittels¬ <br> bacher Linien, und der daraus sich entwickelnde Gegensatz <br> wurde nicht blofs für sie selber, sondern auch für ganz <br> Deutschland wiederholt geradezu verhängnisvoll. <br> Auch der Familienvertrag von Pavia (1329), der end¬ <br> gültig die gegenseitigen Beziehungen und den Wechselbesitz <br> der Kurwürde regeln sollte, konnte das Verhältnis nicht <br> besser gestalten, zumal da die Goldene Bulle (1356) die Kur <br> dauernd der Pfälzer Linie ausschliefslich zusprach. <br> Von grofsem Interesse ist die eigenartige Entwicklung <br> dieses Pfalzgrafentums. <br> Die Pfalzgrafen am Rhein waren unter den zahlreichen <br> Vertretern kaiserlicher Rechte die bedeutendsten. Sie hatten <br> ursprünglich, wie auch die drei anderen Pfalzgrafen, die <br> Bestimmung, ein Gegengewicht gegen die Stammesherzöge <br> zu bilden. In dieser Eigenschaft sprachen sie namens des Kaisers Recht, <br> verliehen Privilegien und verwalteten die kaiserlichen Güter. Während <br> dann jedoch anderswo, z. B. in Bayern, die herzogliche Gewalt die stärkere <br> wurde und das Pfalzgrafenamt mit dem eigenen vereinigte, löste sich um¬ <br> gekehrt in Franken das Herzogtum in viele Teile auf, aber an die Stelle <br> der kaiserlichen Gewalt trat hier diejenige seines Pfalzgrafen. Derselbe <br> wurde um so mächtiger, als hier am Mittelrhein die kaiserlichen Pfalzen <br> zahlreicher denn irgendwo anders waren. (Bacharach, Ingelheim, Oppen¬ <br> heim, Kaiserslautern, Trifeis, Heidelberg, Gelnhausen u. a.) Dafs dabei <br> die Pfalzgrafschaft eine so zerrissene Gestalt erhielt, erklärt sich schon <br> aus der Zusammenfügung so vielen Einzelbesitzes. — Anfangs hatten <br> die Pfalzgrafen in Aachen gewohnt, wo ja schon seit Karl d. Grofsen <br> das vornehmste Hoflager des Kaisers gewesen. Dann verlegte der Pfalz¬ <br> graf seinen Sitz nach der Burg Stahleck bei Bacharach, von wo aus man <br> Land und Rechte weiter zu mehren wufste. Hier residierte u. a. der <br> Pfalzgraf Konrad, dem sein Bruder, der Kaiser Barbarossa, die Würde <br> gegeben, und so fand hier die romantische Heirat des Welfen Heinrich <br> und der Staufin Agnes statt, aber derselbe Konrad erweiterte auch um <br> seinen staufischen Hausbesitz südwärts die pfalzgräflichen Lande. Die <br> Richtung dieses Zuwachses zog dann bald die Verlegung der Residenz <br> nach Heidelberg nach sich. <br> Hatte die oben erwähnte Heirat die Pfalzgrafschaft den Welfen <br> zugebracht, so führte der neue, 1214 bei Bouvines entschiedene Krieg <br> wieder zur Zurücknahme derselben und zur Übertragung des Amtes <br> an den treuen Wittelsbacher Ludwig den Kelheimer. Sein Sohn Otto <br> brachte dann 1225 durch die Heirat der welfischen Pfalzgrafen Tochter <br> Agnes auch den Familienbesitz an die Wittelsbacher. Der ganze <br> Zuwachs wurde diesem Hause nochmals 1255 durch Vertrag bestätigt. <br> Damit war Bayern, dessen Herrscher bereits seit Otto dem Erlauchten <br> zu Heidelberg residierten, im Begriff, den Schwerpunkt des Reiches von <br> der Donau nach dem Mittelrhein zu verlegen, als die oben erwähnte <br> Teilung 1294 Bayern wieder trennte. Die ältere Linie bekam den als vor¬ <br> nehmer geltenden Teil am Rhein und dazu auch den Nordgau, der nunmehr <br> Oberpfalz genannt wurde. Bayern selber aber war wieder klein geworden. <br> Doch Ludwig, das Haupt dieser jüngeren Linie, tat alles, dasselbe wieder <br> zu vergröfsern. 1314 liefs er sich zum Kaiser machen, obschon dies nur <br> möglich war im langjährigen Kampfe nicht blofs mit Österreich, dem alten <br> Widersacher, sondern auch mit seinem eigenen Bruder, dem Kurfürsten <br> von der Pfalz. Dafs er durch Erbschaft (1340) die Hausmacht um <br> Niederbayern ausdehnte, war gewifs erfreulich, dafs er durch die <br> Verheiratung der Marg. Maultasch mit seinem Sohne Ludwig (1342) das <br> altbayrische Tirol wieder erwerben wollte, war begreiflich, so bedenk¬ <br> lich auch die Mittel waren, jedoch die Besitznahme der entlegenen, jetzt <br> „freigewordenen“ Länder Hennegau, Seeland, Holland, Friesland <br> (1345) sowie bereits früher (1324) die von Brandenburg mitsamt der <br> Niederlausitz verrät eine Ländersucht, die auch vor den unnatür¬ <br> lichsten Erwerbungen zugunsten der Hausmacht nicht zurückschreckte. <br> Wieviel einfacher und näher liegend waren doch die Wege der <br> früheren Ausdehnung im S. Osten gewesen!