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Title:
Karten und Skizzen aus der Entwicklung der größeren deutschen Staaten
Persons:
Rothert, Eduard
PURL:
http://gei-digital.gei.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:0220-gd-5685550
<br> Baden und Württemberg in der Neuern Zeit. <br> Nr. 12. <br> Eberhard d. Greiner + 1392 <br> Urach I Stuttgart <br> I I Württemberg. <br> I Baden. <br> Frankreichs Erwerbungen 1552. <br> Bis 1789 hinzugekommen. <br> Koblenz <br> y. Eberhard II. f 1504 Heinrich <br> Eberhard V. im Bart <br> Herzog 1495, f 1496 <br> w Inningen <br> Stuttgart <br> Mömpelgard <br> Ulrich VI. f 1550 <br> vertrieben 1519—1534 <br> Frankfurt ^«w_Aj[anaa <br> Offeubach <br> Wiesbaden <br> Christoph + 1568 ^/liJberhard Ludw^Karl Alexander <br> Linie erlischt 1593 an .j. 1733-^'^ | .j.1737 <br> Karl II. Eugen <br> f 1793 <br> Aschaffenburg <br> Simmern <br> Mainz <br> Bingen <br> Darmstadt <br> S ' Winterburg <br> VJÄH «v^e ^'Kreuznach <br> \(o *\_^Spoah <br> t <br> "G* Oßfotpr' I <br> eisenheim \ <br> Oppenheim <br> ach <br> Alzey <br> Würzbur <br> ertheim. . <br> . / •*./ ) <br> Benshelm <br> sidan <br> Trier <br> Tauber-BIschofsheim <br> Birkenfeld© <br> o <br> Arlon <br> . Worms <br> Fr&nkenthall v.% / \ <br> aflnhelm <br> Luxemburg: <br> Boxberg>^^tbeim ■ <br> T ° V <br> LongwyN <br> Eberbach <br> Ladenburg <br> _ , , Dürkheim <br> Kaiserslautern n <br> Rothenbü <br> St. Wendel P \ <br> Mosbach/'"» <br> . ^ o / r f-N Jr <br> Heidelberg <br> Speyer <4 \ Wiesloch <br> D8bach <br> Dledenhofen <br> I <br> i <br> \ <br> Saarlouis -— <br> Sinsheim <br> Zweibrucken \ <br> .'"''fci Rodalben Geimershelmf oRhIllPP8b?irf» Wlnfpfen <br> fl ' ! r"*K-/| vWeinsberg <br> LandayO ^ J Bruchsal J*; ’S' ) <br> kg> 0 * 1 <br> / \ I - <br> * \ Metz : <br> Saarbrücken <br> ) <br> oEtuin <br> ellb'ronn'. <br> varennes <br> o ‘^.1/ <br> ^irmasens V ^ v <br> Lauffen <br> , * Bad. j s* ' " J 1534 <br> CC'wO \f Karlsruhe > '-/Maulbronn <br> N O s-/ Besigheim' <br> r'‘f Saari^nion ) i Wörth 0 ®8S,.ln&en jClr i Ludwlgsburg£ <br> \0 Dinkelsbühl <br> Saargemun <br> Bitsch <br> Weissenburg^Tv B SP- <br> .Falkenb <br> Ellwangen \ <br> ont k Mousson <br> / r. 1 Buchsweller oHagenau ä'tkfi Fl-i..-- } Solitude>£ toCannstadt Bern* .'Gmünd <br> VÄ,-- itUttgS° <br> Saarburg zAern v«-fV‘7v’ Gern&mch' / Calwo Hohenhälfco *l1* <br> \ DoJon T . / Denkendorf <br> ^einfn-j 8trassburgOl <br> \_._Baden V/ W ü r ttemje r g - 0sllWn <br> gen^ Stra8sbur^/fckKehl » | o V Urach <br> > \ - rs'. 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Lichtenstein, <br> v;-j ^o2ei1 <br> Rambef^^^ \St. Dl^^i 7 A 'twl ^ <br> \ J '— /Marklrch <br> ''W _,Sc^Iettstadt J V\Een'zliige^,-^ ‘ <br> Aalen <br> Rastatt <br> ' / n. s. h d. \ suiz SY V“ol“kVH z m. <br> IChateau-Sallns <br> V <br> o t <br> IHeidenheiniv <br> -le-Duc <br> ancy r <br> St. Dlzier <br> Lunevllle <br> ^ ( i C, W^\ : <br> Ehingen <br> •. / f i Hechineen f~v \ <br> 'TV^I o < <br> v *% ^ p J ^ \ ^ QjRottwdlr> / 's <br> Rappolt^fie'J^ / N, EmgtendWen ftibW ~ N7 <br> j-N j iWt;7Horbor{ .^|/X>tllochberg <br> I 'I X ( aL"v/ \ -—/ r" Jy ’5.1gmarl <br> ! ••'Colmar0! ‘••'/.v'j \ \ YiUIneen^'v^ % ^ \ <br> Biberach <br> o Eplnal <br> SIgmarlneen <br> Memmingen <br> o <br> Breisac <br> Remlremont /* Sünster <br> Don^ue« ch 1 ngen'v/vputtlln ge n <br> / <br> ■- <br> Freiburg <br> P?ullei^do <br> Christoph I. f 1527 <br> Baden - Baden Baden - Pforzheim <br> 'Stüllheim! <br> l/\ „ . Uberlingen Ravensburg <br> i HohentwlePfc- ^*dolfze <br> /' J&MächJw£> \ ^Mee^urg <br> l *v I <br> Kempten <br> Ihann <br> Ernst <br> Karl y. Baden - Dur lach <br> Hühlhause <br> I Y-y <br> Konstan <br> Ludw. Wilh. f 1707 <br> Waldshut <br> nt>5; <br> ^^Tf^Säckinge <br> Immenstadt <br> l Lindau <br> { Wtb9-\B°elfort V* <br> \ S- \ <br> Altkiroh <br> Georg Friedrich <br> i, <br> Winterthur <br> regenz <br> LlnJe erlischt 1771 <br> & Mömpelgard : <br> Karl Wilhelm f 1788 <br> Karl Friedrich f 1811 <br> St. Gallen <br> Zürich <br> iarau <br> Baden. <br> Der mild und gerecht denkende Christoph I. hatte bei seinem <br> Sterben (1527) das Land, zu dem Ende des Mittelalters noch Hochberg <br> und Sausenberg hinzugekommen, unter seine beiden Söhne annähernd <br> gleich geteilt. Bernhard hatte Baden-Baden, Ernst Baden-Pforzheim <br> (später Dur lach) und die südlichen Nebenlande erhalten. Die Re¬ <br> formation brachte dann diese getrennten Linien noch weiter auseinander, <br> da Baden-Baden, namentlich nach der unglücklichen Wimpfener Schlacht <br> (1622), der katholischen Sache treu blieb, während Baden-Durlach dauernd <br> zu den streitbarsten Kämpfern für die evangelische Lehre gehörte. <br> Von der Baden-Badener Linie ist der bedeutendste Ludwig- <br> Wilhelm (1677/1707), der sich nicht blofs gegen die Türken bei Wien <br> (1683), Ofen (1686) und Salankemen (1691) auszeichnete, sondern auch <br> gegen seinen Paten Ludwig XTV. Die leichte und geniale Entschliefsungs- <br> kraft eines Prinzen Eugen oder eines Herzogs von Marlborough besafs er <br> allerdings nicht. (1704) Als Landesherr verlegte er, dem Geschmacke <br> seiner Zeit huldigend, die Residenz von Baden-Baden nach Rastatt. <br> Die volle Ebene entsprach ja mehr dem damaligen Schönheitsgefühl, <br> als die für Massenbauten weniger geeigneten Berge, doch erleichterte <br> ihm freilich den Entschlufs der Umsiedelung die durch Melacs Scharen <br> bewirkte Zerstörung des alten und des neuen Schlosses in Baden-Baden. <br> Im neuen Rastatter Schlofs fanden 1714 die Friedensunterhandlungen <br> statt, die die spanischen Erbfolgekriege beendeten, während seine Gattin <br> Auguste Sibylle vorwiegend in dem nahen Schlofs Favorite sich auf¬ <br> hielt, wo sie sich erst ihren Freuden und dann den ausgesuchtesten <br> Kasteiungen widmete. — Den Prachtbauten — auf das Rastatter Schlofs <br> allein waren über 12 Millionen Gulden verwendet — entsprach aber <br> nicht der Wohlstand des Landes und überverschuldet ging dasselbe 1771 <br> auf die jüngere Linie über. — Wirtschaftlich war jedenfalls besser in <br> Baden-Durlach verfahren. Schon der Begründer Ernst war „zwar <br> fürstlich und löblich, aber ersparlich“. Von seinem Zimmer über dem <br> Toreingang im Pforzheim aus überwachte er als guter Hausvater, <br> was ein- und weggetragen wurde. Ähnlich war sein Nachfolger, Karl <br> „mit der Tasche“, der allerdings das Schlofs Karlsburg baute, aber doch <br> persönlich noch aus einem Säckchen die Werkleute bezahlte. — Georg <br> Friedrich (1590/1622) beteiligte sich an der Union in Ahausen (1608), <br> kämpfte dann unglücklich mit seinen Pforzheimern bei Wimpfen (1622) <br> und lebte darauf längere Zeit zurückgezogen auf seiner Feste Hochberg. <br> Sein Sohn Friedrich V. verband sich in gleicher Politik mit Oxenstierna <br> (Heilbronn 1633) und bekam dann im Westfälischen Frieden sein Land <br> zurück. Von den Heimsuchungen durch die Mordbrenner Melacs (1689) <br> hatten auch Durlach und Pforzheim schwer zu leiden. <br> Der Markgraf Karl Wilhelm (1709/1738) entschied sich demnach <br> aus demselben Anlafs, wie sein Vetter Ludwig Wilhelm in Baden-Baden, <br> zum Baue eines neuen Schlosses, das, fern vom Weltgetriebe, mitten im <br> Walde liegen sollte. Nach Herstellung des Friedens wollte er sich ein <br> „Karlsruhe“ errichten, freilich zunächst nur aus Holz, aber doch grund¬ <br> sätzlich nach dem Muster des Versailler Schlosses. Nach hinten wurden <br> radienförmig 32 Durchhaue in den Wald hinein angelegt und ebenso <br> fächerartig nach vorne die Strafsen für die Wohnhäuser, die jedoch be¬ <br> scheiden ländlich und einstöckig bleiben mufsten. Nur Mansardendächer <br> wurden nach Art der holländischen Gartenhäuser gestattet. Von dem <br> Mittelpunkte des Schlosses aus konnten die Blicke und Befehle des Mark¬ <br> grafen, den Strahlen der Sonne gleich, nach allen Richtungen gehen; <br> hier wollte derselbe, der zugleich ebenso fromm wie galant war, in <br> Betrachtung der Natur und im Genüsse des Schönen den Schöpfer recht <br> verehren. Freilich fand er auch hier die „Ruhe“ nicht, die er sich von <br> der Beobachtung und dem Genüsse versprochen hatte. Hatte Karl Wilhelm <br> viel von der Frömmigkeit und der Galanterie Ludwigs XIV., so war der <br> Nachfolger Karl Friedrich (1738/1811) ein Kind seiner aufgeklärten, <br> auf Philanthropie und Zweckmäfsigkeit gerichteten Zeit. Rückhaltslos <br> strebte er vorwärts. Die Rechtspflege wurde menschlicher (Tortur und <br> Todesurteil abgeschafft), die Toleranz mit Ernst geübt, wozu ihm aller¬ <br> dings die Erbschaft des katholischen Baden-Baden (1771) sowie die Aus¬ <br> einandersetzung über die Hinteren Sponheimschen Gebiete (1776) noch <br> besondere Anregung gaben. Zur Hebung der Literatur trat er mit Klop- <br> stock, Lavater, Jung-Stilling u. a. in nähere Beziehung. Bei den Massen <br> suchte er Bildung (Schulen und Bibliotheken) und Wohlstand zu fördern. <br> Darum pflegte er die Landwirtschaft, die Forstkultur und den Gartenbau. <br> (Verbreitung von Mais, Tabak, Hopfen u. a.) Kurzum, Karl Friedrich be¬ <br> günstigte eifrig alles praktisch Gute und Nützliche, wie es ungestüm die <br> „Aufklärung“ der neuen Zeit verlangte. Kein Wunder also, dafs bei den <br> kommenden Umgestaltungen ihm schon deshalb allseitig die Neigungen <br> entgegengetragen wurden. Dafs er persönlich über die Schranken der <br> alten Sitte sich wegsetzte und in zweiter Ehe die nicht ebenbürtige <br> „Gräfin Hochberg“ heiratete, machte ihn gewifs nicht unbeliebter. <br> Das Herzogtum Württemberg. <br> Die gröfste Territorialmacht auf schwäbischem Boden war Württem¬ <br> berg, aber auch seine politische Bedeutung blieb bis zur französischen <br> Revolution nur gering. Zum Herzogtum wurde es durch Maximilian I. <br> erhoben. (1495) Es war mit dieser Auszeichnung auch eine persönliche <br> Ehrung Eberhards I. im Bart (1450/96) beabsichtigt, der als der <br> „reichste Fürst“ im Liede gefeiert wird, die Treue seines Volkes sich <br> aber auch durch viele zweckmäfsige und treffliche Taten wirklich <br> verdient hat. (Landfrieden, Universität Tübingen 1477, Verlegung der <br> Residenz von Urach nach Stuttgart, Unteilbarkeit des Landes.) Sein <br> zweiter Nachfolger Ulrich VI. (1504/1550), der so wesentlich in Württem¬ <br> bergs Geschichte eingegriffen, war persönlich jedenfalls viel minder <br> liebenswert. Aus der Pfalz-Landshuter Fehde gewann er gleich anfangs <br> Maulbronn, Besigheim, Weinsberg und auch Heidenheim; aber seine <br> Natur war gewalttätig undl drängte sogar seine Gemahlin Sabine, eine <br> bayrische Prinzessin, zur Flucht, trotzdem Ulrich überzeugt war, sie „nit <br> zu hart“ geschlagen zu haben. Als Hans von Hutten,, ein Verwandter <br> Ulrichs von Hutten, von dem Herzog aus Jähzorn im Walde erstochen <br> wurde, und ein Überfall Reutlingens, das Württemberger Landstadt werden <br> sollte, auch den Schwäbischen Bund in Bewegung brachte (1519), mufste <br> der Herzog für lange Zeit aus dem Lande flüchten und konnte erst 1534 <br> mit Hülfe Philipps von Hessen nach Württemberg zurückkehren. Bei <br> dieser Gelegenheit wurde das Herzogtum vollständig reformiert. Am <br> Schmalkaldischen Krieg hatte der alt und krank gewordene Ulrich keinen <br> ernstlichen Anteil mehr. Viel edeler war sein tatkräftiger,, durch harte <br> Jugend gereifter Sohn Christoph (1550/68). Durch den trefflichen Brenz <br> führte er die Reformation gründlich zu Ende, wobei er hochherzig dem <br> Kirchengut eine der Erziehung dienende Verwendung gab. Nicht blofs <br> die Universität Tübingen mit ihrem Stifte, sondern auch vorzügliche <br> höhere Schulen in Urach, Blaubeuren und Maulbronn dienten hinfort der <br> Ausbildung des hochbegabten Volkes. <br> Auch in Württemberg machte sich die schwere Zeit des 30jährigen <br> Krieges zeitig geltend. Schon seit 1622 wurde das Land verheert, der <br> Herzog Eberhard IH. (1628/74) endlich nach der Nördlinger Schlacht <br> (1634) aus dem Lande gejagt und Württemberg wie zu den Zeiten des <br> Herzogs Ulrich eine österreichische Provinz. Nur die anscheinend un¬ <br> einnehmbare Feste Hohentwiel wurde, obschon fünfmal belagert, durch <br> den Hessen Wiederhold tapfer gehalten. Trotz dieser Heimsuchungen <br> und trotz der Wiederholung derselben durch Melac, der Stuttgart 1688 <br> drei Tage lang plündern liefs, erlaubte sich Eberhard Ludwig (1677/1733) <br> in dem ausgesogenen Lande alle die Freuden, an denen die absoluten <br> Fürsten jener Tage Gefallen fanden. Um der ersten Gemahlin, die im <br> Stuttgarter Schlofs blieb, aus dem Wege zu gehen, baute er sich für die <br> zweite, eine Grävenitz aus Mecklenburg, die neue Residenz Ludwigs¬ <br> burg. Natürlich wurde dieses Württemberger Potsdam ganz im Ge¬ <br> schmacke jener Tage angelegt: Kasernen, lange, breite, schnurgrade <br> Strafsen, meist Alleen, und überall wenig Verkehr. <br> Hatte Eberhard Ludwig hier bereits die Anfänge einer stehenden <br> Armee geschaffen (dieselbe zählte damals 2000 M.), so wurde diese unter <br> dem soldatischen Vetter und Nachfolger Karl Alexander (1733/37) <br> weiter entwickelt. Zur Beschaffung der Mittel für die 10 000 Sol¬ <br> daten mufste der Hofjude Süfs-Oppenheimer immer neue Geldquellen <br> erschliefsen. (Ämterverkauf, Lotterie, Monopole, selbst für das Kamin¬ <br> fegen.) Länger und eingreifender regierte sein Sohn Karl Eugen <br> (1737/93). Er war eine der gewalttätigsten Naturen. Sein Despotismus <br> gestattete ihm willkürliche Einsperrungen auf dem Hohentwiel und <br> Hohenasberg (Moser, Rieger, Schubart), Verkauf von Landeskindem an <br> das Ausland, z. B. nach dem holländischen Kaplande (s. Schillers „Kabale <br> und Liebe“), und Feste jeder Art. Selbstverständlich war das Halten <br> einer zahlreichen Armee, die „dem Lustre des Hauses entspräche“. <br> Und doch spielte dieselbe im 7 jährigen Kriege (1757 und 1759) eine kläg¬ <br> liche Rolle, wie denn überhaupt die kriegerische Tüchtigkeit des schwä¬ <br> bischen Stammes vor 1789 kaum irgendwo zum Ausdrucke gelangte. <br> Im wesentlichen waren die damaligen Truppen ja für die Parade da. — <br> Erheblich erfreulicher war die zweite Hälfte der langen Regierung <br> Karl Eugens. Dasselbe Jahr 1770, in welchem er sich mit seinen Ständen <br> vertrug und den Erbvergleich schlofs, der das „alte“ schon (1514) von <br> Herzog Ulrich zugestandene „gute Recht“ der Stände bestätigte, brachte <br> auch die Verbindung mit seiner zweiten Frau, Franziska v. Hohenheim, <br> die den Herzog nicht gerade unvorteilhaft beeinflufste, sondern ähnlich, <br> wie es die Maintenon bei Ludwig XIV. tat. Ihren Anregungen folgend, <br> gründete er die Karlsschule auf der Solitüde. So militärisch und förm¬ <br> lich uns die Einrichtungen dieser Anstalt erscheinen, so laut verkündigen <br> doch anderseits die Leistungen zahlreicher Schüler ihr Lob. (Haug, <br> Dannecker, Wolzogen, Schiller, Zumsteeg.) Goethe und den Herzog von <br> Weimar, die 1779 von der Schweiz kamen, lockte es, auf der Rückreise <br> hier den Prüfungen beizuwohnen. Freilich war Karl Eugen damals noch <br> in den Vorurteilen seiner Zeit so befangen, dafs er seinen Kavalieren <br> den Verkehr „mit diesem bürgerlichen Goethe“ verbot. Als aber die <br> revolutionären Ideen überall eindrangen, änderte sich auch Karl Eugen. <br> 1791 trug er in Paris die Nationalkokarde und verkehrte mit Mirabeau. <br> Wir sehen also auch Württemberg zeitig einlenken, und das förderte <br> gewifs die demnächstige freundlichere Behandlung durch die Franzosen. <br> Inzwischen war Frankreich mit seiner östlichen Grenze Deutsch¬ <br> land immer näher gerückt. 1552 hatte es Metz, Toul und Verdun ge¬ <br> nommen, 1648 das österreichische Elsafs, 1668 Teile der spanischen Nieder¬ <br> lande (Diedenhofen), 1679 die „reunierten Dependancen“ Österreichs im <br> Elsafs und die Reichsstädte, 1681 Strafsburg, 1766 Lothringen. Frankreich <br> stiefs jetzt auf langer Linie an den Rhein, beherrschte mit seinen Strafs¬ <br> burger Kanonen den Übergang über denselben und mit seinen Ideen, <br> die natürlich viel weiter reichten, schon lange die Anschauungen der <br> Deutschen, namentlich die der höheren Stände. 1789 schickte es sich an, <br> mit seinen begeisterten, kriegerisch immer besser geführten Volksmassen <br> siegreich den Rhein zu überschreiten. Da waren die winzigen links¬ <br> rheinischen Reste deutscher Gebiete, wie Mömpelgard, das Württemberg <br> nach immer besafs, nicht länger festzuhalten.