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Title:
[Theil 1]
Persons:
Grube, August Wilhelm
PURL:
http://gei-digital.gei.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:0220-gd-6117855
<br> 644 <br> „Sonny," sagte der alte Vater, der mit ihm gemeinschaftlich das <br> kleine Haus bewohnte, verwundert, „Sonny, was hast Du denn vor, daß <br> Du Dein Sonntagskleid zum Donnerstag anziehst? Du gehst doch nicht <br> eourten?" <br> „Unsinn," sagte Heinze, bürstete aber nur desto^eifriger an dem be¬ <br> stäubten Rockkragen, „ich will hinüber zu dem neuen Ansiedler und mir <br> ein paar Kühe besehen, die ich kaufen möchte." <br> „Ahem!" sagte der Alte, schüttelte aber sehr bedeutend mit dem Kopse, <br> als sein Sohn das alte Stück Bärenfell vom Sattel nahm und ein zart¬ <br> gegerbtes Lammfell darüber breitete, das sonst nur bei festlichen Gelegen¬ <br> heiten benutzt wurde. Seine Vermuthung aber ward zur Gewißheit, als <br> sein Sohn mitten in der Woche ein reines Hemd anzog, vor dem kleinen <br> Stück Spiegelglas, das er sonst nicht einmal zum Rasiren benutzte, die <br> Haare ordnete und bald darauf, nachdem er mit größter Sorgfalt seine <br> Toilette geordnet hatte, pfeifend forttrabte. <br> Der Verdacht des alten Mannes war nur zu gegründet; Heinze begab <br> sich keineswegs zu dem neuen Ansiedler hinüber, sondern schlug den ge¬ <br> raden Weg den Fluß hinunter ein, wo er nach einem dreistündigen Ritt bei <br> einem Nachbar anlangte, der zwei sehr hübsche Töchter und auch sonst <br> ein sehr anständiges Eigenthum hatte. Wenn er aber auch noch nicht <br> recht fest entschlossen war, um welches der beiden Mädchen er anhalten <br> sollte, so halte er doch gutes Vertrauen zum günstigen Zufall. Ein wenig <br> beklommen stieg er vom Pferde, das ruhig zu grasen anftng, und trat <br> in's Haus. <br> Es war noch früh am Tage, und er fand beide Mädchen emsig mit <br> ihren Hausarbeiten beschäftigt; die älteste butterte und die jüngste spann, <br> während die Mutter am Webstuhl saß und das Schiffchen fleißig hin <br> und wieder fliegen ließ. Heinze, der freundlichen Einladung folgend, <br> rückte einen Stuhl zum Kamin und fing an, seinen Hut zwischen den <br> Knieen herumzudrehen. <br> „Haben Sie schon Ihr Korn dieses Jahr gepflanzt, Mister Heinze?" <br> fragte die Mutter. <br> „Will gerade anfangen, Ma'm!" sagte Heinze. <br> „Trocknes Frühjahr heuer!" <br> „Sehr!" <br> „Wie geht es Ihrem Vater?" <br> „O, danke schön — he his kicking about*)." <br> „Glauben Sie nicht, daß es heute regnen wird?" <br> „Rein!" <br> Hier stockte die Unterhaltung wieder, und Heinze wirbelte seinen Filz <br> auf eine wahrhaft unmenschliche Weise zwischen den Fingern herum. Die <br> älteste Tochter versuchte zwar noch einige Male, ein Gespräch anzuknüpfen, <br> *) Er schlägt sich so herum.