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Title:
Bergische Sagen
Persons:
Schieferdecker, Carl Schillmann, Otto
PURL:
http://gei-digital.gei.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:0220-gd-8886439
<br> - 52 - <br> jede Arbeit in Hof und Feld, so daß bis zum heutigen Tage <br> die Bauern zu Haswinkel wohlhabende Leute sind. <br> 28. SBarum ein ttrilber Ritter zuletzt von Gott <br> in Gnaden angenommen rourde. <br> Im Anfang des dreizehnten Jahrhunderts lebte im Bergischen <br> Lande ein Ritter, dessen höchste Freude Fechten, Jagen und <br> Trinken waren. Wenn im Bergischen Lande Kriegsruf erscholl, <br> dann stellte sich dieser Ritter ein und kämpfte, wo der Kampf am <br> wildesten tobte. Wenn das Horn zur fröhlichen Jagd rief, ließ <br> der Ritter nicht auf sich warten. Bei den festlichen Gelagen, die <br> oft die Ritter des Bergischen Landes in dem Rittersaal einer <br> Burg vereinigten, war er der lustigste und lauteste. <br> Als er aber alt wurde, da erfreute ihn solch weltliches <br> Treiben nicht mehr. In einer schweren Krankheit war ihm klar <br> geworden, daß er wenig nach Gott gefragt habe, und daß Gott <br> an dem Leben, das er bisher geführt, keinen Gefallen haben <br> könne. Der Ritter beschloß, sein Leben von.nun an ganz seinem <br> himmlischen Herrn zu weihen. Er legte die glänzende Rüstung <br> ab, hüllte sich in ein schlichtes Pilgerkleid und ging demütig zu <br> Fuß von seiner stolzen Burg hinab in das Kloster Altenberg. <br> Hier nahm man ihn gerne auf. Er ließ sich das Haupthaar <br> scheren und wurde ein schlichter Mönch. <br> Eisrig verrichtete der ehemalige Ritter die Dienste, die im <br> Kloster von ihm verlangt wurden, und bald rühmten die Brüder <br> seine stille, ernste Frömmigkeit. Am meisten mühte er sich ab, die <br> vielen vorgeschriebenen Gebete und frommen Lieder zu lernen. <br> So sehr er sich aber auch anstrengte, — das schwere Latein wollte <br> nicht in seinen alten Kopf, und er lernte nichts anderes beten als <br> den lieblichen Gruß: „Ave Maria!" (Sei gegrüßt, Maria!) Dfts <br> war derselbe Gruß, den er in seiner Jugend oft gesprochen hatte, <br> ohne nachzudenken. Nun sprach und sang er die frommen Worte <br> früh und spät mit großer Innigkeit. Der Vorsteher des Klosters, <br> der Prior, gab dem alten Mönch einen Lehrer, der ihn wenigstens <br> die bekanntesten Gebete lehren sollte. So große Mühe sich aber <br> auch der Lehrer gab, der ungelehrige Schüler begriff es nicht <br> und blieb bei seinem „Ave Maria". So trieb er es bis an sei», <br> letztes Stündlein. Die Brüder ließen ihn endlich ruhig gewähren. <br> Wenn sie auch oft über den einfältigen Greis lächeln mußten, so