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Title:
Bilder aus dem sächsischen Berglande, der Oberlausitz und den Ebenen an der Elbe, Elster und Saale
Persons:
Vogel, Hermann Klöden, Gustav Adolph von Gebauer, Heinrich
PURL:
http://gei-digital.gei.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:0220-gd-9336951
<br> 10 Der Kamm des Gebirges und das Hügelland der Elster und Mulde. <br> ganzen bescheiden, Landschaftsbilder in höherem Stile finden sich selten und sind <br> weit voneinander entfernt. Wer aber die Mühe nicht scheut, sie aufzusuchen, <br> wird reichlich belohnt, und wer sich liebevoll in die Betrachtung der Landschaft <br> versenkt, entdeckt an ihr Züge von mancherlei Art, die ihn erfreuen. <br> Im oberen Vogtlande sind größere Flächen von Wäldern bedeckt, <br> unter denen der Schönecker und der Auerbacher Wald die größten sind. In den- <br> selben führt der Nadelbaum das Zepter und prägt im Verein mit der geringen <br> Modellierung des Bodens der Landschaft einen Zug des Eintönigen, Düsteren <br> und einer gewissen Armut auf, welchen die zahlreichen Sumpf- und Moorwiesen <br> nicht zu bannen vermögen. Um so freundlicher ist der Eindruck, den einzelne <br> hochliegende Ortschaften machen, die wie Inseln im Waldmeere schwimmen und <br> deren zerstreute Häuser weithin im Sonnenglanze leuchten. In die sanften <br> Formen bringen auch die Felsgipfel und Felskämme von Thonschiefer einige <br> Abwechselung, die hier und da hervorragen und die Phantasie unwillkürlich anregt. <br> So erhebt sich mitten aus dem Städtchen Schöneck der 747 m hohe Friedrichstein, <br> der Anfangspfeiler einer ganzen Reihe von Klippen, welche sich mit einigen Unter- <br> brechnngen in nordnordöstlicher Richtung von hier über Falkenstein bis in die <br> Gegend von Auerbach hinzieht. Die zackigen Formen dieser Felsen heben sie scharf <br> von ihrer Umgebung ab, aus der sie teilweise in steilen Wänden aufsteigen. Die <br> Krone gebührt in dieser Reihe dem Wendelstein südlich von Falkenstein, dessen <br> sehr zerklüftete Felsmassen wild durcheinander geworfen und vielfach durch Blitz- <br> strahl zerrissen worden sind. Mit diesen Gebilden wetteifert der Hohe Stein, <br> östlich von Markneukirchen, nahe der Grenze auf böhmischem Boden gelegen. <br> Wer ohne Ahnung dessen, was ihn erwartet, von Graslitz an der Zwota über die <br> einförmigen Höhen nach Westen wandert und dann plötzlich diesen Felsenkamm aus <br> der Ferne erblickt, ist erst lange im Zweifel, ob er ein Gebilde der Natur oder die <br> Ruiuen einer mächtigen Burg vor sich hat; kommt er aber in die Nähe, so nehmen <br> einzelne Teile bestimmte Gestalten an, und es fällt ihm nicht schwer, in ihnen <br> das Schiff, das Gesicht, den Schnabel, das Thor und andre Figuren zu erkennen. <br> An der böhmischen Grenze sondern sich auch die Berge mehr von ihrer <br> Umgebung, und in Kuppelform erheben sie sich von den Rücken, welche zwischen <br> den verschiedenen Thälern hinziehen. Hierher gehört der gegen 750 m hohe <br> Kapellenberg im südlichsten Winkel des Vogtlandes, wie ein Pfeiler an den <br> Rand nach dem breiten Egerthale hin gestellt, aus welchem dieser Granitgipfel <br> unmittelbar emporsteigt. Hier schweift der Blick über die tief unten liegenden <br> gesegneten Fluren des Egerlandes hinüber zu den Karlsbader Bergen und <br> nach den blauen Höhen des Fichtelgebirges, nach Norden zu den heimatlichen <br> Wäldern. Ein granitner Rücken ist auch der Aschberg (925 in), über den <br> nordnordöstlich von Klingenthal die sächsisch-böhmische Grenze zieht. <br> Ostnordöstlich von Schöneck und südöstlich von Falkenstein ragt in einem <br> schmalen Gebiet von Glimmerschiefer aus dem dunklen Wipfelmeer zwischen dem <br> Schönecker und Auerbacher Wald der Schneckenstein hervor, ein isolierter, <br> etwa haushoher Felsen von weißgrauem, zerfressenem Aussehen, aus harter, <br> von Tnrmalin streifig durchzogener Quarzmasse bestehend. Durch einen Spalt <br> ist er in zwei Teile zerrissen, und diesen muß man überschreiten, nachdem man <br> auf den in den Stein gehauenen Stufen den Felsen erstiegen hat, wenn man <br> der Aussicht wegen den höchsten Punkt erreichen will. Doch ist es weniger der