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Title:
Bilder aus dem Gebirge und Berglande von Schlesien und den Ebenen in Posen von der Oder bis zur Weichsel
Persons:
Klöden, Gustav Adolf von Köppen, Fedor von Burmann, Karl
PURL:
http://gei-digital.gei.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:0220-gd-9043671
<br> Pan Twardowski. 463 <br> fehlte es dem reichen Manne nicht. Auf seinem Tische dampften die ausgesnch- <br> testen Speisen, die Becher schäumten vom edelsten Wein, Geld besorgte der <br> Teufel in gewünschter Menge. <br> Der Diener Matthias aber beneidete seinen Herrn um den Reichtum, und <br> das mochte Twardowski nicht leiden. Deshalb verwandelte er ihn in eine Spinne, <br> die in einer Ecke des Fensters ihre Netze spann und auf Mücken Jagd machte. <br> Alles hatte der Meister im Überfluß, aber es fehlte ihm das Weib. Auch <br> das Weib sollte er jetzt finden. Ein adliges Fräulein, eine Waise, die schöne <br> Agnes, gewann Twardowski lieb; sie war 25 Jahre alt und in der Blüte ihrer <br> Schönheit, hochmütig aus ihre Geburt und stolz auf ihr ungewöhnliches Wissen; <br> dem Twardowski gegenüber war sie heiter, freundlich und gefühlvoll, sie schätzte <br> in ihm den berühmten Gelehrten und Arzt. Er ahnte nicht, daß sie in ihm <br> nicht den jungen, hübschen Freier verehrte, daß sie ein kaltes und berechnendes <br> Weib war, dem die Äußerlichkeiten des Glückes und die Bewunderung der Menge <br> über alles ging. Von dem Zauber ihrer Schönheit war er so berauscht, daß <br> seinem durchdringenden Verstand das wahre Wesen des Weibes, an das er seine <br> Zukunft zu fesseln entschlossen war, entging. <br> Die Liebe Twardowskis zu Agnes wuchs von Tag zu Tag. Wo es ihm <br> nur möglich war, suchte er sie zu sehen; er verfolgte sie bis in die Kirche, be- <br> gleitete sie auf Spaziergängen und widmete seine ganze Zeit ihrem Dienste. <br> Leider wußte er, daß der Pflegevater des Mädchens ihm die Hand der Agnes <br> nicht geben würde, weil sie einen reichen Kaufmann heiraten sollte; daß sie ent- <br> erbt werden würde, wenn sie sich den Zauberer zum Manne wählen sollte. <br> Der Teufel riet deshalb zur Entführung. Twardowski sollte dem jungen <br> Mädchen durch einen Brief seine Liebe erklären, ihr eine Zeit zur Entführung <br> bestimmen und ihr sagen, er wolle sie in eine entlegene Waldkapelle führen, in <br> die er einen Geistlichen bestellt habe zur Vollziehung der Trauung. Der Geist- <br> liche aber wollte der Teufel sein. Agnes ging auf den Vorschlag Twardowskis <br> ein. An einem Sonntage nach beendigtem Nachmittagsgottesdienste stieg sie in <br> einen Wagen des Zauberers, der für sie vor der Kirchthür bereit stand. <br> Twardowski ritt zu Pferde der Kutsche nach. Endlich kam man in einen <br> dunklen, dichten Wald, der Kutscher hielt die Zügel an, und man stand plötzlich <br> vor einer Kapelle, deren Thür offen war. <br> Das Brautpaar trat in die Kapelle ein, vor deren Altar mit der Stola <br> geziert ein Mönch stand, der des Brautpaares harrte. Die Kapelle war alt, <br> düster und verfallen, Feuchtigkeit floß von den Wänden herab, die Fenster <br> hatten Wind und Sturm zerschlagen, auf dem Boden lagen Trümmer, an den <br> Wänden hingen zersetzte Gemälde. Den Altar bedeckte ein beflecktes Tischtuch, <br> zwei tief herabgebrannte Kerzen brannten in zwei elenden Holzleuchtern, ein <br> weißes Kreuz fand sich an den Stufen des Altars. Die Trauung wurde aufs <br> eiligste vollzogen. Das junge Paar stieg in die Kutsche, und im Fluge ging es <br> zurück nach Krakau. Gäste waren geladen zu einem großartigen Mahle, aber <br> sie wußten nicht, wem zu Ehren das Fest sein sollte. Alle waren erstaunt, als <br> sich die Neuvermählten zeigten; am meisten überrascht von den Geladenen waren <br> der Pflegevater der Agnes und der junge Mann, den sie heiraten sollte. Doch <br> bald beruhigten sich die Gäste, sie ließen sich die Speisen und den Wein gut <br> schmecken und tanzten munter.