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Title:
Geschichte des Mittelalters
Persons:
Welter, Theodor Bernhard
PURL:
http://gei-digital.gei.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:0220-gd-11929136
<br> 212 <br> 61. Zustand der Künste und Wissenschaften. <br> Sobald der Mensch der Sorge für die nöthigsten Bedürf¬ <br> nisse des Lebens überhoben ist, so erwacht auch allmälig sein <br> natürliches Gefühl für das Schöne, sein Gefallen an höheren <br> geistigen Verrichtungen, die das Leben erheitern und veredeln. <br> Unter diesen stand im Mittelalter die Dichtkunst oben an <br> und wurde vorzüglich vom Adel gepflegt. Sie war ihm eine <br> süße Erholung von den ernsten Sorgen des Tages, von dem <br> wilden Getümmel der Schlachten. Auf die Entwickelung dieser <br> schönen Kunst hatten die Kreuzzüge den wirksamsten Einfluß. <br> In dem fernen Morgenlande wurde der Kreuzfahrer durch die <br> seltsamsten Erscheinungen wunderbar überrascht. Die heiligen <br> Orte, wo einst der Erlöser wandelte, die Pracht und der Reich¬ <br> thum des Orients, die wunderbaren Irrfahrten frommer Pilger, <br> die vielen Abenteuer der Ritter, dann auch die Sehnsucht nach <br> den theuren Zurückgebliebenen, dieses und manches andere regte <br> mächtig den Geist auf und bot zu Dichtungen den reichhaltigsten <br> Stoff. Wahre Begebenheiten wußte die aufgeregte Einbildungs¬ <br> kraft mit reizenden Mährchen aller Art auszuschmücken. <br> Die Minnesänger. — In den unmuthigen Thälern des <br> südlichen Frankreichs und Spaniens, wo die Einbildungskraft der <br> Bewohner feurig ist, wie der Himmel, unter welchem sie leben, <br> trieb die Dichtkunst ihre ersten Blüthen. Man nannte den <br> Dichter Troubadour, weil er Erfinder einer besonderen Ge¬ <br> sangweise war?) Und weil der Gesang vorzüglich in der fran¬ <br> zösischen Provence ertönte, so nannte man diese Dichtkunst auch <br> wohl die proven?alische. Aus den Burgen der Ritter, bei <br> fröhlichen Festen und Mahlen erschien der Sänger mit der lieb¬ <br> lich klingenden Harfe in der Hand. Ritter und Damen begrüßten <br> mit stiller Freude den lieben Gast und hörten seinen gefühlvollen <br> Gesängen zum Klange der Harfe zu. Wie Frankreich seine Trou- <br> ') Von dem franz. Worte trouver, erfinden.