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Title:
Der deutsche Kinderfreund
Persons:
Wilmsen, Friedrich Philipp
PURL:
http://gei-digital.gei.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:0220-gd-11873800
<br> 64 <br> II. Erzählungen <br> lichen Bauer, der eben aus der Stadt gefahren kam, und <br> mit dessen Hülfe er den halbtodten Fremden sehr bald <br> »ns Leben brachte. Fröhlich wanderte er nun nach Hau¬ <br> se. WaS urtheilet ihr von Kunz? Und was urtheilet ihr <br> von KlauS? Wessen Betragen wollet ihr zum Muster <br> nehmen. <br> 18. Die Furchtsame. <br> 28ilhelmine hatte eine abergläubische Wärterin, wel¬ <br> che ihr oft Gespenstergeschichten erzählte; dabei hatte man <br> es ihr angewöhnt, immer bei einer Lampe, und nie al¬ <br> lein zu schlafen. Dadurch wurde sie furchtsam. Sie war <br> schon zehen Jahre alt, als cs sich traf, daß alle ihre Ge¬ <br> schwister krank wurden, und da ihr Vater gerade ver¬ <br> reist war, so mußte es sich Wilhelmine zum ersten Male ge¬ <br> fallen lassen, allein zu schlafen. Daher gerierh sie nun <br> in große Angst, besonders da die Mutter keine Lampe <br> in ihrer Kammer wollte brennen lassen, sondern meinte, <br> das große Mädchen könnte auch wohl einmal im Finstern <br> zu Bette gehen. Gar zu gern hätte sie in der Kranken¬ <br> stube geschlafen; aber dies wollte die Mutter nicht zuge¬ <br> ben, weil sie dadurch leicht hätte angesteckt werden kön¬ <br> nen. Weinend gieng Wilhelmine in ihre Kammer, zog <br> sich hastig aus, und steckte aus Furcht den Kopf unter <br> das Deckbett. Von Zeit zu Zeit zog sie ihn dann scheu <br> hervor, um Luft zu schöpfen, und sich ängstlich in der <br> Kammer umzusehen. Aus ein Mal glaubte sie an der <br> Kammerthür eine lange weiße Gestalt zu erblicken. Vol¬ <br> ler Schrecken zog sie sich das Deckbett über den Kops, <br> und der Angstschweiß lief ihr von der Stirn. Lange <br> konnte sie es in dieser Lage nicht aushalten: sie wagte <br> es endlich auf einen Augenblick den Kopf hervor zu zie¬ <br> hen, und siehe da, die schreckliche weiße Gestalt stand <br> nicht nur immer an der Kammerthür, sondern bewegte <br> sich auch. Jetzt fieng Wilhelmine laut an zu schreien, <br> und in dem Augenblicke trat ihre Mutter in die Kam¬ <br> mer. Aber Kind, was ist dir denn! rief sic ihr zu: träu¬ <br> mest du? oder wachst du? Ach Mutter! Mutter! die wei¬ <br> ße Gestalt! Ich glaube gar, du sichst Gespenster, erwie¬ <br> derte die Mutter; ermuntre dich, und fasse Muth. Wa- <br> stngstiget dich denn? Es kam nun heraus, daß Wilhel- <br> mine