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Title:
Lesebuch für die evangelischen Volksschulen Württembergs
PURL:
http://gei-digital.gei.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:0220-gd-14047317
<br> 380 <br> zur Vorbildung junger Leute für die Hochschule, die Erweiterung des theologischen <br> Stifts in Tübingen zur Heranbildung von evangelischen Geistlichen, die Vereinigung <br> der Einkünfte von Kirchen, Klöstern und andern geistlichen Stiftungen zu einem <br> Kirchengute, das auf ewige Zeiten zum Unterhalt der Kirchen und Schulen dienen <br> sollte — alle diese und ähnliche Einrichtungen beweisen, wie Christoph auch für die <br> Kirche und das geistliche Wohl seines Volkes unermüdet thätig gewesen ist. Für die <br> Bildung des Volks, und namentlich der Jugend, sorgte dieser Landesvater treulich <br> und weise. In allen Orten des Landes wurden Schulen angeordnet, damit die <br> Jugend in der Furcht Gottes, rechter Lehre und guter Zucht wohl unterrichtet <br> werde; und auch die Mädchen sollten am Schulunterricht Theil nehmen, was bisher <br> nur in etlichen Schulen geschehen war. Die Schulmeister sollten nur noch nebenbei <br> Meßner sein, da die Meßnereien durch Abschaffung der katholischen Gebräuche einen <br> großen Theil ihrer Beschäftigung verloren hatten, aber nicht mehr auch noch Büttel <br> und Feldschützen sein. Auf dem Landtage im Jahre 1565 ward feierlich gelobt, <br> „daß Herr und Land zur Erhaltung der erkannten und bekannten Wahrheit all ihr <br> äußerstes Vermögen, Leibs, Guts und Bluts zusammensetzen und durch die Gnade <br> des Allmächtigen beständig dabei bleiben wollen." <br> ie „allgemeine Laudinspection", welche Christoph anordnete, hatte den Auf- <br> ngel und Gebrechen, so wie Nachlässigkeiten der Staats- und Kirchendiener <br> ind Stelle zu untersuchen, und zu diesem Ende, wo sie es für nöthig hielt, <br> unversehens an den einzelnen Orten Erkundigungen einzuziehen. Und so vollendete <br> er das große Werk, das er sich zur Lebensaufgabe gemacht hatte, den innern Aus¬ <br> bau des Staats- und Kirchengcbäudes von Württemberg, zu dem Eberhard den Grund <br> gelegt hatte. Seine Staats - und Kirchen-Anstalten haben ihre Zweckmäßigkeit und <br> Dauerhaftigkeit bis ans den heutigen Tag bewährt, und namentlich diejenigen, welche <br> » er für die Erziehung und Bildung der Jugend gestiftet, sind immer noch ein Kleinod <br> des Vaterlandes, um das uns andere Länder beneiden. <br> O Jedoch nicht allein auf das Vaterland, sondern auch aufs Ausland erstreckte <br> 'sich seine eifrige Thätigkeit. Bei den damals herrschenden Religivnsstreitigkeitcn in <br> der protestantischen Kirche führte er mit seinen Gelehrten die erste Stimme, und <br> namentlich bei dem im Jahr 1555 gehaltenen Reichstag zu Augsburg, wo haupt¬ <br> sächlich durch seine Thätigkeit der allgemeine Religionsfriede zu Stande kam, der <br> sich auf alle katholischen und lutherischen Stände erstreckte. Er gab sich alle Mühe, <br> sämtliche Protestanten zu einer Einheit zu bringen, und nahm sich auch seiner <br> Glaubensgenossen in Oesterreich, Ungarn, Croatieu, Polen, der Schweiz und Frank¬ <br> reich mit Rath und That an. Unter seinem Schutze entstand die erste Bibelanstalt. <br> Im Jahre 1562 nemlich wurde unter Leitung des Freiherrn Hans Ungnad von <br> Sounegg, der früher österreichischer Gesandter in Constantiuopel gewesen war, eine <br> eigene Druckerei in Urach angelegt, in welcher mehrere Schriften des neuen Testa¬ <br> ments und andere evangelische Bücher in slavonischer Sprache bis zu einer Anzahl <br> von 25,000 Exemplaren gedruckt wurden, die man dann in Steiermark, Kärnthen <br> und Krain und andern slavischen Ländern verbreitete. Merkwürdigerweise käm nach¬ <br> her diese Druckerei in den Besitz der Gesellschaft zu Verbreitung des katholischen <br> Glaubens (Propaganda) in Rom. <br> t Nie hat Württemberg eine glänzendere Periode gehabt, wo sein Einfluß auf <br> ntscheidung der wichtigsten Reichsangelegenheiten sichtbarer war, 1 ein Ansehen am <br> kaiserlichen Hofe und aus den Reichstagen ununterbrochener sich gleich blieb, als unter