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Title:
Der neue Kinderfreund
Persons:
Rochow, Friedrich Eberhard von Türk, W. E. von
PURL:
http://gei-digital.gei.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:0220-gd-11283066
<br> 26 <br> der Bursche, „aus Furcht weine ich nicht; aber ich ha« <br> „be eine siebenzigjährige gichtbrüchige Mutter, und eine <br> „Schwester, welche durch die Pocken blind geworden, <br> „und diese beiden habe ich bisher mit meiner Arbeit <br> „ernährt; die jammern mich so sehr." Der Offizier <br> fragte nach, ob dieses sich also verhielte? und als er¬ <br> es wahr befand, ließ er den Burschen zurück. Nach <br> zwei Monaten starb die alte Mutter, und kur; darauf <br> die blinde Schwester, und nun, sobald sie begraben wa¬ <br> ren, ging der junge Bursche zum Regiment, und mel¬ <br> dete sich. Denn er sprach bei sich selbst: Nun hält <br> mich keine andere Pflicht ab, meinem Könige zu dienen, <br> und wenn sich der gute Offizier an mir nicht betrogen <br> findet, so ist er vielleicht gegen andere eben so gütig, <br> wie er gegen mich gewesen ist. <br> Edle Gesinnungen sind an keinen Stand gebunden. <br> 47. Die Straft. <br> einem Dorfe lebte ein Mann, der viel Geld hatte; <br> weil er nun sehr unverständig war, so bildete er sich <br> auf seinen Reichthum viel ein, und wollte alles mit <br> Geld zwingen. Dieser Mensch hatte einmal eine böse <br> Handlung begangen, und sollte andern zum Beispiel ge, <br> straft werden. Die Obrigkeit hatte eine öffentliche kei- <br> besstrafe für ihn bestimmt, um seinen Stolz zu demü¬ <br> thigen. Gleich war er mit seinem Gelde bereit, und <br> wollte sich von der Strafe loskaufen. „Nein," sagte <br> die Obrigkeit, „du hast öffentlich und aus Uebermuth <br> „gesündiget, du mußt auch öffentlich beschämt und ge- <br> „straft werden. Der Reiche muß eben sowohl Recht <br> „thun, und der Ordnung sich unterwerfen, wie der Ar- <br> „me." Da lobten alle Leute im Dorfe die Gerechtig¬ <br> keit dieses Ausspruchs und ein jeder ward dadurch zu¬ <br> frieden gestellt und gebessert. <br> Siehe des Reichen Geschenke nicht an im Gerichte, <br> sondern sey unparteiisch, wenn du richtest. <br> Gottes und der Obrigkeit Gebote müssen Arme und <br> Reiche befolgen. <br> Spr. Sal. 20, zo. Man muß dem Bösen wehren <br> mit harter Strafe Und mit ernsteu Schlägen, die man <br> fühlt. Sir. 5, i.