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Title:
Lesebuch für weibliche Fortbildungs- und Feiertagsschulen
Persons:
Lehrerinnen-Verein München
PURL:
http://gei-digital.gei.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:0220-gd-13196567
<br> 12. In der Kinderstube. <br> 23 <br> es auf eine nützliche Anwendung desselben aufmerksam machen, ahne ihm <br> jedoch zu bestimmen, wofür dieser oder jener Pfennig auszugeben sei. Auf <br> solche Weise wird es früh Herr über sein eigenes Vermögen; es lernt früh <br> im eigenen Besitz haushalten, sich und andern mit seinen kleinen (Ersparnissen <br> Vergnügen bereiten, sammeln und berechnen, wie es sich dies und jenes <br> anschaffen könne. Auf solche Weise lernt es den Wert des Geldes schätzen, <br> und durch eine Reihenfolge von Entwicklungen und Erfahrungen bildet es <br> fich zu einem vernünftigen Haushälter. <br> Das Beispiel der thätigen Mutter kann dem Kinde schon früh Liebe zur <br> Beschäftiguug einflößen; sie führt es dadurch zur Arbeitfamkeit. Um im <br> Kinde die Liebe zur Arbeit zu wecken, dürfen wir keine Forderungen an <br> dasselbe stellen, die seine Kräfte übersteigen. Wir müssen ihm eine Beschäf¬ <br> tigung geben, deren Gelingen sicher ist und ihm Freude macht. Wir können <br> Knaben und Mädchen schon in frühester Jugend gewöhnen, bei den vielen <br> kleinen Arbeiten in einem Hauswesen Hand anzulegen; sie thun es meistens <br> gerne und eignen sich dadurch ziemlich viel Geschicklichkeit und Fertigkeit an. <br> Nichts ist unzweckmäßiger, als die Kinder in ihrem Thätigkeitstrieb zu <br> hemmen bloß deshalb, weil sie etwas verderben, zerbrechen, nicht recht an¬ <br> fassen könnten. Wollen wir tüchtige Menschen erziehen, so müssen wir die <br> Kinder zugreifen, sie an allen unsern Arbeiten, sofern sie für ihre Küäfte <br> passen, teilnehmen lassen; aber dieser Thätigkeitstrieb muß zweckmäßig geleitet, <br> entsprechend beschränkt werden. <br> Die Schulthätigkeit des Kindes fördere man auf alle mögliche <br> Weise. Man sehe strenge auf eine genaue Erledigung der Schul-Hausaufgaben <br> und lasse sich mit den Kindern niemals auf Klagen über zu viel Schul¬ <br> arbeiten ein. Die Eltern sollten sich auf die Seite des Lehrers stellen, wenn <br> sie aus ihren Kindern etwas Tüchtiges machen wollen; sie sollen niemals in <br> Gegenwart der Kinder über den Lehrer lieblos urteilen; das untergrübt die <br> Achtung vor demselben. Glauben die Eltern, daß ihr Kind durch den Lehrer <br> etwa falsch behandelt werde, so sollen sie sich darüber in vertrauens¬ <br> voller, anständiger Weise mit ihm benehmen. Das bringt den Kindern <br> Nutzen und schädigt das Ansehen des Lehrers nicht. <br> Die Liebe zu ihren Kindern veranlaßt manche Eltern, alles Unangenehme <br> von denselben abzuhalten, ihnen alle schmerzlichen Eindrücke zu ersparen. <br> Für Kinder, welche die Stirne des Vaters nie sorgenvoll, an der Wimper <br> des Mutterauges nie eine Thräne zittern sahen, liegt die Gefahr nahe, daß <br> sie sich nngeberdig, schwach und feig verhalten, wenn das unerbittliche Schicksal <br> einst auch bei ihnen anpocht. Kinder dürfen die Sorgen und Schmerzen der <br> Eltern schon ahnen; sie sollen lernen, mitzufühlen, am Schmerze anderer <br> teilzunehmen. <br> Der Kunstfleiß liefert uns eine Menge schöner Spielsachen für jedes <br> Kindesalter. Die zweckmäßigsten für noch kleine Kinder sind farblose und <br> wohlfeile Gegenstände. Buntes Zeug ist bald abgefärbt und bei der Ge¬ <br> wohnheit der Kinder, alles zum Munde zu führen, auch noch schädlich. <br> Gegenstände von Holz, aber nicht mit Farbe überstrichen, sind für Kinder am