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Title:
[Theil 6]
Persons:
Lüben, August Nacke, Carl
PURL:
http://gei-digital.gei.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:0220-gd-14051323
<br> 13 <br> 51. Da sprach der Held von Seeland: „Mir schafft die <br> Sorge Pein, <br> Wird man unser innen, daß man die Mägdelein <br> So weit von hinnen führe (drum mag uns Hehlen frommen), <br> Daß sie uns all' ihr Leben nimmer wieder vor die Augen kommen." <br> 52. Da sprach aber Ortwein: „Wie so verließen wir <br> Das edle Ingesinde? Es hat so lange hier <br> Geharrt im fremden Lande, es mag sie wohl verdrießen. <br> Meiner Schwester Gudrun sollen ihre Mädchen all' genießen" <br> 53. Da sprach der König Herwig: „Was hast du wohl im Sinn ? <br> Meine Herzgeliebte, die führ' ich mit mir hin! <br> Thun wir, was wir können, hernach für jene Frauen." <br> Da sprach der Degen Ortwein: „Eh laß ich mit der Schwester <br> mich zerhauen." <br> 54. Da sprach die Tiefbetrübte: „Was hab' ich dir gethan, <br> Lieber Bruder Ortwein? deine Augen sahn <br> Sie je mich so gebühren, daß man mich dürfte schelten? <br> Ich weiß nicht welcher Dinge du edler Fürst mich heute läßt <br> entgelten." <br> 55. „Ich thu' es, liebe Schwester, nicht aus Haß zu dir; <br> Doch deine edeln Maide nur also retten wir. <br> Ich kann dich nicht von hinnen führen als in Ehren; <br> Du sollst unbescholten Herwig deinem Liebsten Minne gewähren." <br> 56. Sie gingen zu den Schiffen; da klagte laut die Maid. <br> Sie sprach: „O weh mir Armen! Nun ist endlos mein Leid; <br> Auf die ich immer hoffte, da mich die verschmähen, <br> Daß sie mich lösen würden, wann soll ich dann die Heimath <br> wiedersehen?" <br> 57. Die kühnen Degen eilten zum Gestade jach; <br> Gudrun die arme rief Herwigen nach: <br> „Einst war ich die beste, nun gelt' ich für die böste! <br> Wem läßt du mich und wessen soll ich arme Waise mich getrösten?" <br> 58. „Du bist nicht die böste, du sollst die beste sein; <br> Edle Königin, hehle für jetzt die Reise mein; <br> Eh' morgen scheint die Sonne, lieg' ich hier zu Felde, <br> Das glaub' auf meine Treue, vor dieser Burg mit achtzigtausend <br> Helden." <br> 59. So schnell als sie konnten fuhren sie hindann. <br> Da hub ein härt'res Scheiden zwischen Freunden an <br> Als je Freunde thaten, das darf man mir wohl glauben. <br> Sie begleiteten die Boten so fern, als sie nur konnten mit den Augen. <br> 60. Der Wäsche nun vergaßen die herrlichen Frau'n. <br> Wohl konnt' es aus der Ferne die böse Gerlind' schaun, <br> Daß sie müßig waren da unten auf dem Strande. <br> Da zürnte sie gewaltig; ihr lagen sehr am Herzen die Gewände.