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Title:
Lehrbuch zur Kenntniß der verschiedenen Gattungen der Poesie und Prosa für das weibliche Geschlecht, besonders für höhere Töchterschulen
Persons:
Nösselt, Friedrich Borberger, Robert
PURL:
http://gei-digital.gei.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:0220-gd-13592307
<br> Erster Abschnitt. <br> Der Lehrstyr. <br> Zum Umfange des Lehrstyls gehört alles, was zum Kreise <br> der menschlichen Erkenntniß gehört. Zwei Eigenschaften dürfen <br> ihm nicht fehlen: Wahrheit und Schönheit. Wir sollen <br> nämlich nicht nur die Richtigkeit der vorgetragenen Wahrheiten <br> einsehen, sondern auch Wohlgefallen an der Art des Vortrags <br> empfinden. Der Hauptzweck des Lehrstpls ist allerdings zu be¬ <br> lehren und Ueberzeugung hervorzubringen. Aber wir haben nicht <br> blos Verstand, sondern auch Einbildungskraft und Gefühle, und <br> diese Kräfte sind nicht so schroff von einander geschieden, daß <br> nicht der Lehrstyl auch nebenbei die Einbildungskraft und die <br> Gefühle berühren sollte. Doch hängt das vom Stoffe ab. <br> Manche Gegenstände können blos den Verstand beschäftigen, <br> z. B. die Lehren der Mathematik; andere wirken zugleich auf <br> das Gefühlsvermögen und die Einbildungskraft, z. B. die Astro¬ <br> nomie. Ferner hängt es von dem Zwecke des Lehrenden ab, ob <br> er feinen Styl mit mehr oder weniger Schmuck ausstatten will. <br> Trägt er einem Kreise von Gelehrten seine Lehren vor, so wird <br> der Styl anders sein, als wenn er das weibliche Geschlecht, und <br> wieder anders, wenn er Kinder belehren will. Ebenso bestimmt <br> sein Zweck, ob er kurz oder umständlich reden soll. Je nachdem <br> seine Zuhörer oder Leser gelehrter oder gebildeter sind, muß er <br> auch seinen Vortrag anders einrichten. <br> Hier kann nur von dem Lehrstyl die Rede sein, der dem weib¬ <br> lichen Geschlecht verständlich sein soll. Dieser muß nicht nur <br> alles vermeiden, was nicht zu dem Kreise dessen gehört, was die¬ <br> ses Geschlecht zu wissen braucht, sondern auch alle Ausdrücke und <br> Anspielungen, welche selbst den Gebildeten desselben unverständ¬ <br> lich sein würden. Einen solchen Lehrstyl nennt man den popu¬