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Title:
Sieben Bücher deutscher Dichtungen
Persons:
Knauth, Franz
PURL:
http://gei-digital.gei.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:0220-gd-13613295
<br> 36 <br> Alte Seit. <br> Da sprach der edle Ritter: „So seht meine Hand, <br> Ob ihr dies Gold erkennet: Herwig bin ich genannt. <br> Mit diesem Mahlschatz sollt' ich Gudrunen Minnen; <br> Seid ihr die mir Verlobte, wohlan, ich führ'euch minniglich non hinnen." <br> Sie lächelt' in der Freude, da sprach das Mägdelein: <br> „Das Gold erkenn' ich wieder, vor Zeiten war es mein. <br> Run sollt ihr dieses sehen, das mein Geliebter sandte, <br> Da ich armes Mädchen mit Freuden war in meines Vaters Lande." <br> Er umschloß mit den Armen die herrliche Maid; <br> Was sie gesprochen hatten, gab ihnen Lieb und Leid. <br> Auch bedeckt' er ihr mit Küssen, die niemand zählte, <br> Ihr ilnd Hildeburgen, der vertrieb'nen Magd, der auserwähltem" <br> Da sprach der König Herwig: „Wohl mögen wir gestehn, <br> Uns ist auf dieser Reise so großes Gluck gescheh'u, <br> Besser konnt' es wahrlich nimmer uns gelingen: <br> Nun laßt uns nur eilen, daß wir sie weg von diesem Strande bringen." <br> Da sprach der Degen Ortwein: „Nicht doch, das thu ich nie; <br> Und hätt' ich hundert Schwestern, sterben ließ ich sie, <br> Eh ich mich in der Fremde so feige wollte hehlen, <br> Die mit Gewalt sie nahmen, meinen grimmen Feinden wegzustehlen." <br> Da sprach der Held von Seeland: „Mir schafft die Sorge Pein, <br> Wird man unser innen, daß man die Mägdelein <br> So weit von hinnen führe (drum möcht uns Hehlen frommen) <br> Daß sie uns ihr Leben nimmer wieder vor die Augen kommen." <br> Da sprach aber Ortwein: „Jin Stiche ließen wir <br> Das edle Ingesinde? Es hat so lange hier <br> Geharrt im fremden Lande, es mag sie wohl verdrießen, <br> Meiner Schwester Gudrun sollen ihre Mädchen all' genießen." <br> Da sprach König Herwig: „Was hast dn wohl im Sinn? <br> Meine Herzgeliebte, die führ' ich mit mir hin; <br> Thun wir was wir können hernach für jene Frauen." <br> Da sprach der Degen Ortwein: „Eh ließ ich mich mit Schwertern zerhauen." <br> Sie gingen zu den Schiffen, da klagte laut die Maid, <br> Sie sprach: „O weh mir Armen! endlos ist nun mein Leid: <br> Auf die ich mich getröstet, da mich die verschmähen, <br> Daß sie mich würden lösen, wann soll ich denn die Heimat wiedersehen?' <br> Die kühnen Degen eilten zum Gestade jach; <br> Gudrun die arme ries Herwigen nach: <br> „Einst war ich die beste, nun gelt ich die böste; <br> Wem willst du mich lassen, und wes soll ich mich arme Waise trösten?" <br> „Du bist nicht die böste, du sollst die beste sein; <br> Edle Königin, hehle für jetzt die Reise niein: <br> Eh' morgen scheint die Sonne, lieg' ich hier zu Feld, <br> Das glaub' auf meine Treue, vor der Burg mit achtzigtausend Helden." <br> Der Wäsche nun vergaßen die herrlichen Frau'n. <br> Wohl konnt' es aus der Ferne die böse Gerlind schaun, <br> Daß sie müßig waren da unten auf dem Strande. <br> Da zürnte sie gewaltig; ihr lagen sehr am Herzen die Gewände.