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Title:
[Abteilung 1 = Sexta, [Schülerband]]
Persons:
Paulsiek, Karl Hopf, Jacob
PURL:
http://gei-digital.gei.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:0220-gd-15725822
<br> Becker: Odysseus giebt sich den Phäaken zu erkennen. <br> 95 <br> und erwartete den näher kommenden Mann, der sie um Kleider und wei¬ <br> tere Hilfe anflehte. Sie schickte ihm einige der frisch gewaschenen Ge¬ <br> wänder, ließ ihn mit Speise und Trank erquicken und riet ihm in die <br> Stadt der Phäaken zu gehen und im Palast ihres Vaters um gastliche <br> Aufnahme zu bitten. Dann bestieg sie mit ihren Begleiterinnen den <br> wäschebeladenen Wagen und fuhr in die Stadt zurück. <br> Die Sonne war schon untergegangen, und alles war dunkel umher, als <br> der Held sich aufmachte, um in die Stadt der Phäaken zu gehen. Mit <br> Fleiß hatte er den Abend erwartet, damit er kein Aufsehen erregte oder <br> irgend ein übermütiger Einwohner ihn mit Fragen belästigte oder gar mit <br> Schmähungen kränkte. Und sieh, kaum näherte er sich den ersten Häusern, <br> da trat schon seine Freundin Athene ihm entgegen, aber er kannte sie <br> nicht. Sie hatte die Gestalt eines Mädchens angenommen, das mit <br> seinem Wasserkruge vom Brunnen kam. „Liebe Tochter," redete Odysseus <br> sie an, „zeigtest du mir wohl den Weg zu Alcinous' Wohnung, der hier <br> bei euch König ist? Ich komme weither aus einem entlegenen Lande <br> und kenne niemanden in dieser Stadt". — „Recht gern, Väterchen," ant¬ <br> wortete die freundliche Dirne, „will ich dir das Haus, das du verlangst, <br> zeigen. Der König wohnt ganz nahe bei meinem Vater. Komm nur <br> immer mit mir, ich will dich so führen, daß du keinen Menschen weiter <br> zu fragen noch zu sehen brauchst. Denn hier sind die Leute nicht allzu <br> freundlich gegen Fremde. Das macht ihr kühnes Handwerk. Denn es <br> sind Schiffer, aber ihre Schiffe sind auch schnell wie die Vögel und <br> wie die Gedanken". <br> Odysseus dankte dem lieben Mädchen und folgte ihr, von nie¬ <br> mandem gesehen. Er sah staunend den geräumigen Markt und den <br> Hafen, dessen Schiffe und Mauern hoch und trotzig durch die Däm¬ <br> merung starrten. Als sie eine Weile gegangen waren, stand das Mäd¬ <br> chen still und sagte: „Siehst du, Väterchen, hier ist des Königs Haus. <br> Jetzt wirst du die Fürsten gerade bei der Mahlzeit finden. Da geh <br> nur dreist hinein und fürchte dich nicht. Dem Kühnen gelingt ja alles <br> am besten, wenn er auch anderswoher kommt. Aber eines will ich <br> dir noch sagen. Wenn du in den Saal kommst, so suche nur erst die <br> Königin auf, sie heißt Arete. Sie ist sehr klug und wird weit und <br> breit geehrt vor allen übrigen Weibern, und der König selber hält sie <br> gar hoch. Sie regiert alles und entscheidet sogar die Streitigkeiten der <br> Männer mit Weisheit. Und wenn sie ausgeht, so grüßt sie alt und <br> jung wie eine Göttin. Wenn diese dir wohlwill, so kannst du gewiß <br> hoffen in dein Vaterland zu kommen und alle deine Wünsche zu er¬ <br> reichen". <br> Mit diesen Worten verließ Athene ihren Freund. Er aber ging <br> in den Vorhof des Palastes und blieb verwundert an der Schwelle <br> des Hauses stehen. Denn überaus schön fand er alles, was er hier <br> sah, die Mauern wie von Erz, die Pfosten wie Silber, und golden <br> war der Ring an der Pforte. Und in der Tiefe des offenen Saales <br> waren rings an den Wänden Sessel gestellt, mit schönen Decken belegt, <br> darauf saßen die Edeln der Phäaken und schmauseten. Neben ihnen