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Title:
Auswahl deutscher Dichtungen aus dem Mittelalter
Persons:
Gude, Karl
PURL:
http://gei-digital.gei.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:0220-gd-19970084
<br> 2. Da sprach die Jammersreiche: „O weh mir armen Maid; <br> Jammer schafft mir Mes, die Freude wie das Leid. <br> Sind es Hildens Boten, sollen die so mich finden <br> Waschen auf dem Grieße, die Schande könnt' ich nimmer überwinden. <br> 3. Da wandten sie sich beide und gingen eilends fort. <br> Doch waren schon so nahe die Männer jenem Ort, <br> Daß sie die Wascherinnen sahen an dem Strande; <br> Da wurden sie wohl inne, daß sie wollten fliehn von den Gewanden. <br> 1. Sie sprangen aus der Barke und riefen ihnen nach; <br> „Ihr schönen Waͤscherinnen, wohin ist euch so jach? <br> Wit sind fremde Leute, das mögt ihr an uns spüren; <br> Scheidet ihr von hinnen, die reichen Kleider werdet ihr verlieren.“ <br> 5. Sie stellten sich, als hätten sie nichts davon vernommen, <br> Obwohl zu ihren Ohren die Stimme war gekommen. <br> Zu laut gesprochen hatte Herwig der König. <br> Daß er seiner Trauien so nah wär', des versah der Held sich wenig. <br> . Da sprach der Held von Seeland: „Ihr Mädchen minniglich <br> Wem gehören diese Kleider? Des bescheidet mich. <br> Hört ohne Falsch uns bitten! Zu Ehren allen Maiden, <br> Ihr mimiglichen Frauen, sollt ihr nicht von dem Gestade scheiden“ <br> 7. Da sprach die edle Gudrun: „Ich däuchte mich geschmäht, <br> Da ich ein Mädchen heiße und ihr mich habt gefleht <br> Bei aller Mädchen Ehre, wenn ich euch bitten ließe.“ <br> So sprach zu ihm die Hehre, „drum müssen meine Augen überfließen.“ <br> 8. Sie gingen in den Hemden; die waren naß zu schaun; <br> Besser einst gelleidet sah man die edeln Frau'n. <br> Vor Kälte mußte beben das arme Ingesinde <br> Kläglich war ihr Leben; sie umwehten kalte Märzenwinde. <br> Mit gesträubten Haaren kamen sie heran. <br> Wie ihnen beiden waren die Häupter wohlgethan; <br> Doch sah man ihre Locken zerzaust vom Maͤrzenwinde; <br> Ob es regnet' ober schneite, weh' war dem armen Ingesinde. <br> 10. Das Meer allenthalben noch mit Eise floß, <br> Das sich zerlassen wollte; ihre Sorge die war groß. <br> Durch die Hemden schienen, weiß wie der Schnee, <br> Die minniglichen Glieder; ihnen schuf die Scham Fremden <br> Weh. <br> 11. Herwig, der edle, ihnen guten Morgen bot; <br> Wohl waͤr' den Heimatlosen ein guter Morgen Noth <br> Von ihrer bosen Meisterin hoͤrten sie nur Schelten. <br> „Guten Morgen, guten Abend“ kam den minniglichen Maiden selten. <br> 12. „Ihr solli uns hören lassen,“ sprach Herr Ortewein, <br> „Wem diese reichen Kleider auf dem Strande sei'n <br> Oder Wem ihr waschet. Ihr beiden seid so schöne, <br> Wie thut er's euch zu Leide? Daß ihn Gott vom Himmel doch höhne! <br> 80