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Title:
Auswahl deutscher Dichtungen aus dem Mittelalter
Persons:
Gude, Karl
PURL:
http://gei-digital.gei.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:0220-gd-19970118
<br> 8 <br> 35. Als sie die Helden beide vor sich weinen sah, <br> Die geraubte Jungfrau sprach zu ihnen da: <br> „Ihr gehabt euch also bei dieser Trauermäre, <br> Als ob die edle Gudrun euch verwandt, ihr guten Helden, wäre.“ <br> 36. Da sprach König Herwig: „Wohl traur ich um die Maid, <br> Die mir verheißen wurde auf alle Lebenszeit. <br> Sie war mir zugeschworen mit Eiden fest und stäte; <br> Nun hab' ich sie verloren durch des alten Ludwigs grimme Räthe.“ <br> 37. „Ihr wollt mich betrügen,“ sprach die arme Magd. <br> „Von Herwigens Tode ward mir oft gesagt. <br> Die höchste Wonn' auf Erden sollt' ich in ihm gewinnen; <br> Wär' er noch am Leben, er hätte mich wohl geführt von hinnen. <br> 38. Da sprach der edle Ritter: „So seht meine Hand, <br> Ob ihr dieß Gold erkennet; Herwig bin ich genannt. <br> Mit diesem Mahlschatz soll' ich Gudrunen minnen; <br> Seid ihr die mir Verlobte, wohlan, ich führ' minniglich von <br> innen.“ <br> 39. Wie nach der Hand sie schaute und nach dem Ringelein, <br> Da lag in dem Golde von Abakie?) der Stein, <br> Der beste, den sie je geseh'n all' ihres Lebens Tage; <br> Einst hatt' ihn Gudrun, die schöne, selbst an der Hand getragen. <br> 40. Sie lächelt in der Freude; da sprach das Mägdelein: <br> „Das Gold erkenn' ich wieder, vor Zeiten war es mein. <br> Nun sollt ihr dieses sehen, das mein Geliebter sandte, <br> Da ich armes Madchen mit Freuden war in meines Vaters Lande.“ <br> 41. Wie nach der Hand er schaute und das Gold ersah, <br> Herwig, der edle, sprach zu Gudrun da: <br> „Dich hat auch anders Niemand als Königsblut getragen. <br> Nun hab ich Freud' und Wonne gesehn nach langem Leid und bösen Tagen.“ <br> 42. Er umschloß mit den Armen die herrliche Maid; <br> Was sie gesprochen hatten, gab ihnen Lieb und Leid. <br> Auch bedeckt' er ihr mit Küssen den Mund, die Niemand zählte, <br> Ihr und Hildeburgen, der vertrieb'nen Magd, der auserwaͤhlten. <br> 43. Da sprach der König Herwig: „Wohl mögen wir gestehn, <br> Uns ist auf dieser Reise so großes Glück geschehn, <br> Besser konnt' es wahrlich nimmer uns gelingen. <br> Nun laßt uns nur eilen, daß wir sie weg von diesem Strande bringen.“ <br> 44. Da sprach der Degen Ortwein: „Nicht doch, das thu' ich nie; <br> Und hätt' ich hundert Schwestern, sterben ließ ich sie, <br> Eh' ich mich in der Fremde so feige wollte hehlen, <br> Die mit Gewalt sie nahmen, meinen grimmen Feinden wegzustehlen.“ <br> NEin im Orient gelegen gedachtes Land, dem Moorenkönig Siegfried <br> untergeben. <br> 3