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Title:
[Theil 1]
Persons:
Grube, August Wilhelm
PURL:
http://gei-digital.gei.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:0220-gd-6117861
<br> 645 <br> es blieb aber vergeblich, Heinze beantwortete Alles so kurz als möglich <br> und verfiel dann wieder in sein voriges Stillschweigen. Endlich nahte sich <br> die Mittagsstunde, der Tisch wurde gedeckt, das Essen aufgetragen, und <br> der Besuch stand jetzt auf, strich seinen Hut glatt und sagte: „G-oocl by <br> to you all !“*) <br> „Wollen Sie nicht mit uns essen, Mr. Heinze?" <br> „Habe nichts dagegen/' erwiederte dieser, ruhig umkehrend, setzte den <br> Hut unter seinen eigenen Stuhl und vertiefte sich gar bald in den gebra¬ <br> tenen Speck und eine Schüssel voll Kartoffeln. <br> Das Essen war weggeräumt, die Frauen hatten ihre Beschäftigungen <br> wieder aufgenommen, ja der Abend brach schon herein, der muthmaßliche <br> Freier blieb aber immer noch auf seinem Stuhle stocksteif sitzen und sah <br> bald die jüngste, bald die älteste der Schwestern forschend von der Seite <br> an, daß die Mädchen, welche lange die Absicht seines Besuches gemerkt <br> hatten, das Lachen kaum unterdrücken konnten. Da kam endlich der Vater <br> aus dem Walde zurück und trieb ein paar Kühe heim, trat dann in die <br> Stube und begrüßte den Gast, neben diesem Platz nehmend. Heinze thaute <br> jetzt ein wenig aus und wurde gesprächiger, rückte aber immer noch nicht <br> mit der Sprache heraus, und ließ sich erst wieder zum Abendbrod ein- <br> laden, ebe er zugab, daß sein Pferd abgesattelt und gefüttert würde, da er <br> fortwährend behauptete, er müsse augenblicklich nach Hause reiten; die her¬ <br> einbrechende Dunkelheit und ein heranziehendes Gewitter machten überdies <br> jedes fernere Röthigen unnütz; ohne weitere Einladung holte er jetzt selbst <br> den Sattel in's Haus und band den Pony an einen Trog fest. <br> Sobald das Wetter vorüber war, suchten Alle ihr Lager, und auch <br> der Freiersmann sah sich bald unter zwei wollenen Decken ausgestreckt. <br> Am andern Morgen, ehe es noch ganz hell war, erhoben sich die beiden <br> Mädchen (die ganze Familie schlief, den Gast eingerechnet, in der einen <br> Stube), kochten den Kaffee, melkten die Kühe und trugen das Frühstück, <br> Speck mit Maisbrod, auf. Run aber wurde auch Heinze unruhig, und <br> die Frage um eine der Töchter lag ihm auf der Zunge. Das merkte der <br> Alte, dem die Mutter schon ihre Vermuthung mitgetheilt hatte; dem armen <br> Teufel also eine Verlegenheit zu ersparen, nahm er ihn beim Knopf, führte <br> ihn vor die Thür und erzählte ihm hier — daß seine zwei Töchter schon <br> Bräute wären und am nächsten Sonntage zu gleicher Zeit getraut werden <br> würden. <br> Heinze sagte blos das eine Wort „singulär“**), drückte sich dann <br> den Hut fester in die Stirn, schüttelte dem Alten die Hand, bat ihn, <br> seinen Sattel aus dem Hause zu holen, und war zehn Minuten später auf <br> dem Heimwege. <br> Er hatte aber einen ganzen Tag versäumt und noch dazu in der <br> *) Lebt wohl Alle zusammen. <br> **) Sonderbar.