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Title:
Grundlage beim Unterricht in der Erdbeschreibung
Persons:
Selten, Friedrich Christian
PURL:
http://gei-digital.gei.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:0220-gd-11009184
<br> 102 <br> I. Erdbeschreibung. <br> Von den5 Zonen,welche schon tz. 51 vorgekommen sind,hat <br> 1. die heiße zwischen den Wendekreisen nur wenig Abweichung <br> von der Tag - und Nachtgleiche; an ihren Nord - und Süd¬ <br> grenzen betragt nicht einmal der längste Tag mehr als 13 <br> Stunden, die kürzeste Nacht also 11 Stunden. Die Be¬ <br> wohner dieserDoppelzone sehen also die Mittagssonne selbst <br> im Winter nicht wie wir nahe dem Horizonte, sondern nahe <br> dem Scheitelpuncte stehen; die im S. des Äquator wohnen, <br> bekommen übrigens nie eine Mittags- sondern immer eine <br> Mitternachtssonne um die Mittagszeit zu sehen, vgl. §. 5. <br> 2. ) Diebeidengemäßigten Zonen zwischen den Wende - <br> 3. j und Polarkreisen haben von 13 bis zu 23 Stunden Tages- <br> lä'nge und sehen den Tagesbogen der Sonne nur in einerlei <br> Weltgegend; die Bewohner der Südzone sehen die Mit¬ <br> tagssonne immer nördlich, und wir Bewohner der (ge¬ <br> mäßigten) Nordzone sehen die Mittagssonne immer süd¬ <br> lich von unserm Scheitelpuncte durch den Meridian gehen. <br> 4. ) Die beiden ka lten Zonen jenseit der Polarkreise, die <br> 5. / nördliche und die südliche, haben den Lichtwechsel gar nicht <br> mehr tageweise, sondern monathweise; die langen Nacht¬ <br> oder Schatten-Zeitabschnitte werden durch Nord- und <br> Südscheine (Polarlicht überhaupt, Nordlicht gewöhn¬ <br> lich von uns genannt) erhellet, die langen Tages- oder <br> Licht-Zeitabschnitte sind (wiewohl man sehr starke Aus¬ <br> nahmen kennt, da sogar das Pech an den Schiffen ge¬ <br> schmolzen ist) ohne recht wirksame Sonnenhitze. Denn <br> wenn schon der Sonnenumlaufskreis in der Nordzone <br> sowohl als in der Südzone ungetheilt über dem Horizonte <br> (also ganz sichtbar lange Zeit nach einander) verweilt, <br> so wirft er doch die Sonnenstrahlen gleichsam nur vor <br> der Erde vorbei, indeß sie zwischen den Wendekreisen <br> Jahr aus Jahr ein gerade auffallen. <br> Wendekreis heißt im Griechischen und Lateinischen Tropicus, <br> daher die Benennung tropische Länder, Pflanzen, Thiere rc., <br> d. h. die innerhalb der -Wendekreise zu finden sind. <br> Es versteht sich nach dem im 8. und "9. Lehrstück enthaltenen <br> Unterrichte von selbst, daß alle tropischen Länder und Meere2 Win¬ <br> ter und 2 Sommer haben müssen, jedoch nur in Beziehung auf den <br> Sonnenlichtgenuß, keineswegs aber aufdas Wärmemaß. Der Wit¬ <br> terungsunterschied zwischen tropischem Winter und Sommer äußert <br> sich nicht wie bei uns in dem Gegensatz der Wärme und Kälte, sondern <br> der Trockenheit und Nässe, so daß man dort 2 trockene und 2 nasse <br> Jahreszeiten hat, deren erstere die Sommer, letztere aber die Winter <br> heißen. Einen Frühling gibt es dort eben so wenig als einen Herbst.