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Title:
[Theil 6]
Persons:
Lüben, August Nacke, Carl
PURL:
http://gei-digital.gei.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:0220-gd-14051308
<br> 11 <br> 30. „Das hab' ich wohl erfahren/' sprach die schöne Maid, <br> „Es kam ein fremd Gesinde hieher vor langer Zeit; <br> Nach starker Heerfahrt brachte man sie zu diesen Neichen. <br> Den geraubten Frauen sah man das Antlitz großen Jammer bleichen." <br> 31. Sie sprach: „Die ihr da suchet, die hab' ich wohl gesehn, <br> In großen Mühsalen, das will ich euch gestehn." <br> Sie war der Mädchen eine, die da Hartmuth brachte; <br> Ja Gudrun war sie selber, daher sie dieser Dinge wohl gedachte. <br> 32. Da sprach König Herwig: „Nun seht, Herr Ortewein: <br> Sollt' eure Schwester Gudrun noch am Leben sein <br> In irgend einem Lande von allen Erdenreichen, <br> So schwür' ich, diese wär' es; niemals sah ich ihr ein Weib so gleichen." <br> 33. Da sprach König Ortwein: „Sie ist gar minniglich; <br> Jedoch mit meiner Schwester nicht vergleicht sie sich. <br> Aus unser beider Jugend gedenk' ich wohl der stunde, <br> Da hätte man auf Erden kein so schönes Mägdelein gefunden." <br> 34. Da er ihn also nannte, der kühne junge Mann, <br> Mit seinem Namen Ortwein, da sah ihn wieder an <br> Gudrun die arme: ob es ihr Bruder wäre, <br> Das wüßte sie so gerne; so würd' erleichtert ihres Herzens Schwere. <br> 35. Sie sprach: „Wie ihr auch heißet, ihr seid untadelig. <br> Einem, den ich kannte, gleicht ihr seltsamlich; <br> Er war geheißen Herwig, und war von L-eelanden; <br> Wenn der Held noch lebte, so löst' er uns aus diesen streugenBanden. <br> 36. „Ich bin auch ihrer Eine, die mit Hartmuth's Heer <br> Im Streit gefangen wurden und gesühret über Meer. <br> Ihr suchet Gudrunen: das thut ihr ohne Noth, <br> Die Magd von Hegelingen, fand vor großem Leid den Tod." <br> 37. Da thränten Ortweinen seine Augen licht; <br> Die Kunde ließ auch Herwig unbeweinet nicht. <br> Als sie das vernahmen, daß gestorben wäre <br> Die Magd von Hegelingen, das belud ihr Herz mit großer Schwere. <br> 38. Als sie die Helden beide vor ihr weinen sah, <br> Die geraubte Jungfrau sprach zu ihnen da: <br> „Ihr gehabt euch also bei dieser Trauermäre, <br> Als ob die edle Gudrun euch verwandt, ihr guten Helden, wäre." <br> 39. Da sprach der König Herwig: „Wohl traur' ich um die Maid; <br> Sie ist mein Weib gewesen auf alle Lebenszeit. <br> Sie war mir zugeschworen mit Eiden fest und [täten; <br> Nun hab' ich sie verloren durch des alten Ludwigs grimme Räthe." <br> 40. „Ihr wollt mich betrügen," sprach die arme Magd, <br> „Von Herwigens Tode ward mir oft gesagt. <br> Die höchste Bonn' auf Erden sollt' ich in ihm gewinnen; <br> Wär' der noch am Leben, so hätt' er längst mich geführt von hinnen."