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Title:
[Theil 6]
Persons:
Lüben, August Nacke, Carl
PURL:
http://gei-digital.gei.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:0220-gd-14051330
<br> 14 <br> 61. Da sprach die schöne Hildburg, die Maid aus Irland:' <br> „Was laßt ihr, Königstochter, liegen das Gewand, <br> Daß ihr Ludwigs Degen zu waschen säumt die Kleider; <br> Und wird das Gerlinde inne, so that sie uns mit Schlagen nie¬ <br> mals leider." <br> 62. Da sprach die Tochter Hildens: „Dazu bin ich zu hehr, <br> Der bösen Gerlind waschen will ich nimmermehr. <br> Nun verschmäh' ich Dienste zu leisten so geringe, <br> Da mich zwei Könige küßten und mit den Armen herzend mich <br> umfingen " <br> 63. „Ihr dürft mir nicht verdenken," hub Hildburg wieder an, <br> „Daß ich zum Waschen rathe; wir thäten klüger dran, <br> Als daß wir so die Kleider in die Kammer tragen, <br> Sonst wird uns beiden der Rücken übel heute noch zerschlagen." <br> 64. Da sprach die Enkelin Hagen's: „Freude nahet mir, <br> Trost und hohe Wonne; ob sie bis Morgen hier <br> Mich mit Besen schlügen, daran würd' ich nicht sterben; <br> Doch die uns so mißhandeln, deren müssen Viele bald verderben. <br> 65. „Ich will diese Kleider tragen zu der Flut; <br> Es soll ihnen frommen," sprach das Mägdlein gut, <br> „Daß ich mich vergleichen darf mit Königinnen; <br> Ich werfe sie in's Wasser, daß sie lustig fließen von hinnen." <br> 66. Was auch Hildburg redete, Gudrun trug hindann <br> Frau Gerlindens Linnen. Zu zürnen hub sie an; <br> Sie schwang sie aus den Händen weit in die Wogen. <br> Sie schwebten eine Weile; ich weiß nicht, ob sie je hervor <br> sie zogen. <br> 67. Die Nacht begann zu dunkeln, da längst der Tag zerrann. <br> Hildeburg ging traurig zu der Burg hindann; <br> Sie trug drei Kleider und schöner Tücher sieben; <br> Bei ihr ging Ortweins Schwester; die war der Wäsche ledig <br> heut geblieben. <br> 68. Es war schon spät geworden, da kamen sie an's Thor <br> Der Feste König Ludwigs: da fanden sie davor <br> Die üble Gerlind harren auf ihr Ingesinde. <br> Die edeln Wäscherinnen grüßte sie mit Worten ungelinde. <br> 69. „Wer hat euch das erlaubet," sprach des Königs Weib; <br> „Schmerzlich soll es büßen euer beider Leib, <br> Daß ihr so spät am Abend euch mögt am Strand ergehen; <br> Nicht ziemt es Königsfrauen in ihrer Kammer euch hinfort zu sehen." <br> 70. Sie sprach: „Nun laßt mich hören, warum thut ihr das? <br> Ihr verschmähet Könige und tragt zu ihnen Haß, <br> Und koset am Abend mit gemeinen Knechten; <br> Wollt ihr Ehr' erwerben, so scheinen solche Wege nicht die rechtem"