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Title:
Auswahl deutscher Dichtungen aus dem Mittelalter
Persons:
Gude, Karl
PURL:
https://gei-digital.gei.de:443/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:0220-gd-19970848
<br> Lampe sprach: „Das kann ich wohl sagen. Es liegt in der Wüste <br> Krekelborn nahe bei Hüsterlo. Hüsterlo nennen die Leute <br> Jenen Busch, wo Simonet lange, der Krumme, sich aufhielt, <br> Falsche Muünze zu schlagen mit seinen verweg'nen Gesellen. <br> Vieles hab' ich daselbst von Frost und Hunger gelitten, <br> Wenn ich vor Rynen, dem Hund, in großen Nöthen geflüchtet.“ <br> Reineke sagte darauf: Ihr könnt euch unter die Andern <br> Wieder stellen; ihr habet den König genugsam berichtet.“ <br> Und der König sagte zu Reineke: Seid mir zufrieden, <br> Daß ich hastig gewesen und eure Worte bezweifelt; <br> Aber sehet nun zu, mich an die Stelle zu bringen.“ <br> Reineke sprach: „Wie schätzt' ich mich glücklich, geziemt es mir heute <br> Mit dem König zu gehn und ihm nach Flandern zu folgen! <br> Aber es müßt euch zur Sünde gereichen. So sehr ich mich schäme <br> Muß es heraus, wie gern ich es auch noch länger verschwiege. <br> Isegrim ließ vor einiger Zeit zum Mönche sich weihen, <br> Zwar nicht etwa dem Herrn zu dienen, er diente dem Magen; <br> Zehrte das Kloster fast auf, man reicht' ihm für Sechse zu essen, <br> Alles war ihm zu wenig; er klagte mir Hunger und Kummer; <br> Endlich erbarmel es mich, als ich ihn mager und krank sah, <br> Half ihm treulich davon, er ist mein naher Verwandter. <br> Und nun hab' ich darum den Bann des Papstes verschuldet, <br> Möchte nun ohne Verzug, mit eurem Wissen und Willen, <br> Meine Seele berathen, und morgen mit Aufgang der Sonne, <br> Gnad' und Ablaß zu suchen, nach Rom mich als Pilger begeben, <br> Und von dannen über das Meer; so werden die Sünden <br> Alle von mir genommen, und kehr' ich wieder nach Hause, <br> Darf ich mit Ehren neben euch gehn. Doch thät ich es heute, <br> Würde Jeglicher sagen: Wie treibt es jetzo der König <br> Wieder mit Reineken, den er vor Kurzem zum Tode verurtheilt, <br> Und der über das Alles im Bann des Papstes verstrickt ist! <br> Gnädiger Herr, ihr seht es wohl ein, wir lassen es lieber.“ <br> „Wahr,“ versetzte der König darauf; „das konnt' ich nicht wissen <br> Bist du im Banne, so wär' mir's ein Berwensn mit mir zu <br> hren. <br> Lampe kann mich oder ein Andrer zum Borne begleiten. <br> Aber, Reineke, daß du vom Banne dich suchst zu befreien, <br> Find ich nützlich und gut. Ich gebe dir gnädigen Urlaub <br> Morgen bei Zeiten zu gehn; ich will die Wallfahrt nicht hindern <br> Denũ mir scheint, ihr wollt euch bekehren vom Bösen zum Guten <br> Gott gesegne den Vorsatz und laß euch die Reise vollbringen! <br> 162