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Title:
[Theil 1]
Persons:
Grube, August Wilhelm
PURL:
https://gei-digital.gei.de:443/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:0220-gd-6114004
<br> 259 <br> Still ist die Nacht. Die Welle rauscht <br> Und trägt ihn an die Uferhügel, <br> Wo der Kosak bewaffnet lauscht <br> Dem dunkeln Streif am Wasserspiegel; <br> Des Feindes Waffe birgt die Nacht. <br> Sag' an, Kosak, was sinnst Du wieder? <br> Gedenkest Du der heißen Schlacht, <br> Des Lagers und der Kriegeslieder? <br> Nicht mehr — Dich täuschte nur ein Traum — <br> Wirst Du die freie Heimath schauen. <br> Den stillen Don, der Wiege Raum, <br> Den Kampf und deine schönen Frauen! <br> — Es naht der Feind! Die Sehne schwirrt! <br> Er flieht zurück zum Wasserspiegel, <br> Und wie der Pfeil die Luft durchirrt, <br> Stürzt blutend der Kosak vom Hügel. <br> Oft tobt im Thal der Stürme Wuth, <br> Dann in der Seinen stillem Kreise. <br> Am Heerde, nach der Väter Weise <br> Sich wärmend, der Tscherkesse ruht. <br> Der müde Wandrer, der zu weit <br> Drang in der Berge Einsamkeit, <br> Er nähert mit dem treuen Pferde <br> Sich zagend dem Tscherkessenherde. <br> Doch wenn den Becher er geleert, <br> Geboten von dem güt'gen Wirthe <br> Mit biederm Gruß, nicht der Verirrte <br> Des süßen Schlafes sich erwehrt. <br> Er ruht im rauchigen Gemach, <br> Wo ihn die nasse Burka deckte, <br> Und läßt das gastlich niedre Dach, <br> Als ihn der nächste Morgen weckte. <br> Der muntern Gäste strömen viel <br> Herbei zum Bairamsfest, dem hellen, <br> Die Schaar der jungen Berggesellen <br> Erlustigt sich an Wett' und Spiel. <br> Die Köcher leeren sich in Eil', <br> Und dort, wo sich im Wolkenzüge <br> Der Adler schwingt mit mächt'gem Fluge, <br> Wählt sich sein Ziel ihr sich'rer Pfeil. <br> Sie stürzen sich, wie Sturmesweh'n, <br> Auf's Zeichen von den steilen Höh'n, <br> Wo sie den Staub der Fläche schlagen <br> Den Rehen gleich, im raschen Jagen — <br> Den Frieden schlicht verschmäht das Herz, <br> Das nur zu blut'gem Kampf geboren, <br> Ihr Spiel, zum Zeitvertreib erkoren, <br> Verdrängt gar oft entmenschter Scherz. <br> Wild blitzt der Säbel in der Hand — <br> Beim Mahle kreist das Blut geschwinder — <br> Des Sclaven Haupt rollt in den Sand, <br> Und klatschend jubeln selbst die Kinder! <br> 17