×

You are using an outdated browser that does not fully support the intranda viewer.
As a result, some pages may not be displayed correctly.

We recommend you use one of the following browsers:

Title:
[Theil 1]
Persons:
Grube, August Wilhelm
PURL:
https://gei-digital.gei.de:443/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:0220-gd-6114028
<br> 261 <br> die viel begabtere, energischere und thätigere Nation der Flamänder <br> die Schelde zu ihrem Hauptstrom. Man kann in dieser Beziehung sagen, <br> daß ganz Belgien in zwei Hauptstücke zerfällt, in das Belgien der Maas <br> und in das der Schelde. Jenes entspricht dem wallonischen, dieses dem <br> flamändischen Belgien. <br> Der niederländische Volksstamm der Flamänder hat nun die Schelde¬ <br> landschaften mit der schönsten Bodencultur, mit sehr dichter Bevölkerung <br> bedeckt, und an den Ufern ihrer Wasseradern die berühmtesten und volk¬ <br> reichsten Centralpunkte der Cultur und Bevölkerung Belgiens angelegt. <br> Während an der Maas nur Namur und Lüttich als solche zu nennen <br> sind, finden wir dagegen im Gebiete der Schelde fast alle andern großen <br> Städte des Landes: Löwen, Brüssel, Mecheln, Antwerpen, Gent, Mons, <br> Kortryk, Doornik, und noch dazu in Frankreich in nächster Nachbarschaft: <br> Valenciennes, Arras, Douay und Lille. <br> Man begreift danach, welche Wichtigkeit und Bedeutung selbst die <br> kleinsten Zweige dieses Flußsystems gewinnen mußten, wie gleichsam jeder <br> kleine Faden dieses Flußgespinnstes kostbar und unschätzbar werden mußte. <br> Seine Fluthen circuliren, reinigend und durstlöschend, beständig durch hun¬ <br> derttausend Haushaltungen jener reichen Städte: sie dienen zur Speisung <br> von hundert nützlichen Kanälen in den Städten und zur Verbindung der <br> Länder; an jeden Faden heften sich Tausende von werthvollen Aeckern, <br> die aus ihm Lebenskraft und Reichthum beziehen. Und alle Wellen dieses <br> kleinen Flusses thun also mehr Arbeit und Werk, spenden mehr Reichthum <br> und Fülle umher, als viele andere große Ströme, welche thatenlos unbe¬ <br> wohnte Wüsten durcheilen. <br> Schon diese angeführten Verhältnisse hätten hingereicht, den Schelde¬ <br> gewässern eine sehr hohe Bedeutung zu geben. Mehr aber als alles Andere <br> trug die Beschaffenheit des Mündungsstückes des Flusses zur Erhöhung <br> dieser Bedeutung bei. Obwohl so klein, erlangt doch die Schelde schon <br> bei Antwerpen eine so große Breite, Tiefe und Wasserfülle, wie sie ge¬ <br> wöhnlich nur großen Strömen eigen zu sein pflegen Zur Fluthzeit ist sie <br> schon bei Antwerpen 40—45 Fuß tief und besitzt dabei eine Breite von <br> 1000 Ellen, die sich allmälig nach dem Meere zu in beständiger Steige¬ <br> rung meerbusenartig erweitert. Von dem genannten Punkte an hat also <br> die Schelde beinahe das Ansehen, die Beschaffenheit und Brauchbarkeit <br> eines Meerbusens. So wie die Hälfte ihres Gebietes Delta ist, so ge¬ <br> stattet ein Drittel ihres ganzen Laufes Meeresschiffsahrt. Die Meeres¬ <br> strömungen und Fluthen, welche in die Mündungen des Flusses eindringen, <br> mögen hier das Flußwasser so aufgestauet und auch selbst bei Ebbe und <br> Fluth so breit um sich gegriffen haben, daß daraus diese großartigen Pro¬ <br> portionen hervorgegangen sind. Von der Schelde aus weithin nach Süd¬ <br> westen giebt es keinen Punkt, der zugleich so tief im Innern des Landes <br> läge und von dem aus so bequeme Seeschifffahrt so gut möglich wäre, wie <br> Antwerpen. Und auch im Nordosten sind die Fahrzeuge des Rheins