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Title:
[Geschichte des Mittelalters]
Persons:
Weber, Georg Schröer, Tobias Gottfried
PURL:
https://gei-digital.gei.de:443/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:0220-gd-10400417
<br> 105 <br> römischer Bildung vertraut, suchte Theodvrich, sobald er sich in der Herr¬ <br> schaft befestigt hatte, durch Förderung der Gewerbe und der Kultur des <br> Bodens, durch weise Gesetze und Volkserziehung in dieser unseligen Zeit <br> einen geordneteren Zustand zu begründen. Sein Ruhm war: ein Fürst <br> des Friedens zu sein. „Mögen andere Herrscher durch Schlachten die <br> Beute oder den Untergang eroberter Städte zu gewinnen suchen," so wer¬ <br> den seine eigenen Worte angeführt, „unser Vorsatz ist es, mit Gottes <br> Hülfe so zu siegen, daß die Uuterthaneu sich beklagen mögen, unsere Herr¬ <br> schaft so spät erlangt zu haben." Seine Macht kam seinem edlen Streben <br> gleich. „Das Leben des Theodorich bildet das seltene und verdienstvolle <br> Beispiel eines Barbaren, der sein Schwert im Stolze des Sieges und in <br> der Kraft seines Alters in die Scheide steckt." Könige und Fürsten beugten <br> sich seinem Worte und machten ihn zum Schiedsrichter in ihren Streitig¬ <br> keiten. Sein wohlthätiger Einfluß erstreckte sich auch über die Grenzen <br> seines Reiches. Seine Gemahlin war die Schwester Chlodwig's, des Kö¬ <br> nigs der Franken; zwei seiner Töchter waren an die Könige von Burgund <br> imb dem westgothischen Spanien vermählt, seine Schwestern an die Könige <br> der Vandalen und Thüringer. Die Fürsten verehrten ihn wie einen Vater. <br> Als einst Zwist unter ihnen ausbrach, schrieb er an sie: „Ihr Alle habt <br> Liebes und Gutes von mir empfangen; ihr seid junge Helden; mir kommt <br> es zu, euch zu rathen. Eure Unordnungen betrüben mich, und es ist mir <br> nicht gleichgültig, daß ihr euch von Leidenschaften beherrschen lasset." <br> Auch für Kunst und Wissenschaft ermangelte Theodorich nicht des <br> Sinnes und der Liebe; der gelehrte Geschichtschreiber Cassiodorus war <br> sein Rathgeber und sein Freund. „Er ließ aus dem römischen Recht ein <br> für die Gothen wie für die Römer gültiges Gesetzbuch fertigen, und zeigte <br> sich duldsam in religiösen Dingen. Erst kurz vor seinem Ende geschah es, <br> daß auch dieser weise und milde Herrscher von dem Fluch ereilt ward, der <br> von Anbeginn an auf dem religiösen Sekteuwesen ruhte. Noch immer <br> spann sich der Streit über die Natur Christi fort und das athaua- <br> sische und arianische Glaubensbekenutniß trennte die Gemeinschaft der <br> Christen. In Konstantinopel regierte zu dieser Zeit Justinus I., <br> der aus niedrigem Staude zum Anführer der Leibwache sich emporge¬ <br> schwungen und mit Hülfe einer mächtigen Hofpartei, zu welcher besonders <br> viele Geistliche gehörten, auf den Kaiserthrou sich erhoben hatte. Er war <br> der Meinung, daß das Heil des Staates von der Aufrechthaltung der ein¬ <br> mal angenommenen Rechtgläubigkeit abhänge, und erließ die strengsten <br> imb härtesten Gesetze gegen oie sogenannten Ketzer, besonders gegen die <br> Arianer. Justinus ließ den König Theodorich, der, wie alle Gothen, dem <br> Arianismus anhing, auffordern, in Italien die katholische Glaubenslehre <br> einzuführen und die Arianer zu vertreiben. Der verständige Gothe ant¬ <br> wortete ihm damals: <br> „Da die Gottheit es duldet, daß mehrere Religionen bestehen, sollen <br> wir es nicht wagen, eine einzige dem Volke aufzudringen. Denn wir erin¬