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Title:
[Geschichte des Mittelalters]
Persons:
Weber, Georg Schröer, Tobias Gottfried
PURL:
https://gei-digital.gei.de:443/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:0220-gd-10399438
<br> 7 <br> mehr durch ihr Beispiel, als nach Militärgewalt, wenn sie wacker sind <br> und sich auszeichnen; streiten sie an der Spitze, so folgt man ihnen aus <br> Bewunderung. Uebrigens darf Niemand, außer den Priestern, (peinlich) <br> strafen und in Bande legen, nicht einmal schlagen. Die Strafe tritt nicht <br> ein, um zu ahnden, nicht auf Geheiß des Heerführers, sondern gleichsam <br> auf Befehl der Gottheit, von der man glaubt, daß sie im Kriege zugegen <br> sei; sie nehmen auch gewisse sinnbildliche Gestalten aus den Hainen mit <br> in's Treffen. Einen besonderen Antrieb zur Tapferkeit findet man darin, <br> daß man die Schwadronen oder Keilhaufen nicht durch Zufall oder un¬ <br> gefähren Zusammenlauf, sondern aus Familien und Verwandtschaften <br> bildet, in deren Nähe die Liebespfänder sind, daß sie das Heulen der <br> Weiber und Schreien der Kinder hören. An diesen hat Jeder die heiligsten <br> Zeugen, die wichtigsten Lobpreiser. Die Wunden zeigen sie den Müttern <br> und Frauen, die sich nicht scheuen, jene zu zählen und auszusaugen. Auch <br> tragen sie den Kriegern Lebensmittel zu und ermuntern sie. Die Ge¬ <br> schichte sagt, daß einige Heere, die schon wichen oder zu wanken anfingen, <br> von den Weibern wieder zum Stehen gebracht worden seien. Diese flehten <br> sie unablässig an, warfen sich ihnen entgegen und zeigten ihnen die nahe <br> Gefangenschaft, welche die Männer, um der Frauen willen, als unerträg¬ <br> lich fürchten; daher werden die Völker, die zu Geißeln auch edle Mädchen <br> geben müssen, zur Treue weit kräftiger verpflichtet. Man glaubte, daß <br> den Weibern etwas Göttliches oder Prophetisches inwohne; daher hielt <br> man viel auf deren Rathschläge und folgte ihren Aussprüchen. Unter dem <br> Vespasian wurde die Veleda bei sehr Vielen lange wie eine Göttin an¬ <br> gesehen, und viel früher verehrte man die Aurinia und mehrere Andere, <br> nicht etwa ans Schmeichelei und ohne sie zu Göttinnen zu machen. Die <br> Treue der Weiber war so groß, daß sie sich nicht selten bei dem Tode <br> ihrer Männer selbst den Tod gaben oder wenigstens nie eine zweite Ehe <br> eingingen. Die deutsche Frau kann nur einen Mann haben, wie sie nur <br> einen Körper nnd eine Seele hat. <br> „Was die Berathuugen betrifft, so rathschlagen über minder wichtige <br> Sachen die Häuptlinge, über wichtigere urtheilt die ganze Nation, doch so, <br> daß auch das, worüber das Volk entscheidet, vor den Oberen verhandelt <br> wird. Sie kommen, wenn nicht plötzlich oder zufällig etwas dazwischen <br> tritt, an bestimmten Tagen, beim Neumonde oder Vollmonde, zusammen; <br> denn sie halten diesen Zeitpunkt für den glücklichsten zu den Verhandlungen. <br> Sie rechnen auch nicht nach Tagen wie wir, sondern nach Nächten. So <br> schließen sie Verträge ab, so verabreden sie sich; die Nacht scheint bei <br> ihnen dem Tage vorauszugehen. Ein Fehler der Freiheit ist es, daß sie <br> nicht zugleich, oder wie befehligt, sich einfinden, sondern daß sie zwei und <br> drei Tage durch das langsame Herbeikommen zubringen. Wie es dem <br> Haufen gefällt, so lassen sie sich bewaffnet nieder. Die Priester, die hier <br> auch das Recht haben, zu strafen, gebieten Stille. Dann hört man das <br> Oberhaupt oder die Häuptlinge an, je nachdem Jeder Alter und Adel,