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Title:
Neuer Kinderfreund
Persons:
Brakenhoff, Heinrich Ludwig
PURL:
https://gei-digital.gei.de:443/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:0220-gd-14342724
<br> 24 Erzählungen aus dem Leben zur Warnung <br> zu schlafen schien. Kunz hatte Mitleiden mit ihm, und aus <br> Besorgniss,'dass er erfrieren mochte, näherte er sich ihm, <br> um ihn auS dem Schlafe zu wecken. Aber so viel er ihn <br> auch rüttelte, so erwachte er doch nicht. Den kannst du <br> lange rütteln, rief Klaus lachend; er wird nicht aufwachen, <br> er ist betrunken; lass den Kerl liegen, und komm, eS ist <br> kalt. Nein, antwortete Kunz, so unbarmherzig kann ich <br> nicht sein; wie leicht konnte der arme Mensch erfrieren! <br> und mag er immerhin betrunken feinter ist ein Mensch, <br> und zwar ein hülfSbedürftiger Mensch; ich will thun, waS <br> ich kann, um ihm das Leben zu retten. Nun so mache, <br> was du willst, rief Klaus unwillig, ich mag nicht länger <br> hier stehen und frieren; und damit ging er weiter. Kunz <br> bedeckte nun eiligst den Schlafenden mit Schnee, weil er <br> gehört hatte, dass der Schnee wärme, und lief dann so <br> schnell, wie möglich, nach dem nächsten Dorfe, um einen <br> Wagen zu holen. Glücklicherweise fand er auch gleich <br> einen menschenfreundlichen Bauer, der eben aus der Stadt <br> gefahren kam, und mit dessen Hülfe er den halbtodten <br> Fremden sehr bald ins Leben brachte. Fröhlich wanderte <br> er nun nach Hause. Was urtheilet ihr von Kunz? und <br> was urtheilet ihr von Klaus? Wessen Betragen wollt ihr <br> euch zum Muster nehmen? — Wer deiner Hülfe bedarf, <br> der ist dein Nächster; dem sollst du helfen, wie du kannst. <br> Luc. 10, 19 — 37. <br> Gott und den Nächsten treu zu lieben, <br> DaS ist, o Christ, dir vorgeschrieben. <br> 11. Die Furcht s a me. <br> Wilhelmine hatte eine abergläubische Wärterinn, wel¬ <br> che ihr oft Gespenster-Geschichten erzählte; dabei hatte man <br> es ihr angewöhnt, immer bei einer Lampe und nie allein <br> zu schlafen. Dadurch wurde sie furchtsam. Sie war schon <br> zehn Jahr alt, als es sich traf, dass alle ihre Geschwister <br> krank wurden, und ihr Vater gerade verreis't war, so <br> musste eS sich Wilhelmine zum ersten Male gefallen lassen, <br> allein zu schlafen. Daher gerieth sie nun in große Angst, <br> besonders da die Mutter keine Lampe in ihrer Kammer <br> wollte brennen lassen, sondern meinte, das große Mädchen <br> könnte auch wol einmal im Finstern zu Bette gehen. Gar <br> zu gern hätte sie in der Krankenstube geschlafen; aber dies