×

You are using an outdated browser that does not fully support the intranda viewer.
As a result, some pages may not be displayed correctly.

We recommend you use one of the following browsers:

Title:
[Theil 6]
Persons:
Lüben, August Nacke, Carl
PURL:
https://gei-digital.gei.de:443/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:0220-gd-14051287
<br> 9 <br> 8. Da sprach der Herr von Seeland: „Ihr Mädchen minniglich, <br> Wem gehören diese Kleider? deß bescheidet mich. <br> Hört ohne Falsch uns bitten; zu Ehren allen Maiden, <br> Ihr minniglichen Frauen, sollt ihr nicht von dem Gestade scheiden." <br> 9. Da sprach die edleGudrun: „Ich deuchte mich geschmäht, <br> Da ich ein Mädchen heiße, und ihr mich habt gefleht <br> Bei aller Mädchen Ehre, wenn ich euch bitten ließe," <br> So sprach zu ihm die hehre; „drum müssen meine Augen überfließen." <br> 10. Sie gingen in den Hemden; die waren naß zu schaun; <br> Besser einst gekleidet sah' man die edeln Frau'n. <br> Vor Kälte mußte beben das arme Ingesinde; <br> Kläglich war ihr Leben; sie umwehten kalte Märzenwinde. <br> 11. Es war in den Tagen, da der Winter Abschied nimmt, <br> Und der Vogel mit Zagen die Kehle wieder stimmt, <br> Daß er singe seine Weise, wenn der März entschwunden. <br> In Schnee und in Eise wurden die armen Waisen gesunden. <br> 12. Mit gesträubten Haaren kamen sie heran. <br> Wie ihnen beiden waren die Häupter wohlgethan, <br> Doch sah man ihre Locken zerzaust vom Märzenwinde; <br> Ob es regnete oder schneite, weh war dem armen Ingesinde. <br> 13. Das Meer allenthalben noch mit dem Eise floß, <br> Das sich zerlassen wollte; ihre Sorge die war groß. <br> Durch die Hemden schienen weiß wie der Schnee <br> Die minniglichen Glieder; ihnen schuf die Scham vor Fremden Weh. <br> 14. Herwig der edle ihnen guten Morgen bot. <br> Wohl wär' den Heimathlosen ein guter Morgen Noth. <br> Von ihrer bösen Meisterin hörten sie nur Schelten; <br> Guten Morgen, guten Abend kam den minniglichen Maiden selten. <br> 15. „Ihr sollt uns hören lassen," sprach Herr Ortewein, <br> „Wem diese reichen Kleider aus dem Strande sei'n, <br> Oder Wem ihr waschet; ihr beiden seid so schöne. <br> Wer thut euch das zu Leide? Daß ihn Gott vom Himmel immer höhne ! <br> 16. _ Ihr seid so schön, ihr dürfet wohl die Krone tragen <br> Und einem reichen König als Erbinnen behagen. <br> Landesfrauen heißen solltet ihr mit Ehre. <br> Dem ihr so schmachvoll dienet, hat er so schöner Wäscherinnen mehre?" <br> 17. Da sprach mit trübem Blüthe das schöne Mägdelein: <br> „Er hat noch manche schöner, als wir mögen sein. <br> Nun fraget, was ihr wollet; würd es die Meist'rin inne, <br> Es möcht' uns schlimm bekommen, säh' sie uns mit euch sprechen von <br> den Zinnen." <br> 18. „Laßt es euch nicht verdrießen, und nehmet unser Gold, <br> Guter Spangen viere; das sei euer Sold, <br> Daß ihr schöne Frauen uns Kunde möget sagen; <br> Wir geben sie euch gerne, daß ihr Bescheid uns gebt auf unsre Fragen."