28 Amerika. Das Klima Amerikas ist bei der großen Ausdehnung des Eonti- nents, indem es durch vier Zonen, nämlich die nördliche kalte, die nördliche gemäßigte, die heiße und die südliche gemäßigte sich ausbreitet, außerordentlich verschieden und durchläuft von Stufe zu Stufe alle Grade von der erstarrendsten Kalte unter den Polen bis zu der bren¬ nendsten Hitze unter den senkrechten Strahlen der Sonne; aber im Ganzen ist dieser Erdtheil kälter als andere Gegenden der Erde unter gleichen Breitengraden. Die ganze Gestaltung Amerikas, die Verthei- lung seiner ungeheuren Bergketten, so wie die Lage seiner hohen Pla¬ teaus und seiner unermeßlichen Ebenen haben einen merkwürdigen Einfluß auf die Temperatur dieses Erdtheils und bieten an mehreren Punkten die größten Gegensätze zwei ganz verschiedener Klimate dar, welche gleichwohl dicht an einander gränzen. Peru, das Plateau von Quito und das von Mexiko, obschon zwischen den Tropen gelegen, verdanken ihrer großen Mcereshöhe eine Frühlingstemperatur. Die Abhänge der Gebirge bedecken sich zwar mit Schnee, welcher auf meh¬ reren Berggipfeln selbst das ganze Jahr hindurch liegen bleibt; aber in geringer Entfernung davon schmachtet der Bewohner von Vera Cruz oder Guayaquil unter dem Drucke einer oft ungesunden heißen Luft. Aber auch hier am Meere ist, wie überhaupt in ganz Amerika die Temperatur geringer, als unter gleichen Breiten der andern Erdtbeile. Die mäßige Breite des Festlandes, seine große Längenerstreckung gegen die Pole; der Ozean, dessen zusammenhängende'Oberfläche stets durch die Passatwinde erfrischt wird; die Strömungen kalten Wassers von der Magellanschen Meerenge bis Peru, zahlreiche mit Quellen erfüllte Bergkettten, deren mit Schnee bedeckte Gipfel weit über die Wolkenregion hinausragen, die große Menge ungeheurer Flüsse, die nach mancherlei Krümmungen stets die entlegensten Küsten zu ihrer Ausmündung suchen; Wüsten, die im Allgemeinen nicht unter die sandigen gehören und folglich weniger für die Aufnahme und Zurück¬ haltung der Wärme geeignet sind; undurchdringliche Wälder, welche die von Flüssen durchschnittenen Ebenen des Äquators bedecken und welche in den vom Ozean und den den Gebirgen am weitesten ent¬ fernten Ländern ungeheure Quantitäten von Wasser erzeugen, welches sie theils aus der Atmosphäre an sich ziehen oder das sich durch den Vorgang der Vegetation bildet; alle diese Ursachen bewirken in den tie¬ fern Gegenden von Amerika ein Klima, welches sowohl durch seine Kühle und Frische als Feuchtigkeit auffallend von dem in Afrika ab¬ sticht. Ihnen allein ist jener kräftige, wuchernde, saftreiche Pflanzen¬ wuchs, jenes dichte Laubwerk zuzuschreiben, wodurch Amerika sich so sehr auszeichnet. Indem diese Ursachen vorzüglich in Bezug auf Südamerika und auf den Theil von Nordamerika, wo Mexiko liegt, Gültigkeit haben, bemerken wir noch in Ansehung Nordamerikas, daß es nur einem klei¬ nern Theile nach in der heißen Zone liegt, dagegen aber sehr weit in