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[Teil 2 = Mittel- und Oberstufe, [Schülerband]] (Teil 2 = Mittel- und Oberstufe, [Schülerband])

Bibliografische Daten

Mehrbändiges Werk

Persistenter Identifier:
PPN1040490840
URN:
urn:nbn:de:0220-gd-19095011
Titel:
Norddeutsches Lesebuch
Erscheinungsort:
Halle a.S.
Verlag:
Buchhandlung des Waisenhauses
Dokumenttyp:
Mehrbändiges Werk
Sammlung:
Lesebücher Kaiserreich
Erscheinungsjahr:
1905
Copyright:
Georg-Eckert-Institut - Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung
Sprache:
Deutsch
Untertitel:
mit besonderer Berücksichtigung der Bedürfnisse der ein- und zweiklassigen Volksschule

Band

Persistenter Identifier:
PPN1040491111
URN:
urn:nbn:de:0220-gd-19094747
Titel:
[Teil 2 = Mittel- und Oberstufe, [Schülerband]]
Signatur:
DCH-II 30(23,05)-2
Bandzählung:
Teil 2 = Mittel- und Oberstufe, [Schülerband]
Erscheinungsort:
Halle a.S.
Verlag:
Buchhandlung des Waisenhauses
Dokumenttyp:
Band
Sammlung:
Lesebücher Kaiserreich
Erscheinungsjahr:
1905
Ausgabenbezeichnung:
23. Auflage [Electronic ed.]
Copyright:
Georg-Eckert-Institut - Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung
Sprache:
Deutsch
Untertitel:
mit besonderer Berücksichtigung der Bedürfnisse der ein- und zweiklassigen Volksschule

Kapitel

Titel:
III. Aus dem Naturleben
Dokumenttyp:
Mehrbändiges Werk
Strukturtyp:
Kapitel

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Norddeutsches Lesebuch
  • [Teil 2 = Mittel- und Oberstufe, [Schülerband]] (Teil 2 = Mittel- und Oberstufe, [Schülerband])
  • Einband
  • Titelseite
  • Inhaltsverzeichnis
  • Alphabetisches Verzeichnis der Gedichte
  • I. Erbauliches und Beschauliches
  • II. Aus dem Menschenleben
  • [Lesestücke 41-60]
  • [Lesestücke 61-80]
  • [Lesestücke 81-100]
  • [Lesestücke 101-120]
  • [Lesestücke 121-143]
  • III. Aus dem Naturleben
  • IV. Aus Heimat und Fremde
  • V. Aus der vaterländischen Sage und Geschichte
  • VI. Aus der Kirchengeschichte
  • Verzeichnis der Verfasser
  • Einband

Volltext

190 
149. Der Baumstamm — ein Stammbaum. 
hast 40 behagliche Jahre durchlebt, du Schlanker, an Jahren fast noch ein Baum— 
jüngling! Du standest auf nahrhaftem Boden im Kreise zahlreicher Genossen, 
und eure Wipfeläste verschränkten sich zum schattenden Dache. Dein Leben war 
geschirmt vor der Wucht des Sturmes, die häßlichen Borkenkäfer zehrten nicht 
an deinem Lebensmarke, und deiner Wurzel fehlte nie das erquickende Naß. 
Das alles sagen mir die breiten, gleichen Jahresringe deines Innern. Daß du 
nicht einsam standest, sondern im dichten Schluß — wie der Förster sagt — mit 
deinen Brüdern, das sehe ich aus der Glätte und Astlosigkeit deines Schaftes, der 
nur oben einen kurzen Kronenwipfel quirlförmiger Äste hatte. 
Jetzt komme ich zu dir, alter Knabe, aus dem edlen Geschlechte der lang— 
nadeligen Kiefern. Du hast ein bewegteres Leben geführt. Ich zähle über 
200 Jahre, darunter Jahre des Hungers und Jahre des üppigsten Genusses. Ich 
sehe deutlich, daß du im dürren Jahre 1842 auch Mangel littest; denn dein Ring 
von jenem Jahre ist sehr, sehr ärmlich. Du hast dich dein Leben lang viel um— 
geschaut. Standest du auf einer Feldkuppe als treuer Hüter der Ernte oder auf 
kahlem Felsrande? Frei standest du — denn schon unten sehe ich die Stellen, wo 
die starken Aste abgehauen sind, — und zuletzt auch einsam, nachdem du fast 
200 Jahre einen treuen Gefährten dicht an deiner Seite hattest. Vor acht Jahren 
riß man ihn von dir. Hat es der Sturm getan oder die Art deines Herrn? 
Seitdem standest du ganz allein und strecktest deine knorrigen Aste hinaus in 
die warme Maienluft, die mit deinen Nadeln koste, wie in den rauhen Nord, 
der deine Krone durchwühlte. Als dir der Nahrungssaft kärglich zufloß, kamen 
wahrscheinlich auch die Schnitter bangen Herzens auf ihren Acker; denn die Halme 
waren dünn und die Ähren klein. Die alten Wirtschaftsbücher jenes Gutes, 
auf dessen Fluren du standest, würden ohne Zweifel ebenso sprechen wie diese 
kümmerlichen Jahresringe deines Holzes. Oder war es der häßliche Vielfraß, 
die Kiefernraupe, welche deine Nadeln fraß und also dich der schaffenden Hände 
beraubte, welche die Jahresringe bereiten? Willst du wissen, wer es mir sagte, 
daß du vor acht Jahren deinen alten, treuen Gefährten verloren hast, der seine 
Wurzel mit der deinigen verflocht, ja, daß du überhaupt einen solchen hattest? 
Du selbst hast mir's gesagt. Deine letzten acht Jahresringe sind zwar schwach; denn 
du bist alt geworden, und es strömt nicht mehr üppig schaffendes Leben in deinem 
Leibe, aber sie sind ringsherum von gleicher Breite. Alle übrigen jedoch sind nach 
der einen Seite hin viel schmäler als nach der anderen, wodurch dein Mark sehr weit 
seitlich liegt. An dieser Seite stand dein Nachbar, der dich hinderte, ringsherum 
gleichmäßig anzubauen. Als er beseitigt war, hinderte dich nichts mehr daran. — 
Seht, ihr mächtigen Stämme, so gibt mir jeder von euch seine Geschichte zu 
lesen, so seid ihr mir die Stammbäume eures Geschlechts. Emil Roßmäßler.
	        

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Zitierempfehlung

Keck, Karl Heinrich Christian et al. [Teil 2 = Mittel- Und Oberstufe, [Schülerband]]. Halle a.S.: Buchhandlung des Waisenhauses, 1905. Print.
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