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Größeres Lesebuch für Fortbildungsschulen in Stadt und Land

Bibliografische Daten

Monografie

Persistenter Identifier:
PPN1020609060
URN:
urn:nbn:de:0220-gd-16149887
Titel:
Größeres Lesebuch für Fortbildungsschulen in Stadt und Land
Signatur:
DF-II 45(5,1891)
Bearbeiter*in/Herausgeber*in:
Richter, Hermann
Erscheinungsort:
Döbeln
Verlag:
Schmidt
Dokumenttyp:
Monografie
Sammlung:
Lesebücher Kaiserreich
Erscheinungsjahr:
1891
Ausgabenbezeichnung:
Fünfte, unveränderte Auflage [Electronic ed.]
Copyright:
Georg-Eckert-Institut - Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung
Sprache:
Deutsch

Kapitel

Titel:
I. Erzählungen
Dokumenttyp:
Monografie
Strukturtyp:
Kapitel

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Größeres Lesebuch für Fortbildungsschulen in Stadt und Land
  • Einband
  • Titelseite
  • Vorwort zur ersten Auflage
  • Vorwort zur dritten Auflage
  • Zur fünften Auflage
  • Inhalts-Verzeichnis
  • I. Erzählungen
  • II. Schilderungen und Betrachtungen
  • III. Geschichtsbilder und Lebensbeschreibungen
  • IV. Bilder aus der Länder- und Völkerkunde
  • V. Bilder aus der Naturkunde
  • VI. Aus der Wirtschaftslehre
  • VII. Gedichte
  • VIII. Sprüche und Sprichwörter
  • Anhang
  • Einband

Volltext

49 
unheschreibliche Angst Er wirft den Schlitten und das Holz von sich, 
rafft die zur Erde gefallene Axt auf und versetzt dem Wolfe einige Hiebe 
auf den Rücken. Dieser wendet sich nun gegen den neuen Feind und 
er würde ihn ohne Zweifel zerrissen haben, hätte sich der andere nicht 
blitzschnell aufgerafft und die Axt dem Wolfe in den Kopf geschlagen. 
So waren also zwei schwache Knaben durch Gottes Hilfe und ihren Mut 
Herren von zwei furchtbaren Raubtieren geworden, ohne selbst eine ge⸗ 
fährliche Wunde bekommen zu haben. Verwundert sahen sie sich jetzt 
einer den andern an, dann die Tiere, die mit offenem Rachen tot auf 
dem Rücken lagen, und staunten über das furchtbare Gebiß und die ge— 
waltigen Zähne, die sie hatten zermalmen sollen. Dann knieten sie nieder, 
bekreuzten sich und beteten; und nachdem sie Gott für ihre wunderbare 
Rettung gedankt hatten, kamen sie jubelnd mit ihrem Holze und den 
beiden erlegten Wölfen auf dem Schlitten nach Hause. Ich habe selbst 
in Bistritz die Knaben gesehen, wie sie mit den Woͤlfen durch die Straßen 
zogen, ihre Geschichte erzählten und von der ganzen Stadt bewunden 
und geliebkost und beschenkt wurden. Ich kann nicht daran denken, ohne 
daß mir Thränen in die Augen kommen. Es waren gar zu hübsche, 
liebe und fromme Knaben! F. Jalobs 
— 
II. Schilderungen und Betrachtungen. 
——— 
26. Nicht der Schule, sondern dem Leben. 
Da das Leben nicht nur Kenntnisse und Gedanken, sondern auch 
Willen, Triebe, That braͤucht, und in diesen vor allem das Leben besteht, 
so wendet sich der Spruch, nicht der Schule, sondern dem Leben zu 
lernen, vorzüglich auf Bildung des Herzens und des Charakters. Was 
hülfe es, täusend Kenntnisse und keinen Willen, keinen Geschmack, keine 
Lust und Liebe zu leben, ehrbar und rechtschaffen zu leben, zu haben? 
Im Willen lehen wir, das Herz muß uns verdammen oder trösten, 
stärken oder niederschlagen, lohnen oder strafen; nicht auf Kenntuisse 
allein sondern auf Charakter ünd Triebe, auf die menschliche Brust ist 
die Wirksamkeit und der Wert, das Glück oder Unglück unseres Lebens 
gebaut. Leben lernen heißt also: seinen Neigungen eine gute Richtung 
geben, seine Grundsätze reinigen, befestigen, stärken, seine Vorsätze läutern 
und tapfer begründen, nicht mit dem Kopfe allein, sondern auch mit 
dem Herzen leben für Eltern, Freunde, Lehrer, Mitschüler, Bekannte, 
Fremde; sich Sitten erwerben, anständige, frohe Sitten, die liebenswert 
machen vor Gott und den Menschen. Leben lernen heißt: die Stunden 
des Tages wohl einteilen, sich Ordnung im Geschaͤft geben und sie mit 
s. Richter Gr Lesehuch f, Forthilpungesh.
	        

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