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Von der Zeit Karls des Großen bis zum Westfälischen Frieden (Teil 2)

Bibliographic data

Monograph

Persistent identifier:
PPN1023099160
URN:
urn:nbn:de:0220-gd-16666422
Title:
Lesegärtchen
Shelfmark:
DDG-II 129(4,1877)
Place of publication:
Köln
Publisher:
DuMont-Schauberg
Document type:
Monograph
Collection:
Readers, imperial Germany
Publication year:
1877
Edition title:
Vierte Auflage [Electronic ed.]
Copyright:
Georg-Eckert-Institut - Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung
Language:
German
Subtitle:
deutsches Lesebuch für die Mittelklassen höherer Töchterschulen und ähnlicher Anstalten

Chapter

Title:
Dritte Abtheilung. Erzählungen und Parabeln
Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter

Contents

Table of contents

  • Leitfaden der Geschichte für höhere Mädchenschulen und Lehrerinnenseminare
  • Von der Zeit Karls des Großen bis zum Westfälischen Frieden (Teil 2)
  • Binder
  • Title page
  • Inhaltsverzeichnis
  • I. Das Mittelalter
  • II. Geschichte der neuern Zeit. Von der Entdeckung Amerikas bis zum Westfälischen Frieden
  • Stoffe zu zusammenfassenden Wiederholungen
  • Inhaltsverzeichnis des Bilderanhanges
  • Bilderanhang
  • Das Reich Karls d. Gr.
  • Deutschland unter den sächsischen u. fränkischen Kaisern
  • Deutschland nach der Kreiseinteilung (XVI. Jhd.)
  • Advertising
  • Binder

Full text

98 
Da die grausigen Blntthaten in der Nacht zum 24. August, auf den 
das Fest des Apostels Bartholomäus fällt, verübt wurden, werden diese selbst 
unter dem Namen Bartholomäusnacht zusammengefaßt. 
Wie viele Hugenotten das Opfer der Bartholomäusnacht und der in 
den Provinzen erlassenen Blutbefehle wurden, läßt sich nicht einmal annähernd 
ermitteln; die neuesten Ergebnisse schwanken zwischen zwei- und viertausend. 
Diese Rachethat einer in ihren Herrschgelüsten gekränkten Königin und 
eines eben so feigen wie grausamen Königs entfachten die Glaubenskämpfe von 
neuem, bis König Heinrich IV. denselben im Jahre 1598 durch das Edikt 
von Nantes ein Ende machte. Diese königliche Verordnung sicherte den 
Hugenotten freie Religiousübuug im ganzen Reiche und Zutritt zu allen Ämtern. 
England im Zeitalter der Glanbensspaltung. 
Als im deutschen Reiche die Glaubenstrennung begann, regierte in Eng- 
land König Heinrich VIII. Er war ein Gegner Lnthers, schrieb sogar selbst 
ein Buch zur Verteidigung der katholischen Lehre, weshalb der Papst ihn 
Verteidiger des Glaubens nannte. Eine Leidenschaft für eine Hofdame, 
mit Namen Anna Boleyn, machte aus dem Verteidiger des Glaubens 
einen grausamen Verfolger desselben. Er bat deu Papst um die Auflösung 
seiner Ehe. Sein Gesuch wurde abgeschlagen. Nun sagte er sich von der 
römischen Kirche los, verfaßte ein neues Glaubensbekenntnis und erklärte sich 
selbst zum Oberhaupte der englischen Kirche. Er ließ die Ehescheidung durch 
ihm ergebene Bischöfe und Staatsmänner aussprechen und heiratete Anna 
Boleyn; nach einem Jahre ließ er sie enthaupten, um eine andere Hofdame 
zu heiraten. Als diese nach zwei Jahren starb, heiratete er noch dreimal 
nacheinander; von der vierten Frau ließ er sich scheiden, die fünfte ließ er 
enthaupten, die sechste beherrschte und überlebte ihn. 
Die einflußreichen Gegner seiner kirchlichen Neuerungen traf der Tod 
durch Henkershand; unter diesen befand sich auch der Lordkauzler des Reiches, 
Thomas Morus, ein Mann, ausgezeichnet durch Gelehrsamkeit und Sitten- 
reinheit, durch Treue und Rechtschaffenheit. Die Güter der Kirchen und 
Klöster zog der König ein und verschwendete sie so schnell, wie er sie genommen. 
Ihm folgten rasch nacheinander drei seiner Kinder in der Regierung, 
zuerst Eduard, ein Sohn seiner dritten Frau, dann Maria, die Tochter 
seiner ersten Gemahlin, darauf Elisabeth, die Tochter der Anna Boleyn. 
Sie regierte 45 Jahre über England, von 1558—1603. 
Elisabeth. Ausgestattet mit glänzenden Geistesgaben, hatte Elisabeth 
sich eine hervorragende wissenschaftliche Bildung angeeignet. Ihre äußere Er- 
scheinung war gewinnend. Mit feinen, regelmäßigen Zügen, goldblondem 
Haar und dunkeln Augen voll Feuer verband sie einen stattlichen Wuchs und 
eine königliche Haltung. Die Stürme, die ihre Jugend umbraust, hatten in 
ihr einen hohen Grad von Mut und Thatkraft, zugleich aber auch eine Ent- 
schiedenheit des Willens entwickelt, die nach ihrer Thronbesteigung in die 
gleiche gewaltthätige Willkür ausartete, die ihres Vaters Regierung kenn- 
zeichnet. Ihren Räten gestattete sie nur Meinungsäußerungen, aber 
keinerlei eutscheidenden Einfluß auf ihre Regierungshandlungen. Für die
	        

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Dahmen, Joseph. Von Der Zeit Karls Des Großen Bis Zum Westfälischen Frieden. Leipzig: Hirt, 1900. Print.
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