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Lesegärtchen

Bibliographic data

Monograph

Persistent identifier:
PPN1023099160
URN:
urn:nbn:de:0220-gd-16666422
Title:
Lesegärtchen
Shelfmark:
DDG-II 129(4,1877)
Place of publication:
Köln
Publisher:
DuMont-Schauberg
Document type:
Monograph
Collection:
Readers, imperial Germany
Publication year:
1877
Edition title:
Vierte Auflage [Electronic ed.]
Copyright:
Georg-Eckert-Institut - Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung
Language:
German
Subtitle:
deutsches Lesebuch für die Mittelklassen höherer Töchterschulen und ähnlicher Anstalten

Chapter

Title:
Erste Abtheilung. Aus dem Leben der Kinder
Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter

Contents

Table of contents

  • Lesegärtchen
  • Binder
  • Title page
  • Vorwort
  • Inhalt
  • Auflösung der Räthsel
  • Erste Abtheilung. Aus dem Leben der Kinder
  • Zweite Abtheilung. Fabeln
  • Dritte Abtheilung. Erzählungen und Parabeln
  • Vierte Abtheilung. Lieder
  • Fünfte Abtheilung. Aus der Natur
  • Sechste Abtheilung. Gespräche
  • Siebente Abtheilung. Aus der heiligen Schrift
  • Binder

Full text

177 
Die Kaiser des zweiten Jahrhunderts. 
Marcus Au re liu 8, ein stoischer Philosoph auf dem Throne, 
folgte seinem Schwiegervater Antoninus Pius, der ihn adoptirt hatte, 
und theilte die Regierung mit seinem Schwiegersöhne Lucius Verus, 
der aber vor ihm verstarb. Alle Tage widmete er einige Zeit der 
Selbftbetrachtung in der Einsamkeit, und hinterließ Darüber ein 
Werk in griechischer Sprache. Seuchen, Erdbeben, Empörungen der 
Provinzen, Einfälle deutscher Völker droheten dem Staate den Unter¬ 
gang. Er stillte die Empörungen, besiegte die Feinde, und um den 
Verunglückten aufzuhelfen, erließ er ihnm die Abgaben, und verkaufte 
die kostbaren Geräthe seines Palastes. Sein Wahlspruch war: Güte 
schützet das Reich. Schade, daß dem guten Kaiser ein so schänd¬ 
licher Sohn in der Regierung folgte! 
Commodus hieß dieser viehische Unmensch, der Nero, Calk- 
gula und Domitian in Lastern übertraf. Als 12 jähriger Knabe be¬ 
fahl er schon, einen Mann, der ihm das Badwasser zu heiß gemacht 
hatte, lebendig zu verbrennen. Umsonst suchte sein Vater Marcus 
Aurelius ihn durch Güte zu bessern, gab ihm mit 16 Jahren schon 
das Consulat und den Titel Augustus und Vater des Vaterlandes 
und Antheil an der Regierung. Als Commodus zur Regierung ge¬ 
langte, überließ er sich ohne Scheu den unnatürlichsten Lastern. Ge- 
rnahlinn, Schwester, Günstlinge wurden i?in^ertd)tet, sogar seinen Vater 
soll er vergiftet haben. Er wollte der römische Herkules seyn 
— er besaß wirklich eine Rresenstärke — und durchschritt, in der 
Löwenhaut und mit der Keule, oft die Straßen Roms, und wenn es 
ihm einsiel, so zerschlug er den ihm begegnenden Leuten die 
Beine, und warf ihnen ein Goldstück hin, sich wieder heilen zu las¬ 
sen. Er trat 735 Mal vor dem Volke im Circus als Gladiator 
auf, und erlegte jedes Mal seinen Gegner, und ließ sich für jeden Sieg 
1 Million Sesterzien (über 40,000 Thaler) aus der Staatskasse be¬ 
zahlen, für die Erstechung eines Gladiators! Und ebendieser Held that 
groß damit, zuweilen an einem Tage 100 eingesperrte Löwen von sei¬ 
nem Balcon zu erschießen; den einbrechenden Deutschen zahlte er 
Tribut, damit sie seine Gränzen doch in Ruhe ließen. Ueber 12 Jahre 
rasete das Ungeheuer, und als er am Neujahrstage 193 n. Chr. zum 
achten Male als Consul und zugleich als Gladiator wieder auftreten 
wollte, und die schon gewählten Consuln deshalb ermordet werden 
sollten, auch viele seiner Freunde, die ihm hierin zu widersprechen 
wagten, unter anderen auch eine seiner Frauen, Marcia, so ließ diese, 
welche noch früh genug ihre Gefahr erfuhr, ihn in der Neujahrsnacht 
von seinem Lieblinge, dem berühmten Gladiator*) Narcissus, erdros¬ 
seln. Im Volke streuete man aus, er sei am Schlagflusse gestorben, 
und der frohe Senat erklärte ihn für einen Feind des Vaterlandes. 
Sein Wahlspruch war: Langsam, allgemach! 
Noch in der Nacht, als Commodus ermordet war, holte man den 
*) In Rom konnten auch Gladiatoren hoch berühmt werden, wenn sie näm¬ 
lich recht viele andere Gladiatoren im Amphitheater erstochen hatten. 
12
	        

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Annegarn, Josef. Weltgeschichte Für Die Katholische Jugend. Münster: Theissing, 1840. Print.
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