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[Theil 6] (Theil 6)

Bibliographic data

Monograph

Persistent identifier:
PPN1023099160
URN:
urn:nbn:de:0220-gd-16666422
Title:
Lesegärtchen
Shelfmark:
DDG-II 129(4,1877)
Place of publication:
Köln
Publisher:
DuMont-Schauberg
Document type:
Monograph
Collection:
Readers, imperial Germany
Publication year:
1877
Edition title:
Vierte Auflage [Electronic ed.]
Copyright:
Georg-Eckert-Institut - Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung
Language:
German
Subtitle:
deutsches Lesebuch für die Mittelklassen höherer Töchterschulen und ähnlicher Anstalten

Binder

Document type:
Monograph
Structure type:
Binder

Contents

Table of contents

  • Lesebuch für Bürgerschulen
  • [Theil 6] (Theil 6)
  • Binder
  • Title page
  • Vorrede zur ersten und zweiten Auflage
  • Vorrede zur vierten Auflage
  • Inhalts-Verzeichniß
  • 1. - 20.
  • 21. - 40.
  • 41. - 60.
  • 61. - 80.
  • 81. - 100.
  • 101. - 120.
  • 121. - 137.
  • Binder

Full text

188 
ruand war wohl mehr zum Führer einer Verschwörung geboren, 
als Wilhelm der Verschwiegene. Ein durchdringender, fester Blick 
in die vergangene Zeit, die Gegenwart und die Zukunft, schnelle 
Besitznehmung der Gelegenheit, eine Obergewalt über alle Geister, 
ungeheure Entwürfe, die nur dem weit entlegenen Betrachter Ge¬ 
stalt und Ebenmaß zeigen; kühne Berechnungen, die an der 
langen Kette der Zukunft hinunter spinnen, standen unter der 
Aufsicht einer erleuchteten und freiern Tugend, die mit festem 
Tritte auch auf der Grenze noch wandelt. 
Nicht minder edlen Stammes, als Wilhelm, war Lamo- 
ral, Graf von Egmont und Prinz von Gavre, ein Abkömm¬ 
ling der Herzoge von Geldern, deren kriegerischer Muth die 
Waffen des Hauses Oesterreich ermüdet hatte. Sein Geschlecht 
glänzte in den Annalen des Landes: einer von seinen Vorfahren 
hatte schon unter Maximilian die Statthalterschaft über Holland 
verwaltet. Egmonts Vermählung mit der Herzogin Sabina von 
Baiern erhöhte noch den Glanz seiner Geburt und machte ihn 
durch wichtige Verbindungen mächtig. Karl der Fünfte hatte 
ihn im Jahre 1546 in Utrecht zum Ritter des goldenen Vließes 
geschlagen; die Kriege dieses Kaisers waren die Schule seines 
künftigen Ruhms, und die Schlachten bei St. Quentin und Gra- 
velingen machten ihn zum Helden seines Jahrhunderts. Jede 
Wohlthat des Friedens, den handelnde Völker am dankbarsten 
fühlen, brachte das Gedächtniß der Siege zurück, durch die er 
beschleunigt worden, und der flämische Stolz machte sich, wie 
eine eitle Mutter, mit dem herrlichen Sohne des Landes groß, 
der ganz Europa mit seiner Bewunderung erfüllte. Neun Kin¬ 
der, die unter den Augen seiner Mitbürger aufblühten, verviel¬ 
fältigten und verengten die Bande zwischen ihm und dem Vater¬ 
lande, und die allgemeine Zuneigung gegen ihn übte sich im An¬ 
schauen derer, die ihm das Theuerste waren. Jede öffentliche 
Erscheinung Egmonts war ein Triumphzug; jedes Auge, das 
auf ihn geheftet war, erzählte sein Leben; in der Ruhmredigkeit 
seiner Kriegsgefährten lebten seine Thaten; ihren Kindern hatten 
ihn die Mütter bei ritterlichen Spielen gezeigt. Höflichkeit, edler 
Anstand und Leutseligkeit, die liebenswürdigen Tugenden der 
Ritterschaft, schmückten mit Grazie sein Verdienst. Auf einer 
freien Stirn erschien seine freie Seele; seine Offenherzigkeit ver¬ 
waltete seine Geheimnisse nicht besser, als seine Wohlthätigkeit 
seine Güter, und ein Gedanke gehörte Allen, sobald er sein war. 
Sanft und menschlich war seine Religion, aber wenig geläutert, 
weil sie von seinem Herzen und nicht von seinem Verstände ihr 
Licht empfing. Egmont besaß mehr Gewissen als Grundsätze; 
fein Kopf hatte sich sein Gesetzbuch nicht selbst gegeben, sondern 
nur eingelernt; darum konnte der bloße Name einer Handlung
	        

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Nacke, Carl, and August Lüben. [Theil 6]. Leipzig: Brandstetter, 1874. Print.
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