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Für die Unterstufe der Lehrerseminare (Band 2, [Schülerband])

Bibliografische Daten

Mehrbändiges Werk

Persistenter Identifier:
PPN1016598505
URN:
urn:nbn:de:0220-gd-15944668
Titel:
Lesebuch für deutsche Lehrerbildungsanstalten
Bearbeiter*in/Herausgeber*in:
Kehr, Karl (06.04.1830-18.01.1885)
Kriebitzsch, Karl Theodor
Kriebitzsch, Paul (24.02.1856-07.01.1904)
Erscheinungsort:
Gotha
Verlag:
Thienemann
Dokumenttyp:
Mehrbändiges Werk
Sammlung:
Lesebücher Kaiserreich
Erscheinungsjahr:
1874
Copyright:
Georg-Eckert-Institut - Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung
Sprache:
Deutsch

Band

Persistenter Identifier:
PPN1025590805
URN:
urn:nbn:de:0220-gd-16837985
Titel:
Für die Unterstufe der Lehrerseminare
Signatur:
DEL-II 3(2,1876)-2
Bearbeiter*in/Herausgeber*in:
Kehr, Karl (06.04.1830-18.01.1885)
Kriebitzsch, Karl Theodor
Kehr, H.
Kriebitzsch, Paul (24.02.1856-07.01.1904)
Bandzählung:
Band 2, [Schülerband]
Erscheinungsort:
Gotha
Verlag:
Thienemann
Dokumenttyp:
Band
Sammlung:
Lesebücher Kaiserreich
Erscheinungsjahr:
1876
Ausgabenbezeichnung:
Zweite, verbesserte und aus d.en Quellen zusammengestellte Auflage [Electronic ed.]
Copyright:
Georg-Eckert-Institut - Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung
Sprache:
Deutsch

Kapitel

Titel:
I. Prosa
Dokumenttyp:
Mehrbändiges Werk
Strukturtyp:
Kapitel

Kapitel

Titel:
A. Erzählende Prosa
Dokumenttyp:
Mehrbändiges Werk
Strukturtyp:
Kapitel

Kapitel

Titel:
6) Bilder aus der Weltgeschichte und der Geschichte der Pädagogik
Dokumenttyp:
Mehrbändiges Werk
Strukturtyp:
Kapitel

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Lesebuch für deutsche Lehrerbildungsanstalten
  • Für die Unterstufe der Lehrerseminare (Band 2, [Schülerband])
  • Einband
  • Titelseite
  • Übersicht des Inhalts
  • I. Prosa
  • A. Erzählende Prosa
  • 1) Erzählungen
  • 2) Fabeln
  • 3) Fabeln, Allegorien und Paramythien
  • 4) Märchen
  • 5) Sagen und Legenden
  • 6) Bilder aus der Weltgeschichte und der Geschichte der Pädagogik
  • B. Beschreibende Prosa
  • C. Schilderungen, Abhandlungen und Reden
  • II. Poesie
  • Anhang
  • Einband

Volltext

87 
Denn den Magen betrachteten die alten Ägypter als die Ursache eines jeden geistigen 
und leiblichen Übels. 
Nun begann das eigentliche Todtengericht. Als der Freund sein Gebet geendet 
hatte und zu den übrigen zurückgetreten war, erhob der Gerichtspräsident, welcher 
fich vor den übrigen Todtenrichtern durch eine besondere, an einer goldenen Kette um 
den Hals getragene und vorn auf der Brust hängende, aus einem kostbaren Steine 
verfertigte Tafel mit dem Bilde der Gerechtigkeitsgöttin auszeichnete, seine Stimme 
und sprach laut, ernst und feierlich zu der versammelten Menge; 
„Hopra, der Sohn des Petamon, geboren von seiner Mutter Bert⸗Reri, der 
konigliche Schreiber, ist es, dessen Mumie in diesem Sarkophage liegt, und welcher 
um ein ehrenvolles Begräbnis fleht. Er ward geboren am siebenten Tage des 
Monats Thoth, im Jahre der Hundssternperiode 1212, im sechsten Jahre der 
Regierung des ewig lebenden Gottes, des Vaters unseres Königs; er starb vor 
siebiig Tagen im Monat Payni. Wer ihn kennt und ihn einer Sünde zeiht, wem 
r Geld schuldete, ohne es zurückzuzahlen, wen er an Leib und Gut beschädigte, ohne 
den Frevel zu sühnen, der irete vor und klage ihn laut an vor uns, seinen Richtern. 
Wir werden streug richten, wir werden verdammen oder freisprechen. Aber hüte sich 
jeder vor einer falschen, gehässigen, rachsüchtigen Anklage; die Strafe würde von 
dem Verklagten auf den Kläger zurückfallen.“ 
Ein dumpfes, unheimliches Stillschweigen trat ein; nur einige Neugierige erhoben 
die Köpfe, um zu sehen, ob niemand mit einer Anklage auftreten und den Verstorbenen 
des Begräbnisses unwürdig erklären würde. Besonders der Bruder blickte ängstlich 
umher, obgleich er alle ihm bekannten Schulden des Heimgegangenen vor dem Be⸗ 
gräbnistage berichtigt hatte. Aber konnte nicht ein böswilliger, noch unbefriedigter 
Gläubiger übrig sein und jetzt die Schuld und sein Recht geltend machen? — Alle 
warteten gespannt, niemand wagte ein Wort zu flüstern. Aber auch kein Ankläger 
erschien, und die Richter traten in einen Kreis, um sich wenigstens scheinbar zu be⸗ 
rathen. So verging eine peinliche Viertelstunde. Endlich kehrten die Richter an ihre 
Platze zurück, und der Praͤsident trat zum Sarkophage, erhob die Hände und sprach 
die feierlichen Worte, die jedes Herz durchdrangen: „Wir haben über dich gerichtet, 
Hopra, Sohn des Petamon, Sohn der Bert-Reri. Wir haben dich gerechtfertigt 
erfunden, und so spreche ich dich, kraft meines Amtes als oberster der Richter, frei 
bon aller Sünde und Schuld; steige hinab, Gerechtfertigter, in den Amenthes; möge 
auch dort die Wagschale der Gerechtigkeit dir günstig sein, möge Thoth deinen Namen 
in die Rolle der Schuldlosen einschreiben, möge Osiris dich ebenso unsträflich finden, 
als wir, deine irdischen Todtenrichter, dich erfunden haben! Das Gericht gewährt 
deine Bestattung; es vergönnt dir einen Ort der Ruhe jenseits des Sees im Schoße 
des Gebirges.“ — Kaum hatte der Richter geendet, so trat Freude und Jubel an 
die Sielle der früheren Trauer. Der Oberpriester spendete den Göttern, er selbst 
Und einige von den Verwandten des Seligen hielten Lobreden auf seinen rechtschaffenen 
Uund tugendhaften Lebenswandel; endlich wurden unter Opfern Gebete un die unter— 
irdischen Götter gesprochen und dieselben angefleht, den Verstorbenen unter die 
Frommen im Reiche des Osiris aufzunehmen. Nachdem alle diese Feierlichkeiten 
vollendet waren, an denen sich das gesammte Volk betheiligt hatte, gab der Priester 
das Zeichen zur Überfahrt über den See. Die schon vorher erwähnten Prachtschiffe 
nahmen die einzelnen Personen, welche den Zug gebildet hatten, auf. Alle einzelnen 
Theile der Schiffe waren mit bunten Farben, besonders in Gold, Grün, Roth und 
Blau, bemalt und mit religiösen Verzierungen versehen. Einige derselben trugen hohe 
und geräumige Kajüten, andere offene und auf Säulen ruhende Kapellchen, ähnlich 
den von den Pastaphoren getragenen. In das erste Boot wurde der Sarkophag und 
ein Opfertisch gebracht, der Oberpriester bestieg dasselbe mit den vornehmsten Ver— 
wandten, und während der ganzen Fahrt wurde Rauchwerk gespendet. Der Steuer—
	        

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Kehr, Karl et al. Für Die Unterstufe Der Lehrerseminare. Gotha: Thienemann, 1876. Print.
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