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Für die Unterstufe der Lehrerseminare (Band 2, [Schülerband])

Bibliografische Daten

Mehrbändiges Werk

Persistenter Identifier:
PPN1016598505
URN:
urn:nbn:de:0220-gd-15944668
Titel:
Lesebuch für deutsche Lehrerbildungsanstalten
Bearbeiter*in/Herausgeber*in:
Kehr, Karl (06.04.1830-18.01.1885)
Kriebitzsch, Karl Theodor
Kriebitzsch, Paul (24.02.1856-07.01.1904)
Erscheinungsort:
Gotha
Verlag:
Thienemann
Dokumenttyp:
Mehrbändiges Werk
Sammlung:
Lesebücher Kaiserreich
Erscheinungsjahr:
1874
Copyright:
Georg-Eckert-Institut - Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung
Sprache:
Deutsch

Band

Persistenter Identifier:
PPN1025590805
URN:
urn:nbn:de:0220-gd-16837985
Titel:
Für die Unterstufe der Lehrerseminare
Signatur:
DEL-II 3(2,1876)-2
Bearbeiter*in/Herausgeber*in:
Kehr, Karl (06.04.1830-18.01.1885)
Kriebitzsch, Karl Theodor
Kehr, H.
Kriebitzsch, Paul (24.02.1856-07.01.1904)
Bandzählung:
Band 2, [Schülerband]
Erscheinungsort:
Gotha
Verlag:
Thienemann
Dokumenttyp:
Band
Sammlung:
Lesebücher Kaiserreich
Erscheinungsjahr:
1876
Ausgabenbezeichnung:
Zweite, verbesserte und aus d.en Quellen zusammengestellte Auflage [Electronic ed.]
Copyright:
Georg-Eckert-Institut - Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung
Sprache:
Deutsch

Kapitel

Titel:
I. Prosa
Dokumenttyp:
Mehrbändiges Werk
Strukturtyp:
Kapitel

Kapitel

Titel:
B. Beschreibende Prosa
Dokumenttyp:
Mehrbändiges Werk
Strukturtyp:
Kapitel

Kapitel

Titel:
1) Aus der Naturkunde
Dokumenttyp:
Mehrbändiges Werk
Strukturtyp:
Kapitel

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Lesebuch für deutsche Lehrerbildungsanstalten
  • Für die Unterstufe der Lehrerseminare (Band 2, [Schülerband])
  • Einband
  • Titelseite
  • Übersicht des Inhalts
  • I. Prosa
  • A. Erzählende Prosa
  • B. Beschreibende Prosa
  • 1) Aus der Naturkunde
  • 2) Bilder aus der Erd- und Völkerkunde
  • C. Schilderungen, Abhandlungen und Reden
  • II. Poesie
  • Anhang
  • Einband

Volltext

190 
B. Beschreibende Prosa. 
) 
Aus der Nalurkunde. 
„Eine wunderbare Heiterkeit hat meine ganze Seele eingenommen, glei 
den füßen Frühlingsmorgen, die ich mit ganzem Herzen genieße. Ich bin allen 
und freue mich meines Lebens in dieser Gegend, die für solche Seelen geschaffe 
ist, wie die meine. Ich bin so glücklich, so ganz in dem Gesühl von ruhige 
Dasein versunken, daß meine Kunst darunter leidet. Ich könnte jetzt uid 
zeichnen, nicht einen Strich, und bin nie ein größerer Maler gewesen, als 
biesen Augenblicen. Wenn das liebe Thal um mich dampft, und die hohe Sonn 
an der Oberfläche der undurchdringlichen Finsternis meines Waldes ruht, un 
nur einzelne Strahlen sich in das innere Heiligthum stehlen, ich dann im hohe 
Grase am fallenden Bache liege, und näher an der Erde tausend mannigfältig 
Graͤschen mir merkwürdig werden; wenn ich das Wimmeln der kUleinen Wel 
e Halmen, die unzähligen, unergründlichen Gestalten der Würmchen, de 
Muüuckchen, näher an meinem Herzen fühle, und fühle die Gegenwart des 
mächtigen, der uns nach seinem Bilde schuf, das Wehen des Allliebenden, 
uns in ewiger Wonne schwebend trägt und erhält — mein Freund! wenn 
dann um meine Augen dämmert, und die Welt um mich her und der Himm⸗ 
ganz in meiner Seele ruhn, wie die Gestalt einer Geliebten: dann sehne i 
mich oft und denke: ach, könntest du das wieder ausdrücken, könntest dem Papier 
das einhauchen, was so voll, so warm in dir lebt, daß es würde der Spiegel 
deiner Seele, wie deine Seele ist der Spiegel des unendlichen Gottes!“ 
J. W. von Goethe (Werthers Leiden). 
77. Das Leben in der Schöpfung. 
Von A. von humboldt. 
Ansichten der Natur. Stuttgart 1849. Bd. U, S. 3. 
Wenn der Mensch mit regsamem Sinne die Natur durchforscht, oder in seine 
Phantasie die weiten Räume der organischen Schöpfung mißt, so wirkt unter den 
vielfachen Eindrücken, die er empfängt, keiner so tief und mächtig als der, welchen 
die allverbreitete Fülle des Lebens erzeugt. Überall, selbst nahe an den beeisten 
Polen, ertönt die Luft von dem Gesange der Vögel, wie von dem Summen schwir 
render Insekten. Nicht die unteren Schichten allein, in welchen die verdichteten Dünst 
schweben, auch die oberen ätherisch reinen sind bel Denn so oft man den Rüche 
der peruanischen Cordilleren, oder, südlich vom L al See den Gipfel des weße 
Berges bestieg, hat man selbst in diesen Einöden noch Thiere entdeckt. Am Chimbo— 
rasso, fast 8000 Fuß höher als der Atna, sahen wir Schmetterlinge und anden 
geflügelte Insekten. Wenn auch, von senkrechten Luftströmen getrieben, sie sich dahin 
aäls Fremdlinge verirrten, wohin unruhige Forschbegier des Menschen sorgsame Schritte 
leitet so beweist ihr Dasein doch, daß die biegsamere animalische Schöpfung aus— 
dauert, wo die vegetabilische längst ihre Grenze erxeicht hat. Höher als der Kegelber 
von Teneriffa auf dem schneebedeckten Rücken der Pyrenäen getürmt, höher als alle 
Gipfel der Andeskette schwebte oft über uns der Condor, der Riese unter den 
Gelern. Raubsucht und Nachstellung der zartwolligen Vilunäß welhe msenartit 
und herdenweise in den beschneiten Grasebenen schwärmen, locken den mächtigen Vogel 
in diese Region. 
Zeigt nun schon das unbewaffnete Auge den ganzen Luftkreis belebt, so enthüllt 
noch größere Wunder das bewaffnete Auge. Räderthiere Brachionen und eine Schat 
mikrostopischer Geschöpfe heben die Winde aus den trocknenden Gewässern empon 
Unbeweglich und in Scheintod versenkt schweben sie in den Lüften, bis der Thau sie 
zur nährenden Erde zurückführt, die Hülle löst, die ihren durchsichtigen, wirbelnden 
Körper einschließt und (wahrscheinlich durch den Lebensstoff, welchen alles Wasser ent⸗ 
hält) den Organen neue Erregbarkeit einhaucht. — — 
Neben den entwickelten Geschöpfen trägt der Luftkreis auch zahllose Keime künf 
tiger Bildungen, Inselteneier und Eier der Pflanzen, die durch Haar- und Feder—
	        

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