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[Teil 2 = 7. und 8. Schuljahr, [Schülerband]] (Teil 2 = 7. und 8. Schuljahr, [Schülerband])

Bibliographic data

Multivolume work

Persistent identifier:
PPN1045325074
URN:
urn:nbn:de:0220-gd-18417797
Title:
Lesebuch für die Oberklassen der Volksschulen
Place of publication:
Chemnitz
Publisher:
Pickenhahn
Document type:
Multivolume work
Collection:
Readers, imperial Germany
Publication year:
1898
Copyright:
Georg-Eckert-Institut - Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung
Language:
German

Volume

Persistent identifier:
PPN1045325171
URN:
urn:nbn:de:0220-gd-18417659
Title:
[Teil 2 = 7. und 8. Schuljahr, [Schülerband]]
Shelfmark:
DDH-II 58(5,1898)-2
Volume count:
Teil 2 = 7. und 8. Schuljahr, [Schülerband]
Place of publication:
Chemnitz
Publisher:
Pickenhahn
Document type:
Volume
Collection:
Readers, imperial Germany
Publication year:
1898
Edition title:
Fünfte, veränderte Auflage [Electronic ed.]
Copyright:
Georg-Eckert-Institut - Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung
Language:
German

Chapter

Title:
A. Prosa
Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter

Chapter

Title:
I. Erzählungen, Märchen, Fabeln, Parabeln
Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter

Contents

Table of contents

  • Lesebuch für die Oberklassen der Volksschulen
  • [Teil 2 = 7. und 8. Schuljahr, [Schülerband]] (Teil 2 = 7. und 8. Schuljahr, [Schülerband])
  • Binder
  • Title page
  • Inhaltsverzeichnis
  • A. Prosa
  • I. Erzählungen, Märchen, Fabeln, Parabeln
  • II. Aus der Weltgeschichte
  • III. Aus der Erdkunde
  • IV. Aus der Naturkunde
  • B. Poesie
  • Binder

Full text

52 
aber nirgends fand er das Gesuchte. Er hielt an, um sich zurechtzufinden, 
um sich die Gegend genauer zu vergegenwärtigen; aber kaum war er drei 
Schritite gegangen, so war er in der Irre. Alles flimmerte vor seinen 
Augen, und es war ihm, wie wenn die Bäume auf und nieder wandelten 
und ihm den Weg verstellten. Der Morgen brach endlich an, die Vögel 
schwangen sich auf und sangen ihre hellen Reder, vom Thale und aus den 
Bergen hörte man Peitschen knallen. Der Mörder machte sich eiligst davon. 
Die Leiche wurde gefunden und nach dem Dorfe gebracht, in dessen 
Gemaͤrkung sie lag. An der rechten Schläfe trug der entseelte Körper 
Spuren eines Schlages, wie von nem scharfen Steine. Kein Wanderbuch, 
n Kennzeichen war zu finden, aus dem man die Herkunft des Entseelten 
entnehmen konnte. Auf dem Kirchhofe, der neben der Kirche hoch auf dem 
Huůgel liegt, an dessen Fuße die Zandstraße, in Felsen gehauen, sich vor⸗ 
bergieht, sollte nun des andern Tages der tote Fremde begraben werden. 
Eine unzählige Menge Menschen folgte dem Zuge. Sie waren aus allen 
benachbarten Dörfern gekommen, jeder wollte seine Unschuld, seine Trauer 
und eine Teilnahme bekunden. Still, ohne laute Klage, nur mit tiefem 
Weh im Herzen bewegte sich der Zug den Berg hinan. Der Geistliche 
hielt eine ergreifende Rede. Zuerst redete er den Entseelten an und sprach: 
„Auf dem Wege bist du gefallen. Wer weiß, wohin dein Herz sich 
sehnte, welches Herz dir entgegenschlug. Möge der, der alles kennt und alles 
heilt, Ruhe und Frieden in die Seelen der Deinigen senden! Unbekannt 
bift du gefallen von unbekannter Hand. Riemand weiß, woher du kamst, 
wohin du gingst; aber er der deinen Eingang und deinen Ausgang kennt, 
hat dich Bahnen hinaufsteigen laffen, die unser Auge nie mißt. Zu 
belcher Kirche du gehörtest, welche Sprache du redetest, wer mag den 
flummen Mund fragen? Du stehst jetzi vor ihm, der über allen Kirchen 
thront, den alle Sprachen nennen und doch nicht zu fassen vermögen.“ — 
„Erhebet mit mir eure Hände!“ fuhr der Geistliche zu den Versammelten 
fort, und alle hoben die Hände empor. Dann sprach er wieder: „Wir 
heben unsere Hände empor zu dir, o Allwissender! Sie sind rein von 
Bluschuld. Hier im Lichte der Sonne bekennen wir: Wir sind rein von 
der That. Die Gerechtigkeit wird nicht ausbleiben. Wo du auch weilest, 
der da beinen Bruder in Waldesnacht erschlugst, das Schwert schwebt 
unsichtbar über deinem Haupte, und es wird fallen und dich zerschmettern. 
Kehre um, solange es noch Zeit ist! Häufe nicht Frevel auf Frevel; denn 
einft, wenn sie ertönt, die Posaune des Gerichts . .“ 
Da plöhlich hörte man von der Straße herauf das Posthorn erschallen. 
Das Tied erklang: „Denkst du daran!“ — Alles schwieg und hielt den 
MNem an. Aus der Mitte der Versammelten stürzte ein junger Mann 
nieder und rief: „Ich bin's!“ — Nachdem man ihn aufgehoben, gestand 
er reumütig feine That, wie er in der Stadt das Geld des Herrn, bei dem 
biente, verspielt habe, wie er den Fremden, den er nur niederwerfen 
wollte, ermordet habe, wie das Posthorn ihn verwirrt, wie er seine Hand 
brennend gefühlt, als er sie zum Hiümmel erhoben, und wie jetzt dieselben 
Toͤne des Poslhorns ihm das Geständnis abpreßten. 
Still, ohnẽ laute Klage, nur mit leisem Weh im Herzen hatte sich der 
Zug den Berg hinanbewegt; mit zitternder Seele, Thränen in den Augen, 
n das Unheill beklagend, kehrten viele heim. Zwei Moͤnschen waren auf ewig 
s dear Geuossenschaft der Menschen geschieden. Berthold Auerbach.
	        

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