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Deutsches Lesebuch mit Bildern für einfache Schulverhältnisse

Bibliografische Daten

Monografie

Persistenter Identifier:
PPN1048601242
URN:
urn:nbn:de:0220-gd-18337433
Titel:
Deutsches Lesebuch mit Bildern für einfache Schulverhältnisse
Signatur:
DCH-II 75(22,1895)
Erscheinungsort:
Bielefeld
Verlag:
Velhagen & Klasing
Dokumenttyp:
Monografie
Sammlung:
Lesebücher Kaiserreich
Erscheinungsjahr:
1895
Ausgabenbezeichnung:
Ausgabe C in einem Bande (Kinderfreund), Zweiundzwanzigste Auflage [Electronic ed.]
Copyright:
Georg-Eckert-Institut - Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung
Sprache:
Deutsch

Kapitel

Titel:
[Lesestück 121 - 160]
Dokumenttyp:
Monografie
Strukturtyp:
Kapitel

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Deutsches Lesebuch mit Bildern für einfache Schulverhältnisse
  • Einband
  • Titelseite
  • Inhatsverzeichnis
  • [Lesestück 1 - 40]
  • [Lesestück 41 - 80]
  • [Lesestück 81 - 120]
  • [Lesestück 121 - 160]
  • [Lesestück 161 - 200]
  • [Lesestück 201 - 240]
  • [Lesestück 241 - 280]
  • [Lesestück 281 - 320]
  • [Lesestück 321 - 381]
  • Anhang I
  • Anhang II
  • Einband

Volltext

114 
— 
Purst und seins Jager treiben die Wölfe ins Garn, und die Amtleute die 
oten Fuchse (die Goldmunzen) in ihre Beutel. Mit solehen und andern 
Worten redete der Schmied die ganze lange Nacht zu dem Schmiede- 
geselloen; und wenn die Hammerschläge Kamen, schalt er den Herrn und 
5 ess inn bart verden vie das Eisen. Das trieb er bis zum Morgen; aber 
der Landgraf falsts alles zu Obren und Herzen und ward seit der Zeit 
schaxf und ernsthaft in seinem Gemüt, begann die WViderspenstigen zu 
zwingen und zum Gehorsam zu bringen. 
161. Landgraf Ludwig der Eiserne baut eine Mauer. 
Gage. — Bruder Grimma.) 
10 
Einmal führte der eiserne Landgraf den Raiser PFriedrich Rotbart, 
seinen Schwager, nach Naumburg aufs 8chloss. Da ward der Kaiser von 
er Schwester freundlich empfangen und blieb eine Zeit lang bei ihnen. 
Rines Morgens lustwandelte der Kaiser, besah die Gebaude und ihre Ein- 
richtung und trat hinaus auf den Berg, der sieh vor dem Schlosse aus- 
breitete. „Eure Burg,“ sprach er, „behagt mir wohl; doch vermisse ich 
Uauern hier vor der Kemnate, welehe doeh aueh befestigt sein sollte.“ 
Der Landgraf erwiderte: „Um die Mauern sorge ieh nicht; die kann ich 
schnell schaffen, sobald ich ĩhrer pedarf.“ Da fragte der Kaiser: „Wie 
bald kann denn eine gute Mauer hier gebaut werden?“ — „Dazu bedarf's 
nieht einmal drei Lage,“ antwortete Ludwig. Der Kaiser lachte und sprach: 
„Das ware ja ein Wunder und möchte kaum geschehen, venn auch alle 
Steinmetzen des deutschen Reiches hier beisammen waren.“ PEs vwar aber 
die Zeit, wo der Raiser zu Lische ging; da entbot der Landgraf dureh 
25 eiligst ausgesandte Boten allen Grafen und Herren in Turingen, dals sie 
dur Nacht mit venigen Leuten, jedoch in ihrer besten Büstung und ihrem 
onon Sehmuek auf die Burg kämen. Das geschab, und bei Lages- 
anbruch stellte Ludwig die Mannschaften auf. Ein jeder mulste, gewaffnet 
und geschmuckt in Gold, Silber, Sammet oder Seide, wie man zum Streite 
30 auszieht, an den Rand des Burggrabens treten; jeder Graf oder Edelmann 
hatte einen Knappen vor sich, der ihbm das VWappen, und einen andern 
hinter sieh, der inm den Helm trug, so dass man deutlien jedes Vappen 
und Kleinod erkennen konnte. So standen nun alle Dienstmannen rings 
um den Graben, blosse Schwerter und Axte in den Handen haltend, und 
o ein Mauerturi emporragen sollte, da stand ein Graf oder Preiherr mit 
dem Banner. Als Ludwig dies alles in der Stille angeordnet hatte, ging 
er zu seinem Schwager und sagte: „Die Mauer, velehe ieh gestern bauen 
zu können mieh rubmte, steht bereit und fertig.“ Da sprach Priedrich: 
„Ihr wollt mich täuschen,“ und segnete sich, wenn er es etwa mit Lilfe 
der schwarzen Kunst zuwege gebracht haben möchte. Als er aber an den 
Graben hinaustrat und so viel Sehmuek und Pracht erblickte, brach er in 
dis Worte aus: „Nun, eine köstlichere, edlere, teurere und bessere Mauer 
Rbe ieh eitlebens noch niebht gesehen; das vill ieb Gott und Euch 
bekennen, lieber Schwager. Habt immer Dank, dals Ihr mir eine solehe 
45 gezeigt habt. 
15 
29
	        

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Zitierempfehlung

Gabriel, Heinrich, and Karl Supprian. Deutsches Lesebuch Mit Bildern Für Einfache Schulverhältnisse. Bielefeld: Velhagen & Klasing, 1895. Print.
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