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Norddeutsches Lesebuch

Bibliographic data

Monograph

Persistent identifier:
PPN1676392629
URN:
urn:nbn:de:0220-gd-19465614
Title:
Norddeutsches Lesebuch
Shelfmark:
DB-II 599(22,00)
Editor:
Meyn, Ludwig (20.11.1879-)
Sach, August (28.01.1837-27.12.1929)
Keck, Heinrich (20.03.1824-07.02.1895)
Johansen, Christian (04.11.1820-26.06.1871)
Illustrator:
Leutemann, Heinrich (08.10.1824-14.12.1905)
Joerdens, F. A.
Place of publication:
Halle a.S.
Publisher:
Buchhandlung des Waisenhauses
Document type:
Monograph
Collection:
Readers, imperial Germany
Publication year:
1900
Edition title:
22., verbesserte Auflage durchgesehen von Aug. Sach, mit 78 Holzschnitten nach Zeichnungen von H. Leutmann, F. A. Joerdens u.a. [Electronic ed.]
Copyright:
Georg-Eckert-Institut - Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung
Language:
German
Subtitle:
mit besonderer Berücksichtigung der Bedürfnisse der einklassigen Volksschule

Chapter

Title:
[Abschluß]
Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter

Contents

Table of contents

  • Norddeutsches Lesebuch
  • Binder
  • Title page
  • Aus dem Vorwort zur ersten Auflage
  • Vorwort zur sechzehnten Auflage
  • Vorwort zur zwanzigsten Auflage
  • Inhaltsverzeichnis
  • [Der Tageslauf]
  • [Die Woche und der Sonntag]
  • [Des Kindes Art und Unart]
  • [Die heimliche Natur]
  • [Das Haus]
  • [Lebensverhältnisse]
  • [Das deutsche Vaterland]
  • [Das Vaterland in seinen Beziehungen zur Fremde]
  • [Aus Deutschlands Geschichte]
  • [Blick gen oben]
  • [Die alte Welt]
  • [Physikalisches]
  • [Die neue Welt]
  • [Deutschlands Wiedergeburt durch die Hohenzollern]
  • Friedrich nach der Niederlage bei Kolin in Böhmen am 18. Juni 1757
  • [Aus der Heldensage]
  • [Abschluß]
  • Schleswig-Holstein
  • Inhaltsverzeichnis
  • Binder

Full text

301. Die Erde und die Sonne. 
345 
301. Die Erde und die Sonne. 
Ne dem Augenschein und nach dem allgemeinen Glauben wäre die Erde 
mit allen ihren Bergen und Thälern eine große, runde Fläche, gleich 
einer ungeheuer großen Scheibe. Am Rande derselben weiter hinaus kommt 
nichts mehr, dort ist gleichsam der Himmel an sie angefügt, der wie eine große, 
hohle Halbkugel über ihr steht und sie bedeckt. Dort geht am Tage die Sonne 
auf und unter, bald früher, bald später, bald links an einem gewissen bekann— 
ten Berg oder Haus, bald rechts, und bringt Tag und Nacht, Sommer und 
Winter, und bei Nacht der Mond und die Sterne, und sie scheinen nicht gar 
entsetzlich hoch über unsern Häuptern zu stehen. 
Das wäre nun alles gut, wenn's niemand besser wüßte; aber die Stern— 
seher wissen's besser. Denn erstlich, wenn einer daheim weggeht und will reisen 
bis ans Ende der Erde, an den Rand, wo man einen aufgehenden Stern mit 
der Hand weghaschen und in die Tasche stecken kann, und er geht am ersten 
April vom Haus aus, so hat er den rechten Tag gewählt. Denn er kann 
reisen, wohin er will, durch Deutschland, durch Polen, durch Rußland, nach 
Asien hinein, durch die Mohammedaner und Heiden, vom Laͤnd aufs Wasser, 
und vom Wasser wieder aufs Land, und immer weiter. Aber endlich, wenn 
er ein Pfeiflein Tabak einfüllt und will daran denken, wie lang er schon von 
den Seinigen weg ist, und wie weit er noch zu reisen hat ans Ende der Erde 
und wieder zurück, auf einmal wird's ihm heimlich in seinem Gemüt, es wird 
nach und nach alles, wie es daheim war; er hört seine Landessprache wieder 
sprechen; zuletzt erblickt er von weitem einen Kirchturm, den er auch schon gesehen 
hat, und wenn er auf ihn zugeht, kommt er in ein wohlbekanntes Dorf und 
hat nur noch zwei Stunden oder drei, so ist er wieder daheim und hat das 
Ende der Erde noch nie gesehen. Nämlich, er reist um die Erde, wie man 
einen Strich mit Kreide um eine Kugel herumzieht, und kommt zuletzt wieder 
auf den alten Fleck, von dem er ausging. Es sind schon viele solcher Reisen 
um die Erde nach verschiedenen Richtungen gemacht worden. In zwei bis vier 
Jahren, je nachdem, ist alles geschehen (Doch kann man jetzt mit Hilfe des 
Dampfers in 80— 90 Tagen die Reise machen) Ist nicht der englische See— 
kapitän Cook in seinem Leben zweimal um die ganze Erde herumgereist und 
von der andern Seite wieder heimgekommen? Aber das dritte Mal haben ihn 
die Wilden auf der Insel Hawaii totgeschlagen (1779). 
2. Daraus und aus mehreren sichern Anzeichen erkennen die Gelehrten 
folgendes: Die Erde ist nicht bloß eine ausgebreitete, rund abgeschnittene Fläche, 
nein, sie ist eine ungeheure Kugel. Weiter: Sie hängt und schwebt frei, ohne 
Unterstützung, wie die Sonne und der Mond, in dem unermeßlichen Raume 
des Weltalls, unten und oben zwischen lauter himmlischen Sternen. Weiter: 
Sie ist rings um und um, wo sie Land hat und wo die Hitze oder der bittere 
Frost es erlaubt, mit Pflanzen ohne Zahl besetzt und von Tieren und vernünf— 
tigen Menschen belebt. Man muß nicht glauben, daß auf diese Art ein Teil 
der Geschöpfe abwärts hänge und in Gefahr stehe, von der Erde weg in die 
Luft herabzufallen. Dies ist lächerlich. Überall werden die Körper durch ihre 
Schwere an die Erde angezogen und können ihr nicht mehr entlaufen. Überall
	        

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Meyn, Ludwig et al. Norddeutsches Lesebuch. Halle a.S.: Buchhandlung des Waisenhauses, 1900. Print.
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