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Europa (Abth. 1)

Bibliografische Daten

Monografie

Persistenter Identifier:
PPN169891928X
URN:
urn:nbn:de:0220-gd-20353093
Titel:
Schreiblesefibel
Signatur:
DB-II 282(3,1876)
Erscheinungsort:
Hamburg
Verlag:
Berendsohn
Dokumenttyp:
Monografie
Sammlung:
Fibeln Kaiserreich
Erscheinungsjahr:
1876
Ausgabenbezeichnung:
3. Aufl. [Electronic ed.]
Copyright:
Georg-Eckert-Institut - Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung
Sprache:
Deutsch

Kapitel

Titel:
Lesestücke
Dokumenttyp:
Monografie
Strukturtyp:
Kapitel

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Die Erde in Natur- und Lebensbildern
  • Europa (Abth. 1)
  • Einband
  • Titelseite
  • Inhalt
  • Einleitende Betrachtungen
  • Die fünf Erdtheile. Europa
  • 26. Uebersicht von Europa
  • 27. Die Pflanzengeographie von Europa
  • 28. England
  • 29. Englands Städte
  • 30. London
  • 31. Schottland
  • 32. Irland
  • 33. Die Producte des britischen Reiches
  • 34. Die anglikanische Kirche
  • 35. Die Volksschule in England
  • 36. Die englische Verfassung
  • 37. Manchester und seine Baumwollspinnerei
  • 38. Birmingham
  • 39. Die Nordsee
  • 40. Die Scandinavische Halbinsel
  • 41. Schweden und Norwegen
  • 42. Skandinaviens Producte
  • 43. Das norwegische Volk
  • 44. Bergen und der Heringsfang
  • 45. Die Lappen und das Rennthier
  • 46 Dänemark
  • 47. Die Höhen und Gewässer des ost-europäischen Tieflandes
  • 48 Die Ostsee
  • 49. Klima, Producte und Bewohner des östlichen Tieflandes
  • 50. Der Stör, Auerochse, Elenthier, Wolf
  • 51. Das russische Kaiserreich
  • 52. Die Ostseeprovinzen
  • 53. Die Leibeigenschaft in Rußland
  • 54. Die Kirche in Rußland
  • 55. Die pontische Steppe
  • 56. Die Schneestürme und die Brände in der pontischen Steppe
  • 57. Die Heuschrecken
  • 58. Die Kalmücken
  • 59. Das schwarze Meer
  • 60. Petersburg
  • 61. Das Königreich Polen
  • 62. Das Salzwerk zu Wielitzka
  • 63. Europäische Türkei
  • 64. Türkische Provinzen
  • 65. Der Gottesdienst der Türken
  • 66. Konstantinopel
  • 67. Die Produkte der Türkei
  • 68. Griechenland und die Ionischen Inseln
  • 69. Italien
  • 70. Der Italiener
  • 71. Das Königreich Sardinien
  • 72. Die Produkte des sardinischen Staats
  • 73. Venetien, Modena, Parma, Toscana
  • 75. Der Kirchenstaat
  • 74. Die pontinischen Sümpfe
  • 76. Der Carneval in Rom
  • 77. Die Mal'aria
  • 78. Der Solano und Sirocco
  • 79. Die Campagna
  • 80. Das Königreich beider Sicilien
  • 81. Der Vesuv
  • 82. Süd-Italien
  • 83. Verschiedene Produkte Italiens
  • 84. Die Malta-Inselgruppe
  • 85. Das mittelländische Meer
  • 86. Die Schwämme
  • 87. Die Schweiz
  • 88. Der Schweizerbund und Wilhelm Tell
  • 89. Die Alpen
  • 90. Die Beschäftigungen der Alpenbewohner
  • 91. Das Hospiz auf dem St. Bernard
  • 92. Der Montblanc
  • 92. Die Simplonstraße
  • 93. Kretinen
  • 94. Frankreich
  • 95. Der Franzose
  • 96. Französische Landschaften
  • 97. Aus der Provence
  • 98. Der Küstenstrand von Bayonne bis zur Loire-Mündung
  • 99. Paris
  • 100. Die Pirenäische Halbinsel im Allgemeinen
  • 101. Das Königreich Spanien
  • 102. Spanische Städte
  • 103. Gibraltar
  • 104. Ein Stiergefecht in Barcelona
  • 105. Zigeuner
  • 106. Die spanische Fliege, das Süßholz und der Wein
  • 107. Portugal
  • 108. Das Erdbeben von Lissabon
  • 109. Das Königreich der Niederlande oder Holland
  • 110. Der Holländer
  • 111 Holländische Provinzen
  • 112. Ebbe und Fluth in Holland
  • 113. Belgien
  • 114. Belgische Provinzen
  • 115. Die alten Deutschen
  • 116. Bonifacius, der Apostel der Deutschen
  • 117. Deutschland im Allgemeinen
  • 118. Die Dreitheilung Deutschlands
  • 119. Die deutschen Alpen
  • 120. Das Karstgebirge
  • 121. Das mitteldeutsche Gebirgsland
  • 122. Der Schwarzwald und seine Bewohner
  • 123. Der Odenwald und seine Bewohner
  • 124. Das Fichtelgebirge
  • 125. Der Thüringer Wald
  • 126. Der Harz
  • 127. Der fränkische Jura
  • 128. Der schwäbische Jura
  • 129. Der Böhmerwald
  • 130. Das Riesengebirge
  • 131. Die norddeutsche Tiefebene
  • 132. Der Rhein
  • 133. Die Donau
  • 134. Die Elbe
  • 135. Die Weser und Ems
  • 136. Die Oder
  • 137. Das Kaiserthum Oesterreich
  • 138. Oesterreichs deutsche Kronländer
  • 139. Wien
  • 140. Böhmisches Land und Volk
  • 141. Tyrol und seine Bewohner
  • 142. Der Salzburger und sein Land
  • 143. Das adriatische Meer und Triest
  • 144. Die Morlacken
  • 145. Mariazell und die Wallfahrten
  • 146. Idria
  • 147. Die außerdeutschen Kronländer der österreichischen Monarchie
  • 148. Die große Tiefebene Ungarns
  • 149. Siebenbürgen
  • 150. Das Königreich Preußen
  • 151. Die Rheinprovinz und Westfalen
  • 152. Das bergische Land
  • 153. Das Moselthal und seine Bewohner
  • 154. Der Dom zu Köln
  • 155. Die Provinzen Sachsen, Brandenburg und Pommern
  • 156. Land und Leute in Pommern
  • 157. Rügen
  • 158. Die Provinzen Preußen, Posen und Schlesien
  • 159. Oberschlesien und seine Bewohner
  • 160. Der Spreewald
  • 161. Das Königreich Baiern
  • 162. Die baiersche Hochebene
  • 163. Die Lech-Ebene
  • 164. München
  • 165. Walhalla
  • 166. Das Königreich Würtemberg
  • 167. Das Königreich Sachsen
  • 168. Leipzig
  • 169. Herrnhut
  • 170. Das Königreich Hannover
  • 171. Die Landdrostei Aurich
  • 172. Der Inselkranz Ostfrieslands
  • 173 Die Marschen in Norddeutschland und Niederland
  • 174. Die Moore Norddeutschlands und Niederlands
  • 175. Die Landdrostei Osnabrück
  • 176. Die Landdrostei Stade
  • 177. Die Landdrostei Lüneburg
  • 178. Die Lüneburger Haide
  • 179. Die Landdrostei Hannover
  • 180. Die Landdrostei Hildesheim
  • 181. Die Berghauptmannschaft Clausthal
  • 182. Hessen
  • 183. Das Großherzogthum Baden und das Herzogthum Nassau
  • 184. Thüringen und seine Bewohner
  • 185. Die goldene Aue und der Kyffhäuser
  • 186. Die Großherzogthümer Oldenburg und Mecklenburg und das Herzogthum Braunschweig
  • 187. Hamburg
  • 188. Bremen
  • 189. Lübeck und Frankfurt
  • 190. Das sächsische Erzgebirge
  • Einband

Volltext

259 
184. Thüringen und seine Bewohner. 
Das Reich der Thüringer reichte einst vom Main bis zur Elbe und Havel; 
das heutige Thüringen, das thüringer Becken dagegen liegt zwischen dem Harz und 
dem Thüringer Wald, der Leine und der Saale. Es besteht dasselbe aus einer Ver¬ 
einigung mehrerer kleiner Becken, welche durch Hügelketten oder flache Plateau's 
von einander getrennt sind. Im Mittel erhebt es sich etwa 600 bis 700 Fuß über 
den Meeresspiegel, an seinen höchsten Stellen (z. B. in Ettersberg) 1440 Fuß, 
während Halle nur noch 280 Fuß hoch liegt.^ Nächst der Saale und Leine ist die 
wilde und ausgelassene Unstrut unter den Flüssen des Landes zu nennen. Die 
meisten Gewässer fließen der Saale zu, ivenigere der Werra und Leine. Beide 
Flußgebiete sind aber durch keinen auffallenden Höhenzug von einander getrennt, 
sondern in Gotha beinahe ursprünglich und künstlich durch den Leinekanal mit ein¬ 
ander verbunden. Thüringen ist die Grenze des Südens und Nordens. Sandige 
Ebenen wagen sich an die fruchtbarsten Partieen Thüringens heran; ohne Uebergang 
geräth man in den Segen des Landes, das von jeher der Höhenpunkt Obersachsens 
war. Hinter dem Thüringer Walde — eine Mauer aus Wald und Fels, oder viel¬ 
mehr ein Meer von Bergen, die wie Wellen über einander liegen, als könnte inan 
von der einen Höhe auf die andere hüpfen, aber unbeweglich, ein grün verwachsenes 
Meer — liegt Franken mit seinen fruchtbaren Ebenen, und weiter und immer weiter¬ 
verbreiten sich die Mannigfaltigkeiten der südlichen Natur. 
In geognostifcher Hinsicht ist das Becken Thüringens eine wahre Musterkarte 
von Gesteinen. 
Die Gesammtheit der Bevölkerung lebt in der Thüringer Mulde vorzugsweise 
vom Feldbaue. Wald- und Bergbau sind untergeordnet, ebenso Fabrikwesen und 
Handel. Der Hauptverkehr geht in ostwestlicher Richtung durch das Becken, er ist 
gegenwärtig durch eine Eisenbahn gefesselt. Die vielen kleinen Haupt- und Residenz¬ 
städte haben eine große Zersplitterung des Verkehrs bedingt, aber sicher auch sehr 
zur Ausbildung des Lebens beigetragen. Die Theilung und maßlose Zersplitterung 
des Grundeigenthuins tritt in 'einein großen Theile Thüringens noch weit greller 
in den Feldgrundstücken der Bauern hervor; diese sind oft bis auf wenige Fußbreite 
Streifen unter die Erben getheilt worden, und es kommt dazu noch eine dem Feld¬ 
baue ungünstige Bauart der meisten Dörfer, besonders in den fruchtbarsten Gebieten. 
Die Bauergüter liegen stadtartig in Gruppen beisammen, und mancher Landwirth 
hat zu seinem entferntesten schmalen Feldstreif einen Weg von mehreren Stunden 
zurückzulegen. 
Die Thüringer sind wahrscheinlich die Nachkommen der Hermunduren. Die 
Züge des Thüringers sind grob und phlegmatisch, seine Augen Haben jenen einför¬ 
migen blauen Ausdruck, der von Zufriedenheit und Selbstbewußtlosigkeit Zeugniß 
giebt, immer aber ein charakteristisches Zeichen deutschen Ursprunges ist. Eben so 
wenig wie äußerlich ist der Thüringer geistig gewandt, biegsam und schmiegsam. 
Er unterscheidet sich dadurch von dem meißnischen Sachsen, der äußerlich beweglicher 
und innerlich regsamer und gewandter ist. Blonde Haare sind thüringische Grund¬ 
farbe. Die Gefühlsweise des Thüringers giebt sich Huch durch seine ^Vorliebe für 
Musik kund. Weil sein Land gesegnet ist, hält er auf Pflege des Leibes mehr, als 
der benachbarte Sachse; Biederkeit und Gastfreundschaft sind Tugenden, die man 
noch heute in Thüringen unverkümmert antrifft. Die kultivirtesten Thüringer sind 
die Gothaer. 
In vielen Distrikten Thüringens trifft man eine Behaglichkeit und Lebensfülle, 
die an die holsteinischen und ineckl enburgischen Länder erinnert. Freundliche Dörfer, 
ansehnliche Rittergüter, blühende Städte thun diesen Zustand dar, desgleichen der 
Aufwand bei den Gastereien der Bauern und die rücksichtslose Gastfreundschaft. 
Bei Hochzeiten werden nicht selten ein gemästeter Ochse, 6 — 8 Kälber, 1 Dutzend 
Schafe verzehrt. Die Bauern im Norden sind wol auch gastfrei, aber sie thun stolz 
mit ihrer Gastfreundschaft; doch die Thüringer leben darin, wie denn auch die meisten 
Dorfnamen mit dem Worte „leben" endigen. Aber die Bauern in Jever, Dith- 
marsen rc. haben dafür auch ihre Ernte aus den Gefahren des Lebens zu retten, 
aus Sturm und Wetter, Deichbrüchen und Ueberschwemmungen, und solche Besorg¬ 
nisse rufen eine Stimmung hervor, die sich wenig mit einem heitern und hingebenden 
Herzen verträgt. In Thüringen dagegen kennt man solche Drangsale nicht, und 
dies ist auch ein Grund, warum man hier so von Herzen lustig ist. Die Lebenslust
	        

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