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Drittes Lesebuch

Bibliografische Daten

Monografie

Persistenter Identifier:
PPN169891928X
URN:
urn:nbn:de:0220-gd-20353093
Titel:
Schreiblesefibel
Signatur:
DB-II 282(3,1876)
Erscheinungsort:
Hamburg
Verlag:
Berendsohn
Dokumenttyp:
Monografie
Sammlung:
Fibeln Kaiserreich
Erscheinungsjahr:
1876
Ausgabenbezeichnung:
3. Aufl. [Electronic ed.]
Copyright:
Georg-Eckert-Institut - Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung
Sprache:
Deutsch

Kapitel

Titel:
[ABC und Erstleseunterricht]
Dokumenttyp:
Monografie
Strukturtyp:
Kapitel

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Drittes Lesebuch
  • Einband
  • Titelseite
  • Vorwort zur zweiten Auflage
  • Vorwort zur dritten Auflage
  • Vorbemerkung zur vierten Auflage
  • Register
  • Besonderes Verzeichniß der Musterstücke für den Sprachunterricht
  • Erster Abschnitt. Gott und seine hl. Kirche
  • Zweiter Abschnitt. Der Mensch
  • Dritter Abschnitt. Das Thierreich
  • Vierter Abschnitt. Das Pflanzenreich
  • Fünfter Abschnitt. Das Mineralreich
  • Sechster Abschnitt. Aus der Naturlehre
  • Siebenter Abschnitt. Aus der Welt- und Erdkunde
  • Achter Abschnitt. Aus der Geschichte
  • Anhang
  • [ABC]
  • Einband

Volltext

78 
eingeschoben habe! Alle standen sogleich auf und wen¬ 
deten ihre Taschen um, ohne dass die Dose zum Vorschein 
kam. Nur der Fähnrich blieb in sichtbarer Verlegenheit 
sitzen und sagte : „Ich wende meine Tasche nicht um, ich 
gebe mein Ehrenwort, dass ich die Dose nicht habe.“ Die 
'ffiziere gingen kopfschüttelnd auseinander, und jeder hielt 
ihn für den Dieb. 
Am andern Morgen liess ihn der Oberst rufen und 
sprach : „Die Dose hat sich gefunden. Es war in meiner 
Tasche eine Naht aufgegangen, und da fiel sie zwischen 
dem Futter hinab. Nun sagen fSie mir aber, warum Sie 
mir Ihre Taschen nicht zeigen wollten? Es haben es doch 
alle Uebrigen gethan! Der Fähnrich sprach: „Ihnen 
allein, Herr Oberst, will ich es bekennen. Meine Eltern 
sind sehr arm. Ich gebe ihnen daher meinen halben Sold 
und esse Mittags nichts Warmes. Als ich eingeladen 
wurde, hatte ich mein Mittagessen bereits in der Tasche. 
Dasselbe bestand in einem Stück schwarzen Brotes und 
einer Wurst. Beim Umwenden der Tasche wäre es heraus¬ 
gefallen, und ich hätte mich schämen müssen.“ Der Oberst 
sagte gerührt: „Sie sind ein sehr guter Sohn ! Sie sollen 
von nun an täglich bei mir speisen; Sie können dann ihre 
Eitern leichter unterstützen.“ Er führte ihn in den Speise¬ 
saal und überreichte ihm vor allen Offizieren, als einen 
Beweis seiner Hochachtung, die goldene Dose. 
Wer seine Eltern liebt und ehrt, 
Ist Gott und Menschen lieb und werth. 
78. Mernsätie. 
Kin Sohn thut dem Vater durch ein böses 
Leben mehr weis, als der Vater durcit Züchti¬ 
gung dem Sohne. (Augustinus.) 
Wer die Litern der Armuth wegen verachtet, 
der ist sehlechter, als ein Ungläubiger. (Hilarius.) 
Wer seinen Eltern nicht gehorsames, der 
gründet sieh keine lleimath im Lande der Le¬ 
bendigen. (Petrus Damianus.) 
Die Furcht Gottes und der Gehorsam gegen 
die Eltern sind die Zierde des zarten Alters 
und die Ehre der Jugend. (Ambrosius.) 
Mein Sohn, ernähre deine Eltern; denjenigen 
hist du Alles schuldig, denen du dich selbst 
schuldig bist. (Ambrosius.) 
Wer seinem Vater nicht gehorchet, der ge¬ 
horchet gewiss auch Gott nicht. (Ambrosius.)
	            		
79 Krrnsprürhe MS dm Schnürn Thonms bon Iemp-is. Das ist die höchste Weisheit, dass man die Welt verachte und nach dem himmlischen Reiche trachte. — Es ist die erhabenste und nützlichste Lehre, sich selbst wahrhaft zuerkennen und seinen Werth gering anzuschlagen. — Wahrhaft gross ist der, welcher sich für klein und die höchste Ehren¬ stelle für Nichts hält. — Alle bösen Versuchungen beginnen mit der Unbeständigkeit des Herzens und dem geringen Vertrauen zu Gott. — Das Eisen wird im Feuer erprobt, der Gerechte in der Versuchung. — Viel thut, wer viel liebt; viel thut, wer jedes wohl thut; wohl thut, wer mehr dem allgemeinen Besten, als seiner Neigung dient. — In dem Schweigen und der Ruh nimmt eine gute Seele zu. /*19. Der edle Sohn. Ein Vater und ein Sohn dienten bei derselben Compagnie, jener als Gemeiner, dieser als Unteroffizier. Als das Regi¬ ment eines Tages vor dem Thore exerzierte, bemerkte der Ge¬ neral in jener Compagnie beim Abfeuern der Gewehre einen groben Fehler. Er ritt sogleich auf den Unteroffizier zu und fragte mit zorniger Stimme, wer den Fehler begangen habe. Der Gefragte schwieg. „Kann er nicht sprechend" fragte der General. „Ich werde ihm den Muud öffnen!" Und sogleich befahl er, dem Unteroffizier 20 Hiebe zu geben. In diesem Augenblicke regte sich Jemand im Gliede, als ob er vortreten wollte; doch ein Blick des Unteroffiziers genügte, um jenen in Reih' und Glied zu erhalten. Als die Strafe vollzogen war, fragte der General : „Nun, wird er künftig zu antworten missen?" „Gewiß," versetzte der Unteroffizier, „und auch diesmal hätte ich zu antworten gewußt, wenn nicht mein alter Vater, der sich noch nie eine Strafe zuzog, der Schuldige gewesen wäre." Der General sah den Unteroffizier ernstlich an, wandte dann sein Pferd, und ritt schweigend weg; aber am folgenden Morgen ließ er ihn zu sich kommen, ernannte ihn zum Feldwebel und kündigte ihm an, daß sein Vater noch heute den Abschied mit erhöhter Pension erhalten werde. 80. Mutterliebe. „Mein Herz hat auch wohl einen Garten, Von Mutterliebe treu bebaut; Ich kann nur liebend seiner warten, Den Segen hab' ich Gott vertraut." „Ich pflege sie an meinem Herzen, Wenn auch ihr Dorn es manchmal sticht; Die Mutter will's ja gern verschmerzen, Die Mutterliebe zürnet nicht." „Viel Blumen sind darin ent¬ sprossen, So duftig und so rein und licht; Doch wie viel Thränen sie begossen, Das ahnt die junge Blume nicht. „Und alle Blätter, alle Blüthen Durchforscht mein Auge Tag für Tag, Auf daß bei meinem treuen Hüten Auch nicht ein Hälmlein leiden mag."

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Drittes Lesebuch. Trier: Leistenschneider [u.a.], 1861. Print.
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