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Die Neuzeit (T. 3)

Bibliografische Daten

Monografie

Persistenter Identifier:
PPN1741695821
URN:
urn:nbn:de:0220-gd-20877722
Titel:
Schulatlas für Gymnasien, Real- und Handelsschulen, Lehrerbildungs-Anstalten sowie sonstige höhere Lehranstalten
Signatur:
A GA-16(1,1897)
Autor*in:
Richter, Eduard (03.10.1847-06.02.1905)
Erscheinungsort:
Wien
Verlag:
Tempsky
Dokumenttyp:
Monografie
Sammlung:
Österreich
Erscheinungsjahr:
1897
Ausgabenbezeichnung:
[Electronic ed.]
Copyright:
Leibniz-Institut für Bildungsmedien | Georg-Eckert-Institut
Sprache:
Deutsch
Untertitel:
im Anschluss an sein Lehrbuch der Geographie

Einband

Dokumenttyp:
Monografie
Strukturtyp:
Einband

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Grundriss der Geschichte in pragmatischer Darstellung für die oberen Klassen höherer Lehranstalten
  • Die Neuzeit (T. 3)
  • Titelseite
  • Inhalt
  • Ueberblick und Einteilung
  • A. Die Zeit von 1521 - 1786
  • a. Deutschland bis 1618 und die habsburgischen Länder
  • b. Deutschland bis 1714 und Frankreich
  • c. Die übrigen europäischen Staaten und die Zeit Friedrichs des Grossen
  • B. Die Zeit von 1786 - 1871
  • Berichtigungen
  • Einband

Volltext

Kulturgeschichtliches. 
Kinder nebst vielen aus dein höchsten Adel wurden noch durch Geldzahlungen 
mit dem Hofe verkettet. 
Das glänzendste Leben entwickelte sich in den Schlössern zu Versailles, 
welche mit ungeheueren Kosten von Ludwig nach und nach erbaut werden und 
Bewunderung und Nachahmung in ganz Europa fanden. Andere Schlösser waren 
mehr für den engem Umgang oder nur für einzelne Familienmitglieder. 
Dieses Hof leben übte auf Kunst und Wissenschaft den bedeutendsten Ein- 
flufs, da hier Bau- und Gartenkunst, Skulptur und Malerei (Der Historien- und 
Landschaftsmaler Nicolas Poussin, Eustache le Sueur, bekannt durch seine 
Scenen aus dem Mönchsleben, Charles Lebrun, bei dem die Kunst zu falschem 
theatralischen Pompe ausartet, Jacques Callot, Genremaler und Kupferstecher), 
Schauspiel und Oper Anregung und Mittelpunkt fanden. Dazu wurden Künstler 
und Dichter zur Verherrlichung der Macht des Königs begeistert oder auch durch 
Geldgeschenke unterstützt. Die Dichtkunst erlebte das goldene Zeitalter. Die 
Wissenschaft wurde durch Anlegung von Bibliotheken und Stiftung von Aka- 
demieen begünstigt. 
Wie der Glanz des französischen Königshofes, so wurde auch diese Kunst 
und Wissenschaft in Europa bewundert und nachgeahmt zum Schaden der ge¬ 
sunden Entwickelung des Fürsten- und Volkslebens wie der Kunst. 
80. Die Poesie der Franzosen. Zur Zeit der Kreuzzüge sangen die 
Troubadours in der Provence ihre mehr lyrischen, die Trouveres im nörd¬ 
lichen Frankreich ihre epischen Gesänge. Während die reformatorischen Be¬ 
wegungen die Verhältnisse des Mittelalters umwandelten, verspottete Francois 
Rabelais die Laster und Thorheiten aller Kreise. Auch das Volksdrama ent¬ 
wickelte sich damals in der auch bei ändern Völkern gewöhnlichen Weise 
(Mysteres, Moralites, Farces, Sottises). 
Unabhängig von dieser aus dem Volksleben hervorgegangenen Poesie bildete 
sich nach den Mustern des Altertumes, dessen Studium König Franz I. be¬ 
sonders begünstigt hatte, die klassische Periode der französischen Poesie. 
Durch ihr Hauptmerkmal, höchste Eleganz der Form und rhetorisches Pathos, 
kann die Vernachlässigung des Natürlichen nicht ersetzt werden. Jedoch fand 
sie im Zeitalter Ludwigs XIV. inner- und aufserhalb Frankreichs viel Verbreitung 
und Bewunderung. Die Gesetze der Poesie entlehnte jene Zeit aus der „Art 
poetique“ des Boileau. 
Nach ihm schufen Pierre Corneille, Racine und Voltaire, „das 
Triumvirat der klassischen Tragödie“, mit genauer Beachtung der (einseitig auf- 
gefafsten) Forderung des Aristoteles ihre Dramen, deren Stoffe sie mit Vorliebe 
aus dem Altertume entlehnten. „Lebhafte, kühne Entgegnungen, gedrängten, 
feurigen und blitzschnellen Dialog, . . . Wärme des Gefühles findet man in 
Corneilles Dramen vereint; allein man findet auch häufig eine unglückliche 
Affektation der Dialektik, Raisonnement statt der Empfindung. Racine strebte 
in seinen Dramen, worunter Phädra und Athalie die bedeutendsten, letzteres 
überhaupt das bedeutendste Drama der Franzosen, aber anfangs ungünstig auf¬ 
genommen ist, zu sehr nach Rührung seiner Zuhörer. Voltaire huldigte nur 
anfangs dem „klassischen“ Geschmacke und wählte später christliche und ritter¬ 
liche Stoffe, z. B. in Mahomet, Zaire, Tancred.“ 
Freier entfaltete sich die Komödie. (Jean Baptiste Poquelin, nach seinem 
Namen als Schauspieler und Dichter bekannt als) Moliere, der einzige klassische 
Lustspieldichter der Franzosen, der gröfste Lustspieldichter nach Aristophanes, 
der Schöpfer des Charakterlustspieles überhaupt, hat in seinen Lustspielen 
„L’avare, Le bourgeois gentil-homme, Le misanthrope“ diese Klassen von Menschen 
nicht nur seiner, sondern auch der folgenden Zeiten trefflich persifliert. 
„Les aventures de Telemaque“ des Bischofs (Francois de Salignac de Lamotte) 
Fenelon in gefälliger Prosa mit didaktischer Tendenz und freisinnigem Geiste 
geschrieben, rief die Bewunderung der Franzosen hervor, kann aber das in dieser 
Periode fehlende Epos nicht ersetzen. Dagegen sind rLe diable boiteux“ und 
„Histoire de Gil Blas de Santillane“ des (Alain Rene) Le Sage, die besten
	        

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Brock, Julius. Die Neuzeit. Berlin: Gaertner, 1881. Print.
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