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Lese- und Lehrbuch für ländlich-gewerbliche Fortbildungsschulen

Bibliographic data

Monograph

Persistent identifier:
PPN1741695821
URN:
urn:nbn:de:0220-gd-20877722
Title:
Schulatlas für Gymnasien, Real- und Handelsschulen, Lehrerbildungs-Anstalten sowie sonstige höhere Lehranstalten
Shelfmark:
A GA-16(1,1897)
Author:
Richter, Eduard (03.10.1847-06.02.1905)
Place of publication:
Wien
Publisher:
Tempsky
Document type:
Monograph
Collection:
Austria
Publication year:
1897
Edition title:
[Electronic ed.]
Copyright:
Leibniz-Institut für Bildungsmedien | Georg-Eckert-Institut
Language:
German
Subtitle:
im Anschluss an sein Lehrbuch der Geographie

Map

Title:
Süd-Asien
Document type:
Monograph
Structure type:
Map

Contents

Table of contents

  • Lese- und Lehrbuch für ländlich-gewerbliche Fortbildungsschulen
  • Binder
  • Title page
  • Vorwort zur zweiten Auflage
  • Inhaltsverzeichnis
  • I. Stand und Beruf des Landwirts und des Handwerkers
    I. Stand und Beruf des Landwirts und des Handwerkers
  • II. Die sittlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Grundlagen der Landwirtschaft und des Gewerbes
  • III. Am eigenen Herd
  • IV. Bei der Arbeit
  • 1. In der Werkstätte und auf dem Arbeitsplatz
  • 2. Im Stall und auf dem Acker
  • V. Im Weltverkehr und im Vaterlande
  • VI. Aus der Bürger- und Gesetzeskunde
  • VII. Aus der Geschichte des Vaterlandes
  • Binder

Full text

14 n. Die sittlichen, wirtschaftlichen u. kulturellen Grundlagen der Landwirtschaft rc. 
natürlich. Und wenn's eine Rauferei gab, auch nicht der Letzte. Frei¬ 
lich, auch manches nützliche Buch hab' ich nebenbei gelesen.' Da hab' 
ich denn das Mädel da kennen gelernt, meine Frau, und mit dem 
Zigeunern war's aus. Ich sage nur eins: wenn einer so eine glück¬ 
liche Zeit erlebt hat, wie wir zwei in unserm Brautjahr und im ersten 
unserer Ehe, dann soll er mit seinem Herrgott zufrieden sein. Und 
wenn's ihm nachher noch so hart ergeht. Im zweiten Jahre kam 
das Ännchen zur Welt, und seitdem liegt meine Frau siech, und das 
Mädel ist lahm. Fünfzehn Jahre/' 
Ich muß gestehen: mich auf meinem Amboß überkam diesem 
schlichten, ernsten Manne gegenüber, dem das Geschick so schwer mit¬ 
gespielt hatte, ein Gefühl niederträchtigster Beschämung. Wir von 
heute sind angekränkelt, so groß wir sind, von eingebildeten Leiden, 
überflüssigen Zweifeln und ungerechten Verbitterungen. Hier stand 
ein Mann, der weiß Gott nicht an eingebildeten Übeln litt. Aber 
auf seinem Gesicht entdeckte ich nicht eine Falte, die Verbitterung 
verriet. 
Als wir langsam, unter ruhigen Gesprächen über dies und das, 
durch die warme Mainacht dem Dörfchen zuschritten, veranlaßte ich 
den Schmied, noch einmal auf sein Geschick zurückzukommen. 
„Es verdient Achtung," sprach ich, „daß ein frischer Mann wie 
Ihr das so ruhig und ohne Verbitterung aushält. Ich kannte Leute, 
die sich in ähnlichen schweren Verhältnissen dem Trunk ergaben oder 
sonstwie schlecht wurden. Bei uns zu Hause war sogar einer, der 
ließ Weib und Kind im Elend sitzen und brannte über Nacht nach 
Amerika durch." 
„Das muß ein erzliederlicher Schuft sein, der so 'was tut!" 
erwiderte der Schmied. „Und wenn's bei euch dort oben einer getan, 
so will ich hoffen, daß ihr nicht viel von der Sorte im Lande habt. 
Ich tue hier meine Pflicht, wie nun einmal unser Herrgott will. 
Ob's nun fünfzehn Jahre mit meinen Zweien zu Hause so fortgeht 
oder dreißig. Und ich bin mit meinem Herrgott gufrteben, das ist die 
Hauptsache, denk' ich. Und meine Anna und mein Ännchen auch." 
„Trotz alledem?" fragte ich. 
„Trotz alledem," sagte er ruhig. 
Dann ffng er, da es ihm offenbar peinlich war, daß nur von 
ihm und seinen Verhältnissen geredet wurde, ein Reden an über 
landwirtschaftliche Dinge Und wir waren bald in ein Gespräch ver¬ 
wickelt, das die Zeit bis zum Kreuzweg reichlich ausfüllte. Mit einem 
herzlichen Händedruck und einem ruhigen „Glückliche Reise" verließ 
mich der ernste Mann. — 
Meine Gedanken von dort bis ins nahe Städtchen waren anderer 
Art als zuvor. Dieser Schmied machte mir zu schaffen. Hier hatte 
ich einen Helden gesehen, der unter mißlichen Verhältnissen vornehm 
und fest auf seinem Posten stand. Ich habe mir das eingeprägt. 
Jener Dorfschmied tritt in jeder trüben Stunde, wo Verzweiflung 
meine Welt zu bezwingen droht, hell vor mein inneres Auge. Ich
	        

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Citation recommendation

Gehrg, Hermann et al. Lese- Und Lehrbuch Für Ländlich-Gewerbliche Fortbildungsschulen. Leipzig [u.a.]: Teubner, 1910. Print.
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