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Die vorchristliche Kulturwelt (Hauptteil 1)

Bibliografische Daten

Mehrbändiges Werk

Persistenter Identifier:
PPN636415252
URN:
urn:nbn:de:0220-gd-7319217
Titel:
Lehrbuch der Geschichte für die Oberstufe realistischer Mittelschulen
Autor*in:
Lorenz, Karl
Erscheinungsort:
München
Verlag:
Oldenbourg
Dokumenttyp:
Mehrbändiges Werk
Sammlung:
Geschichtsschulbücher Kaiserreich
Copyright:
Georg-Eckert-Institut - Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung
Sprache:
Deutsch

Band

Persistenter Identifier:
PPN636415392
URN:
urn:nbn:de:0220-gd-7321806
Titel:
Die vorchristliche Kulturwelt
Signatur:
HDR-II 19(1,11)-1
Autor*in:
Lorenz, Karl
Bandzählung:
Hauptteil 1
Erscheinungsort:
München
Verlag:
Oldenbourg
Dokumenttyp:
Band
Sammlung:
Geschichtsschulbücher Kaiserreich
Erscheinungsjahr:
1911
Ausgabenbezeichnung:
[Electronic ed.]
Copyright:
Georg-Eckert-Institut - Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung
Sprache:
Deutsch
Untertitel:
(das Altertum)

Appendix

Titel:
Anhang
Dokumenttyp:
Mehrbändiges Werk
Strukturtyp:
Appendix

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Lehrbuch der Geschichte für die Oberstufe realistischer Mittelschulen
  • Die vorchristliche Kulturwelt (Hauptteil 1)
  • Einband
  • Titelseite
  • Vorwort
  • Inhalt
  • Einleitung
  • Die Griechen
  • Die Römer
  • Zeittafel
  • Anhang
  • Einband

Volltext

IV Kulturgeschichtliche Grundbegriffe. 
Abgaben) gleichfalls in Naturalien geleistet werden. Ebenso selbstverständlich 
ist es, daß auf dieser (Stufe des Wirtschaftslebens der W e r t m e s s e r beim Aus- 
tausch von (Sutern (Handel) durch Naturalien dargestellt wurde. Bei größeren 
Werten war dies gewöhnlich das Rind (das Wort „pecunia — Geld" ist ab¬ 
geleitet von pecus — Rind) oder das Pferd (Streitroß), letzteres besonders 
bei den alten Persern und Germanen, heute noch bei den Arabern, Beduinen, 
bei welchen außerdem das Kamel als Wertmesser eine Rolle spielt. 
Kleinere Werte werden dargestellt durch bestimmte Quantitäten Getreide, 
Schafe, Hühner u. ä. Diese Wirtschaftsform findet sich nicht nur bei Naturvölkern 
fondern auch bei Kulturvölkern, solange sie überwiegend Ackerbau treiben. Im 
Alten Testament wird häufig mit Rindern, Schafen und Kamelen bezahlt; in 
dem Homerischen Gedicht Ilms wird der Wert der Rüstungen, welche die beiden 
Helden Glaukos und Diomedes austauschen, in Rindern angegeben. Noch heut- 
zutage zahlen manche Bauern in den unteren Donauländern (Serbien, Bulgarien, 
Rumänien) ihre Steuern in Erträgnissen der Landwirtschaft, z. B. in Getreide, 
Schweinen, Zwetschgen u. dgl. Es ist jedoch leicht ersichtlich, daß Handel und 
geschäftlicher Verkehr umständlich und bedenklich waren, wenn der Wertmesser 
selbst einen so schwankenden tatsächlichen Wert hatte, wie das bei Naturalien 
in der Natur der Sache liegt. (Ein Rind z. B. kann seinen Wert täglich ändern, 
alt und jung, fett und mager, groß und klein fein, Begriffe, die auch beim scharf¬ 
sinnigsten Vertrag nicht genau festgelegt werden können; es braucht Futter, 
Pflege, Stall, kann krank werden und abstehen; ähnlich ist es bei den anderen 
Naturalien.) Das bildete auch tatsächlich eine Quelle endloser Streitig¬ 
keiten, da der Liefenmgspflichtige begreiflicherweife ein möglichst wertloses 
Natural geben, der Empfangsberechtigte ein möglichst wertvolles erhalten wollte. 
„Mager wie ein Zinshahn" war im ganzen Mittelalter bis in die Neuzeit ein 
bekanntes Sprichwort. 
Diese Verhältnisse wurden um so unerträglicher, je mehr sich bei zunehmender 
Bevölkerungsdichte und Arbeitsteilung Industrie und Handel ausbildeten, 
also vor allem in den Städten. Die unaufhaltsame Entwicklung verlangte einen 
Wertmesser, der auf kleinerem Raum größeren Wert vereinigt, demnach in der 
Natur seltener vorkommt, leicht in eine gewünschte Form gebracht werden kann, 
die er dann beibehält; ferner bequem zu befördern und aufzubewahren ist, ohne 
seinen Wert zu ändern, nichts verzehrt, nicht von selbst zugrunde geht, keine täg- 
liche Pflege beansprucht usw. Es kann dies nichts Organisches, es muß etwas 
Anorganisches sein. So kamen die Kulturvölker auf die E d e l m e t a ll e (Silber, 
Gold); der Übergang zur 
Geldwirtschaft war gegeben. Anfangs wurde das Edelmetall nach fernem 
Feingehalt bestimmt und dann gewogen (ein Pfund Silber, ein Pfund 
Heller; heute noch ein Pfund Sterling). Weil aber das jedesmalige Wiegen, 
sehr umständlich war, fertigte bald eine größere Gemeinschaft (Stadt, Staat) 
ein bestimmtes Gewicht als Einheit und setzte als Zeichen der Garantie ihren 
Stempel daraus. Wo die Geldwirtschaft streng durchgeführt ist, werden alle Ver¬ 
pflichtungen des einzelnen und der Gesamtheit (Einnahmen und Ausgaben) in 
Metallgeld geleistet (Löhne, Gehälter, Preise der Produkte, Steuern:c.). Der 
moderne Geldverkehr hat zur Vereinfachung sogar nur Anweisungen auf Metall- 
geld eingeführt, z. B. Banknoten, Postanweisungen, Schecks:c. Diese sind so 
lange vollgültig, als sie durch den vorhandenen Metallbestand gedeckt sind, d. h. 
jederzeit ersetzt werden können.
	        

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Lorenz, Karl. Die Vorchristliche Kulturwelt. München: Oldenbourg, 1911. Print.
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