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[Bd. 2] (Bd. 2)

Bibliographic data

Monograph

Persistent identifier:
PPN640619266
URN:
urn:nbn:de:0220-gd-7620410
Title:
Deutsche Geschichte für evangelische Volksschulen
Shelfmark:
HDH-II 8(1,01)L
Author:
Tecklenburg, August
Place of publication:
Hannover [u.a.]
Publisher:
Carl Meyer (Gustav Prior)
Document type:
Monograph
Collection:
History textbooks, imperial Germany
Publication year:
1901
Edition title:
Ausg. für d. Lehrer [Electronic ed.]
Copyright:
Georg-Eckert-Institut - Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung
Language:
German

Chapter

Title:
I. Die Zeit des Heidentums
Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter

Contents

Table of contents

  • Lehrbuch der Weltgeschichte
  • [Bd. 2] (Bd. 2)
  • Binder
  • Prepage
  • Title page
  • Inhalt
  • Drittes Buch. Die neue Zeit
  • Viertes Buch. Das Revolutions-Zeitalter
  • A. Die Vorboten der Revolution
  • B. Die französische Revolution
  • C. Napoleon Bonaparte's Machtherrschaft
  • D. Auflösung des Kaiserreichs und Begründung neuer Zustände
  • Fünftes Buch. Neueste Geschichte
  • Binder

Full text

410 Das Revolutions-Zeitalter. §. 853. 
Städten Italiens in die metrische Gestalt umgegossen hatte, noch ein eigenthümliches 
Zeitinteresse. Wie Goethe in der Jphigenia die Eindrücke der antiken Welt niederlegte, 
so in dem zarten, gemütvollen Drama Torquato Tasso die aus den italienischen Dich¬ 
tern Tasso und Ariost geschöpften Empfindungen. In dieses Kunstwerk, worin der Zwie¬ 
spalt zwischen Dichter und Weltmann mit so vieler Seelenkenntniß und Feinheit gezeich¬ 
net ist, hat Goethe seine innersten Erfahrungen und geheimsten Gefühle hineingetragen. 
Der naheliegende Vergleich zwischen den kunstliebenden Hösen von Ferrara und Weimar 
machte die Beziehungen noch feiner. In beiden Stücken ist wenig Handlung, aber Goethe 
wußte die „Gesinnung zur Handlung" zu machen. Hat Tasso seinen Hauptwerth in der 
Fülle edler Gedanken und den schönen Lehren praktischer Lebensweisheit, so ist Jphigenia 
ausgezeichnet durch die tief durchdachte künstlerische Anlage, die vollendete Form und die 
Einfachheit der Handlung. — Goethe's Tagebuch der italienischen Reise, so wie 
seine lebendige Beschreibung des römischen Carnevals beweisen, daß auch sein pro¬ 
saischer Stil durch die neuen Eindrücke und den neuen Aufschwung zu hoher Vollendung 
geführt ward. „Wo er seine Feder ansetzte, ist unnachahmlicher Reiz und durchweg fühl¬ 
bare Anmuth ausgegossen. Er schaltete in der Schriftsprache königlich/' Alles, was 
Goethe von dieser Zeit an schrieb, trägt die Einwirkung der italienischen Erfahrungen 
an der Stirne und ist besonders in Beziehung auf Form von den Producten der ersten 
Periode durch eine weite Kluft geschieden. Er hatte sich selbst wiedergefunden und was 
er bisher geschaffen, auf die Höhe der reinsten Kunst erhoben. In dem Trauerspiel 
Egmont, das er, wie Jphigenia und Tasso, in früheren Jahren entworfen und theil- 
weife ausgearbeitet, aber erst nach dem italienischen Aufenthalt vollendet hat, erscheint 
die alte und neue Richtung gemischt. Der Stoff selbst und die lebendig geschilderten 
Volksscenen erinnern an Shakespeare und Götz, aber die Anlehnung des Ganzen an den 
Hauptheldeu, dessen Liebenswürdigkeit, Selbstvertrauen, Volksgunst und Tapferkeit der 
Dichter mit so viel Liebe und Geschick gezeichnet, verräth den Einfluß antiker Kunstregel. 
Auf den auffallenden Ausgang mag Goethe's gleichzeitige Beschäftigung mit dem italie¬ 
nischen Singspiele von Einfluß gewesen sein. — In den borghesischen Gärten zu Rom 
zeigen deutsche Künstler und Reisende noch die Stelle, wo Goethe die Blocksbergscene sei¬ 
nes Faust dichtete. In keinem Werke hat Goethe so sehr sein eigenes inneres Leben und 
seine menschliche und poetische Entwickelung dargelegt, als in dem dramatischen Werke 
Faust. Diese Dichtung, deren Grundzüge schon in der frühesten Jugend entworfen wur¬ 
den und deren Abschluß erst ein Jahr vor seinem Tode erfolgte, zieht durch Goethe's 
langes Leben hin, daher die große Verschiedenheit nicht nur des ersten Theils vom 
zweiten, sondern auch der einzelnen Partien im ersten selbst. Daß aber darin dennoch 
„das Schönste, was poetische Darstellung geben kann, mit beneidenswerther Leichtigkeit 
und Überlegenheit niedergelegt ist, und wie der Dichter in die Tiefe des menschlichen 
Wesens hinabtaucht, um das Verborgenste seiner Natur zur schönsten Erscheinung 
schmeichelnd herauf zu zaubern, darüber hat die Stimme der Welt längst entschieden"; 
nur mit dem „Umspinnen und Umweben dunkler Vorstellungen mit dunklen Worten", 
die freilich ihre Erklärung in dem tiefsinnigen Stoffe finden, hat man sich nicht allgemein 
befreunden können. An die Volkssage anknüpfend, hat Goethe die Figur des Faust zum 
Träger und Repräsentanten der Zeitideen und der geistigen Richtungen und Bestrebungen 
gemacht, im ersten Theil ihn mehr als Persönlichkeit, im zweiten mehr als ideales Be. 
griffswesen erfassend. 
Im ersten Theil erscheint Fanst als einer jener krastgenialen Menschen, der alle Tiefen des 
Wissens durchdrungen hat. ohne die innere Befriedigung zu finden, und mit dem Gedanken um¬ 
geht, sich von den Banden des Körpers, die das Eindringen in das Innere der Natur und die 
Erkenntniß des Wesens der Dinge verhindern, durch Selbstmord zu befreien. Da weckt der Oster- 
gesang die süße Erinnerung an die glücklichen Jahre der Jugend, wo seine Seele im Glauben 
Beruhigung gefunden und die Befriedigung der sinnlichen Bedürfnisse reiner Natur das Ziel seiner 
Wünsche und seines Strebend war, und hält ihn von seinem Vorhaben ab. Diesen Glauben an 
die göttliche Offenbarung in seinem Innern neu zu begründen, ist sein ernstes Trachten; da er aber 
bereits vom Baume der Erkenntniß gekostet, so kann er nicht wieder zu der unbefangenen Gläubig.
	        

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Weber, Georg. [Bd. 2]. Leipzig: Engelmann, 1883. Print.
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